Soziales Netz fängt nicht jeden auf

Soziales Netz fängt nicht jeden auf

Elisabeth Ploenes hat gestern den Ehrenpreis des Landschaftsverbandes erhalten. Sie ist Mitgründerin der Krefelder Tafel.

Mit dem selten verliehenen Ehrenpreis des Landschaftsverbandes Rheinland für soziales Engagement ist die Krefelderin Elisabeth Ploenes ausgezeichnet worden. Sie ist nach Eva Staudacher die zweite Krefelder Trägerin des 2006 geschaffenen Preises, der "Persönlichkeiten aus dem Rheinland für ihr außergewöhnliches soziales Engagement" auszeichnet. Ploenes hat vor 13 Jahren die Krefelder Tafel mitgegründet und bis vor kurzem als Vorsitzende geleitet.

Die Auszeichnung überreichte ihr im Krefelder Rathaus der stellvertretende Vorsitzende der Landschaftsversammlung Rheinland, der Krefelder Landtagsabgeordnete Winfried Schittges, der in seiner Laudatio das ehrenamtliche Engagement als Maßstab für den Wert einer Gesellschaft und als "Seele der Demokratie" hervorhob. Die Krefelder Tafel, so erwähnte Schittges, war eine der ersten in Deutschland. Die inzwischen 150 Mitarbeiter der Tafel haben 1997 rund 5000 Essen und 120 Tonnen Lebensmittel in Räumen der katholischen Pfarrkirche Herz Jesu an der Friedrich-Ebert-Straße ausgegeben.

Zehn Jahre später waren es über 12000 Essen und 600 Tonnen Lebensmittel. "Die Bedürftigkeit hat zunehmende Tendenz", stellte Elisabeth Ploenes in ihrer Ansprache fest. Die "Krefelder Tafel" mit inzwischen fünf Kraftfahrzeugen und einem Etat von 100000 Euro sei an ihre Grenzen gekommen, brauche dringend einen koordinierenden Geschäftsführer. Für die Mitarbeiter, so Ploenes, gebe es auch psychische Grenzen: "Man kann den meisten Menschen, die zu uns kommen, nicht so helfen, wie wir gerne möchten."

Die Ehrenpreis-Trägerin appellierte an die Krefelder: "Wir brauchen noch mehr Helfer, die Ja sagen zu unseren Aufgaben und zu den Menschen am Rand der Gesellschaft." Darauf hob auch Oberbürgermeister Gregor Kathstede ab: "Wir haben im Wirtschaftswunderland geglaubt, durch das soziale Netz sei für alle gesorgt, und stellen fest, dass es ein Irrtum ist."

Mehr von Westdeutsche Zeitung