„Wir müssen die Kosten immer im Blick haben“

Kämmerer : „Wir müssen die Kosten immer im Blick haben“

Kämmerer Volker Hoven über die Hürden bei der Erstellung des Haushaltsplans.

. Sichtlich erholt und voller Tatendrang scheint Volker Hoven das Jahr 2019 anzugehen. Der erste Beigeordnete und Kämmerer Sprockhövels hatte im September letzten Jahres mit der Verhängung einer Haushaltssperre für Aufsehen gesorgt. Mittlerweile spricht er aber relativ entspannt über die Zeit. „Natürlich sind solche Entscheidungen nicht einfach. Aber es ist meine Aufgabe, die Finanzen im Blick zu haben, und wenn es sein muss, auch solche Maßnahmen anzuordnen“, erinnert sich Hoven an das letzte Viertel des Jahres 2018, in dem der Verwaltung die Kosten aus dem Ruder zu laufen drohten. Aufgrund verschiedener Veränderungen reichte der Personal- und Versorgungsaufwand, der im Haushalt mit 13,486 Millionen Euro taxiert war, nicht mehr aus. 690 000 Euro mussten zusätzlich aufgebracht werden, entstanden durch legitimierte Personalaufstockungen und Fehlkalkulationen bei den Pensionsrückstellungen.

Gerade mit Blick auf die Geschehnisse ist die Genehmigung des neuen Haushaltsplans — mit dem die verhängte Sperre zunächst erstmal wieder aufgehoben ist — wahrlich ein Kunststück. „Das war noch nie so schwer, einen ausgeglichenen Haushaltsplan aufzustellen. Daher müssen wir weiter diszipliniert bleiben und die Kosten immer im Blick haben“, sagt Hoven, der darauf hinweist, dass der Haushaltsplan mit knapp 12 000 Euro zwar ein positives Ergebnis aufweist, aber kaum Luft für Extras lässt. „Wir haben kaum Möglichkeiten, noch irgendwo bei den freiwilligen Abgaben zu sparen“, sagt der 45-Jährige.

Um die vom Rat geforderten Kosteneinsparungen und die damit verbundene Personalreduzierung auf den alten Stand zu bringen, bereitet die Verwaltungsspitze aktuell eine Neustrukturierung der Verwaltungsorganisation vor, die bei Bestätigung durch den Hauptausschuss des Rates umgesetzt werden soll. Sollte die Politik dem Vorhaben zustimmen, wovon man nach den Bemühungen der letzten Wochen ausgehen sollte, dann wird Hoven seine Bereiche noch einmal erweitern müssen und auch die Wirtschaftsförderung mit verantworten. „Wir empfehlen dem Rat, bestimmte Bereiche, die sich thematisch oft überschneiden, zusammenzulegen“, sagt Hoven im WZ-Gespräch, ohne auf die Pläne genau einzugehen.

Hoven: Sprockhövel braucht mehr Wohn- und Gewerbeflächen

Hoven ist Verwaltungsexperte durch und durch. Die kommunale Arbeit hat der zweifache Vater von der Pike auf gelernt. „Die Arbeit hat mich so begeistert, dass ich mich immer wieder fortgebildet habe“, berichtet Hoven nicht ohne Stolz von seinen bildungsreichen Werdegang, den er mal als Bauzeichner begann. Über Studiengänge zum Fachwirt für Facility Management und Betriebswirt VWA hat der Familienmensch auch den Bachelor of Business Administration und Master of Laws abgelegt. Also alles nützliche Kompetenzen, um bei Projekten bei allen Gesprächen im Thema zu sein. „Ich sehe es als ein Privileg an, in meiner Stadt, wo meine Familie zu Hause ist, die Zukunft meiner Kinder mitgestalten zu können“, sagt Hoven. Dabei geht der Kämmerer auch unangenehmen Diskussionen nicht aus dem Weg. „Wir brauchen mehr Wohn- und Gewerbeflächen“, spricht er unverblümt aus, was manche in der Politik nicht hören wollen. Schließlich sind das die Haupteinnahmequellen, die eine Kommune habe. „Ich und wir haben einen Plan, wie wir unsere Bürger vor Steuererhöhungen schützen wollen“, sagt Hoven, der sich wieder an die Arbeit macht. Schließlich ist 2019 schon im vollen Gange.

Mehr von Westdeutsche Zeitung