Klassenerhalt gesichert Dolak und Pellegrims vor dem Aus

Düsseldorf · Das Experiment mit dem Trainer-Duo der DEG ist gescheitert. Auch Spieler bekommen den Laufpass. Nach der Saison stellen sich Fragen.

Enttäuschung pur: Düsseldorfs Philip Gogulla (v.l.), Brendan O‘Donnell und Josef Eham.

Enttäuschung pur: Düsseldorfs Philip Gogulla (v.l.), Brendan O‘Donnell und Josef Eham.

Foto: dpa/Marius Becker

Nach dem 3:1 bei den Augsburger Panthern und dem damit gesicherten Klassenerhalt fuhr die Mannschaft der Düsseldorfer EG kurz zu den rund 1000 mitgereisten Fans. Die feierten jedoch nur Torhüter Henrik Haukeland und kurz darauf entlud sich ihr Zorn dann vollends. Als Trainer Thomas Dolak vom Fernseh-Interview kommend über das Eis schritt, da schallten laute „Dolak-raus“-Rufe durch das Curt-Frenzel-Stadion. Die befreundeten Anhänger des AEV stimmten mit „Kreutzer-raus“-Rufen ein und forderten als Konsequenz des sportlichen Abstiegs die Entlassung ihres früheren DEG-Trainers Christof Kreutzer gleich mit.

Die Düsseldorfer Anhänger hatten bereits am Freitag ihrem Unmut Luft gemacht. Bei der allerletzten Chance auf das Erreichen der Play-offs lag ihr Team beim direkten Konkurrenten Nürnberg Ice Tigers mit 1:5 zurück, am Ende stand mit dem 3:5 die sechste Niederlage in Folge. Erst wurde „Wir woll’n euch kämpfen seh’n“ gerufen, dann schallte es „Wir haben die Schnauze voll“. Leb- und widerstandslos hatte sich die Mannschaft in den ersten zwei Dritteln dem Gegner ergeben. Kein Zweikampf wurde angenommen sowie sich taktisch derart dilettantisch verhalten, dass die Nürnberger stets völlig frei vor Haukeland auftauchen und unbedrängt einschießen konnten. „Wie wir in den ersten 40 Minuten aufgetreten sind, war erbärmlich“, sagte Kapitän Philip Gogulla.

Rätsel um Ebner – Mebus deutet fehlenden Zusammenhalt an

Ein Auftritt, der Fragen aufwirft. Stimmt es – wie immer wieder betont wird – in der Kabine wirklich? Wie ist das Verhältnis zwischen Spielern und Trainern wirklich? In dieser Hinsicht ist das jetzt schon viermalige Fehlen von Verteidiger Bernhard Ebner ein Rätsel. Auf Nachfrage unserer Zeitung hieß es kurz wie knapp, er sei angeschlagen und dass es diesbezüglich keine weiteren Details geben würde. Natürlich können gesundheitliche Gründe für die Abwesenheit des 33 Jahre alten Routiniers sorgen. Warum aber werden sie dann nicht kommuniziert? Von daher darf natürlich darüber spekuliert werden, dass Ebner nach dem 4:9-Desaster von Wolfsburg Tacheles geredet haben könnte und dafür trotz seiner inzwischen zwölf Jahre bei der DEG suspendiert wurde.

Fakt ist, dass es weder Dolak noch sein Assistent Mike Pellegrims geschafft haben, diesen Kader auf mittleres DEL-Niveau zu bringen. War dies mit dessen Qualität schlicht nicht möglich oder fehlte es zu oft an professioneller Arbeitsmoral und mentaler Stärke? „Normalerweise bin ich recht redegewandt, aber heute fehlen mir die Worte. Es ging in Sachen Play-offs um alles und gegen den Abstieg um viel. Die Situation war prekär, wir aber haben nichts auf die Reihe gekriegt. Die Ice Tigers haben uns gezeigt, wie man als Team zusammenarbeitet. Bei uns hat das wieder mal gefehlt. Das ist extrem enttäuschend“, meinte Verteidiger Oliver Mebus nach der Partie in Nürnberg.

„Das schlimmste haben wir verhindert. Darüber sind wir jetzt erstmal glücklich“, erklärte Angreifer Alexander Ehl nach dem Spiel in Augsburg. Doch der Klassenerhalt als reine Schadensbegrenzung zur Verhinderung des GAU lässt sich nicht einen Tag länger als Erfolg verkaufen. „Natürlich können wir mit dieser Saison nicht zufrieden sein“, sagte Sportdirektor Niki Mondt. Für den 45-Jährigen hat nach eigener Aussage die Kaderplanung für die nächste Saison von daher auch schon längst begonnen. Es dürfte ein riesiger Umbruch anstehen. Zu viele Akteure sind für die DEL zu leicht, erfahrene Profis haben enttäuscht. Es wird vorzeitige Vertragsauflösungen geben, so viel steht fest. Zumal Verteidiger Oliver Mebus den Finger deutlich in die Wunde legte: „Unter dem Strich waren wir einfach nicht gut genug.“

„Hoffentlich werden Entscheidungen getroffen“

Wen es alles trifft und ob Stürmer Brendan O‘Donnell tatsächlich schon bei den Kölner Haien unterschrieben hat, wird sich zeigen. Nach dem bedeutungslosen letzten Spiel dieser natürlich auch durch viele Verletzungen völlig missratenen Saison am Freitag gegen die gleichfalls gescheiterten Löwen Frankfurt wird es eine knallharte Analyse geben. „Hoffentlich werden dann Entscheidungen getroffen, die für diesen Verein wichtig sind“, erklärte Gogulla. Er dürfte das Trainer-Team gemeint haben, in dieser Hinsicht aber steht auch Mondt in der Kritik. Seine Idee, den konservativen, mit Platz sieben und dem Viertelfinale jedoch erfolgreichen Roger Hansson, durch den als Chef-Coach unerfahrenen Dolak zu ersetzen, ist gescheitert. Auch die Besetzung der Assistentenstelle mit dem menschlich schwierigen Pellegrims war ein Fehlgriff.

Dolak war als Chef schlichtweg überfordert, der für die Defensive zuständige Belgier Pellegrims konnte der konfusen Abwehr zu keinerlei Stabilität verhelfen. Mit beiden dürfte es nicht weitergehen, doch wer könnte neuer Trainer der DEG werden?

Eine höchst interessante wie naheliegende Personalie ist Thomas Popiesch. Der 58-Jährige wird Tabellenführer Fischtown Pinguins Bremerhaven aus privaten Gründen verlassen. Seine aus Krefeld stammende Frau arbeitet ebendort als Steuerberaterin. Zwar soll sich Popiesch aus diesem Grund mit den Krefeld Pinguinen einig sein, doch im Falle eines Nicht-Aufstiegs des KEV wäre Düsseldorf durchaus eine regionale Option...

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