Taliban drohen mit Enthauptungen

Taliban drohen mit Enthauptungen

Afghanistan kommt nach Amoklauf eines US-Soldaten nicht zur Ruhe. Delegation der Regierung wird am Tatort angegriffen.

Pandschwai. Nach dem Massaker eines US-Soldaten an Zivilisten eskalieren die Spannungen in Afghanistan: Eine hochrangige Regierungsdelegation zur Untersuchung der Bluttat im südafghanischen Pandschwai wurde am Ort des Amoklaufs angegriffen. Aus Sicherheitskreisen hieß es, ein Soldat, der den Tatort sicherte, sei tot. Drei Menschen seien verwundet worden.

Die Taliban forderten, den festgenommenen amerikanischen Amokschützen als Kriegsverbrecher anzuklagen. In einer Mitteilung von Taliban-Sprecher Sabiullah Mudschahid hieß es weiter: „Im Gegenzug für die Ermordung unschuldiger Landsleute werden wir amerikanische Soldaten töten und enthaupten.“

Im Distrikt Pandschwai gab es Explosionen und Schüsse. Sicherheitskräfte erwiderten das Feuer der Aufständischen. Zu dem Gefecht kam es, als die Delegationsmitglieder am Ort des Massakers Dorfbewohner in einer Moschee trafen.

Der US-Soldat hatte in der Nacht zum Sonntag im Distrikt Pandschwai nach afghanischen Regierungsangaben 16 Zivilisten ermordet, darunter neun Kinder. Das Massaker hat in Afghanistan Wut, Entsetzen und harte Kritik an den internationalen Truppen ausgelöst. Der Kommandeur der Nato-Truppen in Afghanistan, US-General John Allen, betonte, nach bisherigen Ermittlungen müsse man von einem Einzeltäter ausgehen.

Erstmals seit dem Massaker kam es am Dienstag zu Protesten in Afghanistan. In der ostafghanischen Stadt Dschalalabad gingen Hunderte Studenten auf die Straße. Augenzeugen sagten, die Demonstranten hätten Parolen wie „Tod für Amerika“ und „Tod für Obama“ skandiert. Die Proteste in der Hauptstadt der Provinz Nangarhar blieben friedlich.

Die USA haben Berichte über einen möglichen Abzug von mindestens 20 000 Soldaten aus Afghanistan 2013 bestritten. „Es gibt zurzeit keine Diskussionen über konkrete Zahlen oder über konkrete Optionen“, sagte Regierungssprecher Jay Carney am Dienstag im Weißen Haus. dpa