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Wuppertaler Gastronomen in der Corona-Krise: Es fehlt die Perspektive

Corona-Krise : Gastronomie in der Corona-Krise: „Es fehlt die Perspektive“

Die meisten Kneipen in Wuppertal machen derzeit gar keinen Umsatz. Eine Öffnung unter den Hygiene-Auflagen wäre für viele aber auch gar nicht möglich.

Wer will, kann sich einmal quer durch die Stadt trinken. Aber nur virtuell. Viele Wirte bieten online Gutscheine an, laden zu Veranstaltungen im Netz ein. Mehr geht nicht. Auch der Tanz in den Mai fiel 2020 flach. Corona trifft viele, aber die laut Dehoga rund 700 Gastrobetriebe in Wuppertal besonders hart. Vor allem die klassischen Kneipen und Bars leiden und sind zum Großteil geschlossen. „To-go“ oder Lieferservice ist bei Getränken kaum möglich, während einige Restaurants zumindest so einen wenn auch sehr eingeschränkten Umsatz machen können.

„Ich habe einen ausgedehnten Frühjahrsputz gemacht“, flüchtet sich Andreas Kluczynski, Wirt des Spunk am Ostersbaum, in Galgenhumor. Seine Kneipe ist seit Wochen zu, ob und wann er eröffnen kann, steht in den Sternen. „Man kann ja auch einfach nicht planen“, sagt er. Selbst wenn er irgendwann wieder Gäste bewirten dürfte: Die Auflagen stellten eine hohe Hürde dar. Im Normalbetrieb habe er zehn Tische. „Dann vielleicht die Hälfte?“, fragt Kluczynski.

Viele Läden sind zu klein, um die Auflagen zu erfüllen

„Die Perspektive fehlt einfach“, sagt Isabel Hausmann von der Dehoga Nordrhein stellvertretend für viele ihrer Mitglieder. „Und das ist das Schlimmste für einen Geschäftsmann.“ Zum einen sei — trotz des kürzlich vorgestellten Drei-Stufen-Plans — ein Starttermin immer noch offen. „Und dann werden sich viele fragen: Macht es überhaupt Sinn?“ Es gehe oft um kleine Betriebe, so Hausmann. Für die sei es kaum möglich, etwa die Auflagen zum Abstand einzuhalten.

Es gibt Soforthilfen und dass der Staat über Unterstützung nachdenkt, sei wichtig. Die angekündigte Mehrwertsteuersenkung bei Speisen von 19 auf sieben Prozent käme aber, so Hausmann, nicht der ganzen Branche zugute. Für Getränke gelte sie nämlich nicht. Bei Kluczynski machen die aber zum Beispiel — im Normalbetrieb — 70 Prozent des Umsatzes aus.

Auch dass die Stadt die Gebühren für Außengastronomie erstmal aussetzt, sei natürlich positiv, sagt Hausmann. Andererseits gebe es nun mal aktuell auch gar keine Bewirtung und damit keinen Umsatz — egal ob drinnen oder draußen. Und dass die Stadt ankündigt, „wohlwollend zu prüfen“, wie Sprecher Thomas Eiting sagt, die Bereiche für Bestuhlung draußen zu vergrößern, helfe auch nicht allen. Im Luisenviertel etwa ist der Platz, wie Eiting einräumt, ausgereizt.

Achim Brand, Wirt des Café du Congo, hat deshalb wenig Hoffnung, dass er seine Außenfläche noch einmal erweitern kann. Bei 46 Quadratmetern und der „Schlauchform“ seines Ladens sieht er für drinnen eher schwarz. Froh ist er, dass seine Mitarbeiter in anderen Betrieben untergekommen sind. Das Congo profitiere zudem wie andere Betriebe auch von Crowdfunding-Aktionen. Mehr als 13 000 Euro kamen zusammen, doch viel über Gutscheine. Sprich: Wenn die Krise vorbei ist, wird er dafür bewirten müssen. „Im Moment gibt es mir aber einen Spielraum.“

Skeptisch, was die Öffnung angeht, ist Tolis Likas, Wirt der Küppers-Klause am Görlitzer Platz in Wichlinghausen, einer klassischen Kneipe. „Ich kann mir das hier kaum vorstellen.“ Seine Gäste würden vor allem an der Theke stehen wollen. Mit Abstand wäre das aber nur noch für vier oder fünf Besucher möglich, das lohne sich kaum. „Und Außengastronomie habe ich gar nicht“, sagt Likas.

Vorsitzender der IG Luisenstraße: Vielleicht das Risiko eingehen

Doppelt gebeutelt ist Thorsten Just: Er betreibt die Kneipe Jäger 90 in Wichlinghausen, die aktuell geschlossen ist, und den Imbiss Schmackes an der Mirker Straße, der zwar Umsatz macht, aber 40 Prozent weniger als vor der Krise. „Es ist ein Kampf, jeden Tag aufs neue.“ Er sei einfach nur froh, dass der Imbiss geöffnet bleiben darf, „so dass wir alle Kosten selber erwirtschaften und bezahlen können. Psychisch zehrt es an einem, aber wir gehen da durch.“  Man habe sich neue kulinarische Dinge einfallen lassen, sogar eine Solidaritätsaktion — Curry-Pommes gratis für alle Taxifahrer — mit Erfolg durchgeführt, erzählt Just. „Ich würde gerne noch mehr machen, aber dafür sind die Einnahmen leider zu gering.“ Er richtet einen Dank an die Gäste, die kommen. „Die sind durch die Bank einfach toll und ich zehre sehr davon, wie sehr man uns die Treue hält.“

Wann wird der Betrieb im Luisenviertel und anderswo in der Stadt wieder richtig anlaufen? „Das ist ein Blick in die Glaskugel“, sagt Hausmann. Brand bleibt vorsichtig: „Man wird erst zur Normalität zurückkehren können, wenn es einen Impfstoff gibt.“

Viele Gastronomen „sitzen wie Häschen in der Grube und haben Angst vor dem Jahresende, wenn die Abrechnung kommt“, sagt Jörg Eckhardt Kuznik, Vorsitzender der Interessengemeinschaft IG Luisenstraße. „Die staatlichen Stellen müssen das Go geben.“ Vielleicht müsse man die Auflagen lockern „und das sogenannte Risiko im Hinblick auf Corona eingehen.“ Wuppertal fehle durch das brach liegende Luisenviertel „viel Atmosphäre“. Unter den gegebenen Umständen können und werden viele Betriebe aber gar nicht wieder eröffnen, ist er überzeugt.