Hauptbahnhof: Pro Bahn kritisiert fehlende Funktionalität am Wuppertaler Hauptbahnhof

Hauptbahnhof: Pro Bahn kritisiert fehlende Funktionalität am Wuppertaler Hauptbahnhof

Verband Pro Bahn hat viele Kritikpunkte am neuen Bahnhof. Die Architektur passe zwar, die Funktionalität dagegen nicht.

Was sich baulich am und rund um den Bahnhof Döppersberg tut, erhitzt die Gemüter. Für Axel Sindram vom Fahrgastverband Pro Bahn steht allerdings fest: „Es ist schön geworden“, sagt er beim Rundgang. Es passe alles. Doch sei die Architektur aus seiner Sicht ja nur die Kür. Bei der Pflicht, der Funktionalität, gebe es noch reichlich Nacholbedarf.

Pro Bahn fordert unter anderem einen barrierefreien Zugang am Döppersberg.

Denn so schön etwa der Eingangsbereich der Mall geworden sei, die Rampe gehe gar nicht. Schon der Beirat der Menschen mit Behinderung hatte diese kritisiert. Für Rollstuhlfahrer sei sie nur schwer zu überwinden. Auch Pro Bahn fordere einen barrierefreien Zugang, so Sindram.

Pro Bahn fordert unter anderem einen barrierefreien Zugang am Döppersberg.

Es ist nur ein Punkt eines Katalogs, den der Verband aufgestellt hat. Weitere Forderungen, die aus Sicht von Pro Bahn erfüllbar wären: eine Bus-Abfahrtstafel auch unten in der Mall, damit die Fahrgäste direkt die richtigen Busteige ansteuern können; die Optimierung der Ampelschaltungen für den Busverkehr und die Schaffung einer barrierefreien Verbindung zur Südstadt über einen Aufzug - ein Thema, um das sich auch der Bürgerverein Südstadt schon seit Jahren bemüht.

Insgesamt verfolge das Projekt Döppersberg zuerst das städtebauliche Leitbild, heißt es in einer Stellungnahme des Fahrgastverbandes. Verbesserungen für die ÖPNV-Nutzer stünden erkennbar nicht im Vordergrund.

Kritik muss die Bahn einstecken. Dass der Konzern „seine“ Bereiche vorerst nicht saniere, gehe eigentlich nicht. Eher belustigt zeigt Sindram auf eins der Plakate im Bahnhof, auf dem die DB ihr milliardenschweres Modernisierungsprogramm anpreist. Sindram hält Zahlen dagegen. In Erfurt investiere die Bahn zum Beispiel 260 Millionen, in Wuppertal nur acht. Der Fußgängertunnel weise zum Beispiel eine unzureichende Breite auf, repräsentiere einen Ausbaustand von 1900. Dabei, sagt Sindram, „wird der Publikumsandrang wachsen, zum Beispiel durch die Verlängerung der S 28“. Doch wie schätzt er den Einfluss des Verbandes auf die Deutsche Bahn ein? Sindram schmunzelt. „Noch geringer als der des Oberbürgermeisters.“

Gedanken macht sich der Verband auch um den Radverkehr. Eventuell könne die Süd-Nord-Buslinienführung über den Wall aufgegeben werden und an die Morianstraße und Gathe verlegt werden. „Der Straßenzug Wall-Neumarkt-Friedrichstraße könnte dann zum Beispiel als Fahrrad-Route zur Nordbahntrasse und als Lieferzone umgenutzt werden“, erklärt Sindram.

Unterstützung erfährt Pro Bahn bei diesem Thema auch vom ADFC. Dass dieser den Standort des Radhauses kritisch sieht, ist lange bekannt. „Die Zuwegung passt nicht“, sagt Klaus Lang. Viele Radfahrer würden eher die Bahnhöfe Vohwinkel oder Oberbarmen ansteuern. Über Gathe und Morianstraße fahre kaum jemand zum Bahnhof, ist Lang überzeugt. Der Wall sei da die deutlich bessere Alternative.

Wie dort die Situation neu geordnet werden könne, sei auch Thema in der Qualitätsoffensive Innenstadt, erklärt Baudezernent Frank Meyer. Den Busverkehr komplett wieder aus dem Wall rauszuholen, sei aber kein Thema, betont. Das sei ein völlig anderer Planungsansatz. Eigentlich gehe es ja darum, die Leute mit dem ÖPNV direkt in die City zu bringen. Warum solle man dann den Busverkehr drumherumleiten, so Meyer.