Viele Anwohner fühlen sich am Bahnhof unsicher

Viele Anwohner fühlen sich am Bahnhof unsicher

Zwei Jahre lang wurde geforscht. Zudem haben 68 Prozent der Bürger Angst vor steigenden Mieten durch Gentrifizierung.

Zwei Jahre lang hat Tim Lukas von der Bergischen Universität zum Thema Sicherheit am Düsseldorfer Hauptbahnhof geforscht. Jetzt stellte er seine Ergebnisse in der Bezirksvertretung Mitte vor. Mit einem überraschenden Ergebnis: Die meiste Angst haben die Anwohner nicht vor Kriminalität, sondern vor steigenden Mieten. 68 Prozent befürchten, dass sie durch Gentrifizierung verdrängt werden könnten.

In den nächsten Jahren soll das Gebiet rund um den Hauptbahnhof aufgewertet werden. Mehr als 1000 Wohnungen entstehen im Grand Central, drei Hotels sind geplant. Das habe in dem Viertel, wo 28 000 Menschen wohnen, schon jetzt Spuren hinterlassen. „Es sind andere Menschen dorthin gezogen“, so Lukas. Die sorgen schon jetzt für mehr Arbeit beim Ordnungsamt: „Wenn die morgens eine Spritze im Hauseingang finden, hört das Verständnis für urbanes Leben auf.“ Es sei damit zu rechnen, dass sich diese Entwicklung in den nächsten Jahren fortsetzen werde.

Im Moment sei das Viertel durch viele sozial benachteiligte Bewohner geprägt. Die Arbeitslosenquote beträgt rund 14 Prozent. Über 20 Prozent der Bürger beziehen soziale Leistungen. Der Ausländeranteil rund um den Hauptbahnhof liegt bei 41,2 Prozent. Außerdem gebe es eine hohe Fluktuation.

Wie auch die Altstadt sei die Gegend um den Hauptbahnhof ein Hotspot für Kriminalität. Bei der überwiegenden Zahl handele es sich aber nicht um schwere Delikte. Taschendiebstähle und Drogendelikte stehen an der Spitze in der Kriminalstatistik. Gerade bei der Drogenkriminalität hänge es aber auch davon ab, wie intensiv von der Polizei kontrolliert werde, machte der Gutachter deutlich. Rund 60 Prozent der Befragten fühlen sich vor allem nachts im Bahnhofsviertel unsicher oder sehr unsicher.

Thema des Forschungsprojektes waren auch die Angsträume. Genannt wurden Worringer- und Konrad-Adenauer-Platz, Charlotten- und Mintropstraße, Lessingplatz sowie die Unterführung Ellerstraße. Neu an dem Forschungsprojekt war, dass auch Obdachlose nach ihrem Sicherheitsgefühl befragt wurden. Dabei decken sich die Angsträume weitgehend mit dem Ergebnis bei den anderen Befragten. Die Wohnungslosen fürchten sich vor allem vor Betrunkenen. „Es kommt öfter vor, dass Junggesellenabschiede auf dem Weg zum Hauptbahnhof auf Obdachlose urinieren“, berichtete Tim Lukas.

Ein differenziertes Verhältnis haben die Menschen, die auf der Straße leben, zu Ordnungsamt und Polizei. Die würden gleichzeitig als Hilfe und Bedrohung empfunden.

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