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Wechseljahre: Die Macht der Hormone

Wechseljahre: Die Macht der Hormone

Sie sind kein Fehler der Natur, nicht unbedingt eine Krankheit, sondern einfach der Beginn eines neuen Lebensabschnitts. Tipps und Therapien helfen über die Schwelle.

Düsseldorf. Hitzewallungen, Schweißausbrüche und Depressionen sind nur einige Symptome, die "frau" in den Wechseljahren ereilen können. Die Betonung liegt auf können, denn nicht jede Frau muss unter den hormonellen Veränderungen leiden. Wenn die Lebensqualität allerdings stark beeinträchtigt wird, sollte die Patientin gemeinsam mit ihrem Frauenarzt über eine Hormonersatztherapie nachdenken.

"Ein Hormonpräparat wird nur dann verschrieben, wenn die Frau gravierende Beschwerden hat und mit alternativen Methoden nicht zurecht kommt. Entscheidet sie sich für eine Therapie, muss sie zunächst ausführlich über die Risiken und Nebenwirkungen aufgeklärt werden", betont Professor Stefan Niesert, Direktor der Klinik für Gynäkologie und Geburtshilfe am Essener Elisabeth-Krankenhaus.

Bei der Hormonersatztherapie wird der in den Wechseljahren entstehende Hormonmangel künstlich ausgeglichen. Die Therapie verfolgt nicht das Ziel, die bisherige Hormonkonzentration im Körper wieder herzustellen, sondern will gezielt die durch Östrogenmangel bedingten Beschwerden und Krankheiten der Wechseljahre beseitigen.

Bevor es zu einer möglichen Therapie kommt, steht das aufklärende Gespräch mit dem Arzt an erster Stelle. Über Risiken wie Brustkrebs, Thrombose und Embolie muss die Patientin Bescheid wissen - immerhin können sie nicht vollkommen ausgeschlossen werden. Das zeigt auch eine 2003 in Großbritannien durchgeführte Studie, an der sich eine Million Frauen im Alter zwischen 50 und 65 Jahren beteiligten und über einen Zeitraum von fünf Jahren beobachtet wurden. Das Ergebnis: Bei den Frauen, die ein Hormonpräparat einnahmen, erhöhte sich mit der Dauer der Anwendung das Risiko für Brustkrebs. Wurden die Präparate wieder abgesetzt, sank das Risiko und lag nach fünf Jahren wieder auf dem durchschnittlichen Niveau - unabhängig davon, ob die Testpersonen Tabletten, Pflaster oder Gels verwendeten. In anderen Studien wurde außerdem ein erhöhtes Schlaganfallrisiko festgestellt.

Dass es Risiken bei der Einnahme von Hormonpräparaten gibt und dass Nebenwirkungen auftreten können, muss jeder Frau bewusst sein. Entscheidet sie sich für eine Therapie, sind neben dem Aufklärungsgespräch eine umfassende gynäkologische Untersuchung sowie eine Bestimmung des Hormonspiegels mittels einer Blutuntersuchung unerlässlich. "Während der Therapie wird die Patientin mit der niedrigsten wirksamen Dosis behandelt. Jedes halbe Jahr sollte zudem geprüft werden, ob die Behandlung noch notwendig ist", sagt Niesert.

Bevor der Mediziner einer Patientin ein Hormon verschreibt, werden zunächst verschiedene alternative Behandlungsmethoden ausprobiert. Niesert: "Viele Frauen kommen beispielsweise mit Sojaprodukten, Akupunktur oder bestimmten blutdrucksenkenden Medikamenten und Antidepressiva gut klar. Letztere helfen in niedriger Dosierung gegen Hitzewallungen."

Aber auch durch regelmäßige Bewegung und das Tragen leichter Kleidung kann die Frau Hitzewallungen lindern und ihre Lebensqualität verbessern. "Das sind zwar nur Äußerlichkeiten, sie sind aber mit ausschlaggebend dafür, wie die Beschwerden empfunden werden", sagt der Mediziner.

Auf gar keinen Fall sollten Frauen Hormone einnehmen, weil ihnen ein Schutz vor Herzerkrankungen, Schlaganfall oder Osteoporose versprochen wird. Auch hier zeigen Studien, dass es zumindest für das Herz keinen schützenden Effekt gibt. Das bestätigt Niesert: "Hormonpräparate schützen nicht vor Herzerkrankungen. Bei älteren Frauen können sie sogar zu höheren Risiken führen, weil der gesamte Körper älter wird."

Hinsichtlich einer Osteoporose-Prävention sind Wissenschaftler zu dem Ergebnis gekommen, dass die Einnahme von Östrogenen zwar zu einer Zunahme der Knochendichte führt. Wegen der damit verbundenen Risiken werden Hormone aber auch hier nicht empfohlen.

Deshalb gilt: Ein gesunder Lebensstil - bestehend aus regelmäßiger Bewegung, sozialen Kontakten, ausgewogener Ernährung, dem Verzicht auf Zigaretten und nur wenig Alkohol - ist der wichtigste Schlüssel zur Vorbeugung von Herz- und Gefäßerkrankungen.

Übrigens muss das Liebesleben unter den Wechseljahren nicht leiden. Denn laut Niesert ist nicht die gesundheitliche Situation an einer möglichen Flaute im Bett Schuld, sondern eher private und berufliche Umbrüche, die in diese Lebensphase fallen.

Mit ihrem Leiden stehen die Frauen nicht alleine da. Auch Männer kommen in die Wechseljahre und entwickeln ähnliche Beschwerden. Der Wuppertaler Urologe Georg Fudickar beschreibt den Verlauf beim Mann: "Ab etwa dem 40.Lebensjahr verringert sich der Testosteronspiegel um ein bis zwei Prozent jährlich, ein kontinuierlicher Prozess, der bis zum Tod dauert." Die Beschwerden reichen von Schlafstörungen, starkem Schwitzen über Gelenk- und Muskelbeschwerden bis hin zu Depressionen und Potenzstörungen.

Nimmt ein Mann derlei Beschwerden wahr, sollte er nicht zögern und einen Urologen aufsuchen. Denn mit dem sinkenden Hormonspiegel können laut Fudickar "klassische Spätschäden wie Osteoporose" auftreten. Der Hormonhaushalt wird mit einer Blutuntersuchung überprüft. Ob eine Hormontherapie infrage kommt, hänge vom Beschwerdebild ab.

Zur Prävention und Linderung von Symptomen jedenfalls können sich Mann und Frau zusammenschließen und gemeinsam einen gesunden Lebensstil pflegen.