Düsseldorfer EG: Ponomarev ist nicht mehr Gesellschafter der DEG

Düsseldorfer EG : Ponomarev ist nicht mehr Gesellschafter der DEG

Der Eishockey-Verein und der russische Geschäftsmann gehen getrennte Wege. Am Freitagabend hat er seine Anteile verkauft.

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Düsseldorf. Mikhail Ponomarev ist nicht mehr Gesellschafter der DEG Eishockey GmbH. Nach WZ-Informationen hat der russische Geschäftsmann seine Anteile an der GmbH, die das Profi-Eishockey-Team der Düsseldorfer EG organisiert, am Freitagabend verkauft. Wer die Anteile übernommen hat und wie viel Geld Ponomarev für seine 30,8 Prozent erhalten hat, ist noch nicht bekannt. Der Käufer soll aus dem Umfeld der übrigen Gesellschafter kommen. Die weiteren Anteile halten der Düsseldorfer Peter Hoberg (30,8 Prozent), der Remscheider Geschäftsmann Daniel Völkel (12,4) und der DEG Stammverein (26), der den Spielbetrieb der Jugend, der Frauen sowie der Amateure organisiert.

Nun ist der Weg also frei für eine Neuorganisation des Vereins, der zuletzt erneut in finanzielle Schieflage geraten war. Gleichzeitig endet für die DEG ein Kapitel, das vor rund zweieinhalb Jahren so hoffnungsvoll begonnen hatte. Ponomarev war im November 2013 in den Verein eingestiegen, als dieser nach dem Ende des Namens- und Hauptsponsors Metro finanziell am Boden lag und hatte gleich großspurig von der Champions League und Meisterschaften gesprochen. Seine Anteile hatte er für einen symbolischen Euro erworben und danach mehrere hunderttausend Euro investiert. Das war zwar wenig im Vergleich zu den Millionenbeträgen von Mitgesellschafter Peter Hoberg, doch zunächst profitierte die DEG davon. Gilt Ponomarev, der zuvor erfolgreich mit dem russischen Club Metallurg Magnitogorsk zusammenarbeitete, doch als ausgemachter Eishockey-Experte. Zudem war sein Einstieg ein wichtiges Zeichen an Hoberg, dass der die finanziellen Lücken, die sich trotz einer drastischen Etat-Reduzierung immer wieder auftaten, nicht mehr alleine schließen muss.

Seit langem hat Ponomarev kein Geld mehr in die DEG gesteckt

Doch zuletzt häuften sich die kritischen Stimmen im Umfeld der DEG. Vielen passte sein Auftreten nicht. Zudem steckte Ponomarev, wie die WZ und der „Halbangst-Blog“ in den vergangenen Wochen immer wieder berichteten, seit langem kein Geld mehr in den Verein. Insider vermuten, dass er wegen der internationalen Sanktionen gegen Russland im Zuge der Ukraine-Krise Schwierigkeiten hatte, sich neues Geld aus seiner Heimat zu besorgen. Immer wieder musste Peter Hoberg alleine Bürgschaften zeichnen oder Rechnungen bezahlen. Zuletzt noch für die April-Gehälter. Nicht mal für das Hauptsponsoring von Ponomarevs Unternehmen „Energy Consulting“ ist komplette Geld an die DEG geflossen. Ponomarev sah sich dazu auch nicht in der Verantwortung, da es zwischen der DEG und ihrem Trikotsponsor noch nicht mal einen Vertrag gegeben hatte.

Nicht das einzige Beispiel, in dem Ponomarev es mit der Zahlungsmoral nicht so genau nahm. Auch seine VIP-Loge im Rather Dome, wo die DEG seit zehn Jahren ihre Heimspiele austrägt, hatte er lange Zeit nicht bezahlt. Erst nach dem Ende der vergangenen Saison der Deutschen Eishockey Liga überwies er das Geld an die Stadt, der der Dome gehört. Nach WZ-Informationen sollen auch bei anderen DEL-Vereinen noch offene Rechnungen von Auswärtsspielen der DEG bestehen. Beispielsweise in Ingolstadt (vom Play-off-Halbfinale 2015) und in Krefeld.

Das hielt Ponomarev aber nicht davon ab, zuletzt mehr Macht im Verein zu fordern. Er hätte mehrere Investoren an der Hand, die eine Menge Geld in den Verein stecken würden. Allerdings nur, wenn sie dafür das alleinige Sagen bekommen würden. Vor allem auf die Veto-Rechte des Stammvereins hatte es Ponomarev abgesehen. Ohne die Zustimmung des DEG e.V. kann niemand die sportliche Führung austauschen, die GmbH abwickeln oder den Club in einer anderen Liga als der DEL spielen lassen. Insider vermuteten, dahinter stecke die Idee, die DEG künftig in der russischen KHL spielen zu lassen. Für die sportlich wie finanziell in arge Nöte geratene Liga wäre das ein wichtiger politischer Erfolg gewesen, versuchen KHL-Vertreter doch seit langem, einen westeuropäischen Verein in ihre Liga zu locken. Auch nach dem Ausstieg der Metro gab es bereits mehrere Versuche russischer Geschäftsleute, die DEG in die KHL zu lotsen. Doch der Stammverein lehnte immer ab. Auch jetzt ließ er Ponomarev mitteilen, dass man über den Verkauf der restlichen Anteile reden könne, die Vetorechte seien aber nicht verhandelbar.

Signale aus Verein und Rathaus: Es geht weiter mit der DEG in der DEL

Ponomarev hat den Machtkampf also verloren. Auch Dank der Stadt Düsseldorf, die der DEG seit Jahren die Mieten für die Nutzung der Gebäude an der Brehmstraße sowie in Rath stundet. Den Machern aus dem Rathaus schwebt das „Iserlohner Modell“ vor, wonach mehrere kleine Gesellschafter in den Verein investieren und der sich nicht in die Abhängigkeit von reichen Einzelpersonen begibt. Deswegen versuchte sie seit Monaten Ponomarev loszuwerden. Nun scheint das geklappt zu haben. Offen ist allerdings, was mit dem von Ponomarev in den Verein gesteckten Geld passiert. Laut dem russischen Geschäftsmann waren das alles Darlehnen.

Die Zukunft des Düsseldorfer Profi-Eishockey ist damit aber noch nicht gesichert. Neben den Mietschulden bei der Stadt in Höhe von rund drei Millionen Euro fehlt auch für die neue Saison Geld. Aus internen Dokumenten, die der WZ vorliegen, geht hervor, dass dem achtfachen Deutschen Meister weitere drei Millionen Euro fehlen, weil er zu wenig Geld über Sponsoren generiert. Das wirft kein gutes Licht auf Geschäftsführer Paul Specht, dessen Tage an er Brehmstraße gezählt sein dürften. Noch ist unklar, wo das Geld herkommen soll. Gesellschafter und Hauptfinancier Peter Hoberg hat bereits angekündigt, das Loch nicht erneut alleine stopfen zu wollen. Allerdings gibt es Signale aus Verein und Rathaus, dass in den kommenden Tagen eine Lösung gefunden wird. Das dürfte auch nötig sein, Ende des Monats müssen die Lizenzunterlagen bei der DEL eingereicht werden.

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