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Kommentar: Wie Soldaten für ihren Afghanistan-Einsatz gewürdigt werden sollten

Zur Entscheidung stehen : Wie Soldaten für ihren Afghanistan-Einsatz gewürdigt werden sollten

Diese Republik hat noch keinen gesetzten Umgang mit seiner militärischen Rolle gefunden. Das grundsätzliche Anschauungsproblem ist verständlich - und lässt Debatten entstehen.

Die Debatte um eine angemessene Ehrung für die deutschen Soldaten im nach 20 Jahren zu Ende gegangenen Afghanistan-Einsatz ist in vollem Gange. Und die Kritik an der offensichtlich allzu geräuschlosen Rückkehr der letzten Soldaten ganz ohne Offiziellen-Empfang aus der deutschen Politik ist noch nicht einmal verklungen.

Beides zeigt: Diese Republik hat noch keinen gesetzten Umgang mit seiner militärischen Rolle gefunden. Weder – wie das vor allem auch innerhalb der Bundeswehr immer wieder kritisiert wird – hinsichtlich künftiger Einsatzfähigkeit und der dafür notwendigen Grund- und Spezialausstattung. Noch auch in der Frage, ob militärische Einsätze aus Deutschland heraus ganz grundsätzlich kritisch zu beäugen oder gar abzulehnen sind – vor allem wegen einer militaristischen Vergangenheit inklusive schlimmster Kriegsverbrechen unter dem Nazi-Regime Adolf Hitlers, die sich (nicht) vorstellen lassen.

Dieses grundsätzliches Anschauungsproblem ist verständlich. Und sogar begrüßenswert, weil daraus im besten Fall Debatten entstehen, die der eigenen Vergangenheit würdig und eine Grundvoraussetzung für Abwägungsprozesse künftiger Einsätze sind. Die lang anhaltende und derzeit noch laufende Klärung, ob Drohnen für die Bundeswehr selbstverständlich, nur notwendig oder grundsätzlich Teufelszeug sind, ist ein Teil davon – und zeigt, wie schwer sich Politik damit tut.

Greift diese Unsicherheit aber auch um sich, wenn es um längst entschiedene oder gar beendete Einsätze geht, ist die Situation anders: Der Bundestag hat per Abstimmung den Afghanistan-Einsatz auf den Weg gebracht. Sich nun, 20 Jahre später, einen schlanken Fuß machen und keine Bilder produzieren zu wollen, die der Angst vor dem Symbolischen Rechnung tragen, ist eine Verweigerung von Respekt.

Es wäre jetzt ein gutes Zeichen, den Einsatz dort zu würdigen, wo die Entscheidung zur Entsendung für eine zunächst sechsmonatige Friedensmission wohl nach reiflicher Überlegung vor 20 Jahren gefallen war: im und also am Bundestag.