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VfL Bochum kommt nicht aus der 2. Bundesliga heraus

Düsseldorf/Bochum. : Unaufsteigbar?

Einst galten die Fußballer des VfL Bochum in der Bundesliga als „die Unabsteigbaren“. Doch seit der verlorenen Relegation 2011 steckt der Klub in der zweiten Liga fest. Jetzt soll ein Kurswechsel helfen.

Im Mai 2011 war Christian Wulff noch Bundespräsident, Lena Meyer-Landrut versuchte in Düsseldorf, ihren ESC-Titel zu verteidigen und in Bochum entschied sich das sportliche Schicksal zweier Fußballvereine.

Im Ruhrstadion standen sich an einem lauen Mittwochabend der VfL Bochum und Borussia Mönchengladbach im Relegationsrückspiel um die Teilnahme an der Bundesliga gegenüber. Das Hinspiel hatten die Borussen dank eines Last-Minute-Treffers von Igor de Camargo knapp mit 1:0 für sich entschieden. Es war klar, dass dem VfL jetzt nur noch ein Sieg mit zwei Toren Unterschied helfen würde, um ohne Verlängerung in die erste Liga zurückzukehren. Doch es wurde nichts daraus. Denn die Gladbacher, angeführt von einem blutjungen Marco Reus, schafften das, was den Bochumern Tage zuvor im Hinspiel nicht gelang – ein Auswärtstor.

Dass dieses 1:1 vom 25. Mai 2011 später einmal für beide Vereine als Zäsur wahrgenommen wird, hätten wohl die wenigsten Beteiligten dieses Abends vermutet. Doch es kam so. Denn während die Fohlen unter dem „Retter“-Trainer Lucien Favre eine sportliche Renaissance erfuhren und mit begeisterndem Fußball Richtung Europapokal galoppierten, verpasste der VfL erstmalig nach einem Bundesligaabstieg den direkten Wiederaufstieg. Seitdem steckt der Club aus dem Herzen des Ruhrgebiets in der zweiten Bundesliga fest. Und es sieht aktuell nicht danach aus, dass sich daran im kommenden Mai etwas ändert.

Statt auf Namen setzt man in Bochum künftig auf Talente

Denn die Blau-Weißen, die am Sonntag (15.30 Uhr/Sky) ihre zehnte Zweitliga-Saison in Regensburg eröffnen, müssen wieder einmal einen Umbruch bewerkstelligen. Nur dieses Mal soll nicht im Hau-Ruck-Verfahren das große Ziel erreicht, sondern mit Weitsicht agiert werden. Hierfür stellten Geschäftsführer Sebastian Schindzielorz und Trainer Robin Dutt (bereits der neunte Coach seit 2011) einen Kader zusammen, in dem weniger große Namen, dafür viel mehr Talent und Perspektive vorhanden ist.

Dafür wurden erfahrene Spieler wie Stefano Celozzi und Tim Hoogland (beide haben noch Verträge bis 2020) aussortiert und die Verträge mit Routiniers wie Robbie Kruse (Melbourne Victory) und Ex-Nationalspieler Sidney Sam (vereinslos) nicht verlängert. Stattdessen heißen die neuen Hoffnungsträger Jordi Osei-Tutu oder Armel Bella-Kotchap. Der 20-jährige Osei-Tutu kommt als Leihgabe vom Premier-League-Club Arsenal London und soll die rechte Defensivseite mit Leben erfüllen. Eigengewächs Bella-Kotchap wäre als 17-Jähriger noch für die A-Junioren spielberechtigt, kam in der vergangenen Saison aber bereits vier Mal zum Einsatz. Zusammen mit erfahrenen Stützen wie Saulo Decarli (27, Club Brügge), Anthony Losilla (33), Chung-Yong Lee (31) und Simon Zoller (28) sollen sie für eine bessere Zukunft sorgen.

Das ist jedenfalls der Maßstab für Robin Dutt. „In einem Jahr“, so der 54-Jährige im Gespräch mit der „WAZ“, „lasse ich mich daran messen, ob eine Mannschaft auf dem Platz steht, die die Träume der Menschen bedient und die Fantasie beflügelt.“ Dass er dazu in der Lage ist, hat der Fußballlehrer in seiner Zeit beim SC Freiburg (2007 bis 2011) unter Beweis gestellt, als er die Breisgauer mit Talenten aus dem Nachwuchsleistungszentrum in die Bundesliga führte und dort zwei Mal die Klasse hielt. Zwar waren seine weiteren Stationen in Leverkusen, beim DFB (als Sportdirektor), in Bremen und Stuttgart (als Sportvorstand) nur von kurzer Dauer, dennoch trauen im die Verantwortlichen um Geschäftsführer Schindzielorz und den Vorstandsvorsitzenden Hans-Peter Villis den nächsten Entwicklungsschritt zu.

Vielleicht nicht direkt, aber doch in absehbarer Zeit sollte die Rückkehr in die Beletage erfolgen – vor allem aus finanzieller Sicht. Immerhin ist wirtschaftliche wie sportliche Weiterentwicklung deutlich schneller in der Bundesliga möglich als eine Etage tiefer. Keiner weiß das besser als der VfL selbst, der in den vergangenen acht Jahren seinen Schuldenberg von fast sieben Millionen auf unter drei Millionen Euro drückte, dafür aber Jahr für Jahr seine besten Spieler ziehen lassen musste. Erinnert sei hierbei nur an die Nationalspieler Leon Goretzka und Lukas Klostermann, die Millionen brachten, aber dafür sportliche Substanz kosteten.

Mit der Ausgliederung der Profi-Abteilung im Oktober 2017 hat der VfL schon einmal den Weg für potenzielle Investoren geöffnet. Doch um diese an die Castroper Straßen zu locken, müssen auch sportliche Erfolge her. Robin Dutt weiß das. Er wird sich daran messen lassen. Damit der VfL Bochum, dessen Teams früher wegen ihrer 22-jährigen Bundesligazugehörigkeit als „die Unabsteigbaren“ bezeichnet wurden, künftig nicht als „die Unaufsteigbaren“ tituliert werden.