Bayer buhlt in der Krise um Investoren

Bayer-Krise: Wie Bayer in der Krise um Investoren buhlt

Bayer-Vorstandschef Werner Baumann will die Investoren mit Optimismus überzeugen - trotz schlechten Aktienkurses und Unsicherheiten in Sachen Monsanto. Aber es gibt auch Momente, in denen sich der Krefelder zerknirscht gibt.

Als sich der Krefelder Werner Baumann im April 2016, kurz vor seinem Amtsantritt als neuer Bayer-Chef, zum Kennenlernen mit Journalisten traf, da gab er nicht nur ein paar persönliche Details von sich preis. Etwa, dass er ein paar ältere Autos sein eigen nennt („Klein, laut und schnell, das gefällt mir“). Und dass er zu Hause gern heimwerkt. Baumann sagte damals auch etwas zu seiner neuen Aufgabe. Nämlich, dass er keine Notwendigkeit für einen fundamentalen Strategiewechsel sehe, da setze er auf „Evolution statt Revolution“.

In die Praxis umgesetzt stellt sich das so dar: Mittlerweile hat sich Bayer von fast allen Anteilen seiner früheren Kunststoffsparte „Material Science“ (heute Covestro) getrennt. Dann die umstrittene, 63 Milliarden Dollar teure Übernahme des US-Saatgutherstellers Monsanto. Und nun der jüngst angekündigte Umbau: Trennung vom Geschäft mit Tiergesundheit, Abgabe von Marken im Bereich der nicht verschreibungspflichtigen Medikamente, Ausstieg aus dem Standort-Dienstleister Currenta. Besonders einschneidend: der Abbau von 12 000 Arbeitsplätzen, ein „signifikanter Teil“ davon in Deutschland. Betroffen ist auch der Wuppertaler Standort für Hämophilie-Medikamente. Laut Baumann sind das keine Reaktionen auf die Übernahme von Monsanto. Und erst recht nicht auf die Glyphosat-Klagen in den USA.

Nach den Protesten der Arbeitnehmer in Wuppertal und einer Betriebsversammlung folgte am Mittwoch der wichtige Termin in London – mit den Investoren. Baumann und seine Vorstandskollegen konfrontierten die Anleger-Vertreter knapp vier Stunden lang mit Referaten und 224 Seiten Charts darüber, wie rosig doch alles aussehe. Der Bayer-Umsatz soll im kommenden Jahr um etwa vier Prozent zulegen. Das Ergebnis soll von voraussichtlich 11,5 Milliarden in 2018 auf etwa 12,2 Milliarden Euro in 2019 steigen. Die Botschaft: Es lohnt sich, in Bayer zu investieren.

Baumann: „Ihre Enttäuschung ist unsere Enttäuschung“

Aber Baumann gab sich durchaus auch zerknirscht, als er den Investoren mit Blick auf den schwachen Aktienkurs sagte: „Ihre Enttäuschung ist unsere Enttäuschung“. Bayer werde alles tun, was man könne, damit sich der Wert des Unternehmens wieder im Aktienkurs niederschlägt. War der Kurs schon in den vergangenen Jahren unter Druck geraten, wurde dies durch die große Unsicherheit noch verstärkt, den die in den USA laufenden Schadenersatzklagen wegen des glyphosathaltigen Unkrautvernichtungsmittels der neuen Bayer-Tochter Monsanto verursachen. Von einst 140 war der Kurs fast bis auf 60 Euro gefallen. Mittwoch ging es leicht aufwärts. Rund 66 Euro kostete eine Aktie.

Baumann verspricht: „Durch unsere führende Stellung in den Bereichen Gesundheit und Ernährung schaffen wir erheblichen Wert für unsere Aktionäre und die Gesellschaft.“ Auch zähle man auf die Marke Bayer. Die hat freilich durch die Monsanto-Übernahme und den schlechten Ruf des US-Unternehmens gelitten. Aber man kann Bayer nicht vorwerfen, nicht davor gewarnt zu haben. So hieß es im Geschäftsbericht 2017 im Kapitel „Chancen und Risiken“, die Übernahme des Monsanto-Geschäfts berge ein „erhöhtes Reputationsrisiko“. Damals war noch nicht mal von den spektakulären Schadensersatzklagen wegen Glyphosat die Rede.

Zu den hierzu in den USA laufenden Prozessen sagte Baumann den Investoren, das Urteil habe einen verheerenden Effekt auf den Kurs gehabt. Er stehe aber weiter hinter dem Produkt. Glyphosat sei nicht krebserregend. Bisher gebe es nur ein einziges erstinstanzliches Urteil, gegen das man in Berufung gehe. Man bereite sich intensiv auf weitere Prozesse im nächsten Jahr vor. „Wir glauben, dass die Erfolgschancen sehr, sehr gut sind“, sagt er und fügte hinzu: „Nichts ist sicher im Leben, natürlich.“

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