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Anklage gegen Vauth: Untreue in 900 Fällen

Anklage gegen Vauth: Untreue in 900 Fällen

Im Frühjahr soll der Prozess gegen den ehemaligen Anwalt und Politiker eröffnet werden.

Niederrhein/Krefeld. Untreue in 900 Fällen mit einem Schaden in Höhe von 1,9 Millionen Euro: Das wirft die Staatsanwaltschaft Krefeld dem ehemaligen Rechtsanwalt Lothar Vauth aus Tönisvorst vor. „Die Ermittlungen sind praktisch abgeschlossen, wir gehen davon aus, dass Anfang 2013 Anklage erhoben wird“, sagt Klaus Schreiber, Sprecher der Staatsanwaltschaft Krefeld. Wann der Prozess eröffnet wird, ist laut Schreiber noch unklar.

Fast vier Jahre haben die Mitarbeiter der Staatsanwaltschaft ermittelt. Über 20 Aktenordner füllt das, was sie zusammengetragen haben. Geldflüsse und Bankkonten wurden überprüft, 26 000 Transaktionen gesichtet. Im Kern geht es darum, dass Vauth als Chef einer großen Krefelder Anwaltskanzlei in großem Stil Mandantengelder veruntreut haben soll. Kollegen aus der Kanzlei hatten die Staatswaltschaft 2009 eingeschaltet.

Vauth (46) stand stets im Licht der Öffentlichkeit. Er war Prinz Karneval in Tönisvorst, wo er auch als Vizebürgermeister und Parteichef der SPD politisch aktiv war. Für die Sozialdemokraten hatte er damals als Landrat des Kreises Viersen kandidiert.

Deshalb wurde in politischen Kreisen auch häufig kolportiert, es werde auch wegen illegaler Parteispenden ermittelt. Doch dies sei nie Gegenstand des Verfahrens gewesen, heißt es von Seiten der Staatsanwaltschaft.

Dennoch war das Verfahren von Beginn an auch von politischem Interesse. Insgesamt sechs Mal ließ sich das Justizministerium von der Krefelder Staatswaltschaft über den Fortgang des Verfahrens berichten. „Das Verfahren war mehrfach Thema im Rechtsausschuss des Landtags. Deshalb mussten wir vorbereitet sein“, erklärte Donnerstag Ministeriumssprecher Peter Marchlewski auf Anfrage gegenüber der Westdeutschen Zeitung. Er betont, dass es keinerlei Anlass zu Beanstandungen der Ermittlungsarbeit gegeben habe. Auch habe die Politik niemals Einfluss auf das Verfahren genommen.

Vauth drohen bis zu fünf Jahre Haft oder eine Geldstrafe. Auch seine Ehefrau wird sich vor Gericht verantworten müssen. Sie soll als Mitarbeiterin der Kanzlei an den Veruntreuungen der Gelder beteiligt gewesen sein.

Dem Vernehmen nach soll Herbert Luczak Richter im Verfahren gegen Vauth sein. Luczak war der Vorsitzende Richter im Mirco-Prozess.