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Döppersberg: Eine Blockade schafft neue Wege

Döppersberg : Eine Blockade schafft neue Wege

Olivia Spiker untersucht in ihrer Doktorarbeit die Auswirkungen der B7-Sperrung auf Mensch, Verkehr und Umwelt.

Wuppertal. Einen Verkehrskollaps hatten wohl die meisten erwartet, als die B7 als Hauptschlagader im Herzen der Stadt im Sommer 2014 stillgelegt wurde. Warum der befürchtete Zusammenbruch ausblieb, hat Olivia Spiker zum Thema ihrer Doktorarbeit gemacht. Die Diplom-Ingenieurin hat die B7-Blockade zu ihrem Labor gemacht und die Auswirkungen erforscht. Sie wollte wissen, wie die Verkehrsströme sich verändern und welche Wege die Menschen sich suchen.

Döppersberg: Eine Blockade schafft neue Wege
Foto: Andreas Fischer/Uwe Schinkel/Jens Loewen

„Da ich selbst täglich über diesen Knotenpunkt gefahren bin, war ich selbst betroffen und fand das Projekt schon deshalb hochspannend“, berichtet die 34-Jährige. Sie blieb zunächst ihrem Auto treu und fuhr durch den Kiesbergtunnel und über die Wolkenburg, um von Vohwinkel nach Oberbarmen zu kommen. „Irgendwann habe ich nur noch meinen Sohn zur Kita gefahren und bin dort in die Schwebebahn eingestiegen. Bei gutem Wetter habe ich es auch mit dem Rad über die Nordbahntrasse probiert. Das hat ganz gut funktioniert“, berichtet Olivia Spiker.

Döppersberg: Eine Blockade schafft neue Wege
Foto: Andreas Fischer/Uwe Schinkel/Jens Loewen

Für ihre Arbeit befragte sie über das Internet 2000 Wuppertaler und stellte fest, dass ihre Mitbürger ähnlich flexibel waren. „Es hat mich überrascht, wie viele Menschen auf Bus und Bahn oder das Rad umgestiegen oder schlicht zu Fuß gegangen sind. Das zeigt, dass in dieser Sperrung auch ein Potenzial steckt. Die Bürger machen sich Gedanken über die eigene Mobilität.“ Von einem Rückgang des Autoverkehrs profitiere die Umwelt, die Gesundheit und das gesamte Verkehrssystem.

Die Atmosphäre sei zwar anfangs vergiftet gewesen, doch auch der Stimmungs-Smog habe sich bald aufgelöst. „Die Einstellung der Leute hat sich im Laufe der Zeit verändert“, sagt Olivia Spiker. Um ein Stimmungsbild zu bekommen, hat sie Leserbriefe und -kommentare in den lokalen Medien und sozialen Netzwerken ausgewertet.

Eine weitere Umfrage steht noch aus. Die Wuppertalerin möchte sich bei 215 Handwerksbetrieben und 25 Pflegediensten erkundigen, wie sich die Sperrung auf ihr Geschäft auswirkt. „Es machen sicher nicht alle mit, doch mich interessiert, was sie verändert haben: Ob sie einfach früher losgefahren sind, manche Kunden einfach nicht mehr bedient oder andere kreative Lösungen gefunden haben.“

Um einen Überblick über das gesamte Verkehrssystem der Stadt zu bekommen, hat Olivia Spiker Verkehrslagebilder gespeichert. Sie zeigen Staupunkte Verkehrsfluss vor und während der Sperrung. Zähldaten haben ihr außerdem die WSW geliefert, und das Landesumweltamt stellt Messergebnisse zum CO2- und Stickoxidgehalt der Luft zur Verfügung. Noch sind nicht alle Daten ausgewertet, doch es zeichnet sich bereits ab, dass die Operation am offenen Herzen nicht zum allgemeinen Kollaps geführt, sondern Potenziale freigesetzt hat.

Olivia Spiker konnte für ihre Dissertation die Kreativität der Wuppertaler dokumentieren. „Jeder hat für sich einen Weg gefunden und ist damit gut gefahren.“