Bayer Investorenkonferenz: Bayer-Chef zu Investoren: "Ihre Enttäuschung ist unsere Enttäuschung"

Bayer Investorenkonferenz: Bayer-Chef zu Investoren: "Ihre Enttäuschung ist unsere Enttäuschung"

Bayer spielt auf volles Risiko und geht lediglich davon aus, der Konzern könne eine Herabstufung seines Nachhaltigkeitsratings erfahren.

Er werde alles tun, um den Unternehmenswert zurückzubringen, und er sei überhaupt nicht glücklich, so Bayer-Chef Werner Baumann am Morgen in London gegenüber Investoren: "Ihre Enttäuschung ist unsere Enttäuschung", sagte Baumann beim "Capital Markets Day 2018", der noch bis 14 Uhr andauert. Baumann machte erneut klar, dass er ausdrücklich weiter zu Glyphosat als Produkt stehe. Daher werde man es verteidigen, es sei sicher in der Anwendung. Das hätten zahlreichen Studien belegt. In der vergangenen Woche hatte Bayer angekündigt, Daten zur Glyphosat-Sicherheit öffentlich zugänglich zu machen.

Seit der Monsanto-Übernahme für rund 55 Milliarden Euro hat Bayer rund 40 Prozent seines Börsenwerts verloren. Im August, bevor Bayer bei Monsanto überhaupt aktiv werden konnte, das Unternehmen in den USA zu einem Schadensersatz von 289 Millionen Dollar verurteilt worden, worauf die Bayer-Aktie aus Furcht vor weiteren Klagen auf den tiefsten Stand seit mehr als zwei Jahren stürzte. Seitdem kämpft der Konzern um das Anleger-Vertrauen, um nicht vom Weltmarktführer der Agrarchemie innerhalb eines Jahres zum Übernahme-Kandidat zu werden.

Bayer-Chef Baumann kündigte in London ein deutlich schnelleres und höheres Wachstum an: Bis 2022 soll der Konzern ein jährliches Umsatzwachstum von 4 bis 5 Prozent hinlegen und dann 52 Milliarden Euro erreichen - dies wäre eine Verdreifachung des Wachstum im Vergleich zu 2017 vor dem Monsanto-Kauf. Vor dem Monsanto-Kauf wuchs Bayers Umsatz um lediglich 1,5 Prozent. Noch stärker soll der Gewinn wachsen: Das Konzern-Ergebnis (vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen) soll jährlich um 9 Prozent zulegen. 2019 strebt Baumann einen Gewinn von rund 12,2 Milliarden Euro an. Bis 2022 sollen daraus 16 Milliarden Euro werden.

Um diese Ziele zu erreichen, will Bayer bis Ende 2021 rund 12.000 seiner weltweit 118.000 Arbeitsplätze abbauen, etliche davon in Deutschland. Inzwischen ist klar: Es werden durch Verkäufe und Ausgliederung zusätzlich weitere 10.000 Mitarbeiter den Konzern verlassen. Wie berichtet soll unter anderem in Wuppertal eine neue Produktionsstätte für einen Blutgerinnungswirkstoff, die den Betrieb noch nicht aufgenommen hat, stillgelegt werden, betroffen sind 350 Arbeitsplätze. Man sehe in den nächsten zehn Jahren keine Chance, zwei Standorte profitabel zu betreiben, sagte Baumann in London. Bayer will die sogenannte Faktor-VIII-Produktion an einem Standort in den USA konzentrieren.

Der massive weltweite Stellenabbau nach Bayer-Darstellung Voraussetzung zum Erreichen der ehrgeizigen Wachstumsziele. Nicht berücksichtigt ist den Zahlen der geplante Verkauf der Sparte Tiergesundheit, für die Bayer bislang keinen Käufer hat und auch in London keine Lösung präsentieren konnte. Unklar ist auch, wer den zum Verkauf stehenden 60-Prozent-Anteil Bayers am Chempark-Dienstleister "Currenta" übernehmen könnte. Aus dem Bereich "Consumer Health" sollen die Marken Coppertone (Sonnenschutz) und Dr. Scholl's (Fußpflege) aufgegeben werden.

Wie diese Maßnahmen sich auf Umsatz- und Gewinn auswirken könnten, teilte der Bayer-Vorstand nicht mit. In der Finanzplanung sind keine Rückstellungen für mögliche Strafzahlungen aus verlorenen Glyphosat-Prozessen enthalten. Bayer spielt hier auf volles Risiko und geht lediglich davon aus, der Konzern könne eine Herabstufung seines Nachhaltigkeitsratings erfahren. Dies berge ein "erhöhtes Reputatationsrisiko". Die Börse reagiert verhalten, aber nicht unfreundlich auf die Ankündigungen. Bis zum Mittag legte die Aktie bei Schwankungen leicht zu.

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