Freies Netz Werk Kultur Wie die Gesellschaft besser werden kann

Uta Atzpodien vom Freien Netzwerk Kultur über Solidarität in der Krise und eine nachhaltige Entwicklung der Gesellschaft.

 Uta Atzpodien.

Uta Atzpodien.

Foto: Ralf Silberkuhl

In aller Couleur, auf zentralen wie auch entlegenen 170 Plakatwänden der Stadt funkeln mit der nun schon dritten Runde von „Out and About“ Kunstwerke von 100 Künstlern auf, regen an und zeigen Präsenz. „Wir sind da!“ erklärt der Initiator, Film und Videokünstler Frank N. und sieht die kollektive Aktion als „Demonstration“ (vgl. WZ-Interview). Inmitten der steten Neuorientierung in den Wogen der Corona-Krise, die für Solo-Künstler, Kunstorte und andere existenziell sind, beflügeln mich ganz besonders diejenigen Funken, die durch kollektives Engagement entstehen. Gemeinsamkeit ist wie Sauerstoff, verbindet, gibt Zuversicht und zeigt, was möglich ist.

Viel Atem und Kraft hat es einige von uns gekostet, den EinTopf – Solidarfonds für Kulturschaffende auf die Beine zu stellen, das Streaming-Portal Stew.one zu bespielen, ganz fleißig hier David J. Becher, Mats Wendel und Philippine Pachl, und andere Kunstaktionen, wie LOCHfunk oder die „Guckst Du Straße?“-Corona-Plakataktion der Mobilen Oase Oberbarmen. Zugleich ist es ein inspirierendes Geben und Nehmen. Das Gefühl von Dankbarkeit und ganz pragmatisch finanzielle und logistische Perspektiven schenken Kraft: „Kunst geht raus“ gehört dazu, denn 50 Prozent der Verkäufe gehen an den Solidarfonds, kreative Aktionen wie von Charles Peterson u.a., die Solidarfonds-Infrastruktur über Utopiastadt und Freies Netz Werk Kultur, die Spenden vieler Einzelpersonen und Zuwendungen der Jackstädt- und der Schuler-Stiftung, vom Unternehmen Knipex und Lions-Club nähren den EinTopf und damit betroffene Kunstschaffende und -orte.

Diese Dynamiken wecken in mir Fragen, die unsere ganze Gesellschaft, unser Wirtschaftssystem betreffen: Hand in Hand – was vermag Kreislaufwirtschaft? Ein ethisch-empathisch-nachhaltiges Wirtschaften, das wahrhaft den Ungleichheiten und Ungerechtigkeiten unserer Welt entgegen steuert? Was brauchen wir dafür? So wie es das Engagement – bunt und schwarz mitten auf die Straße – zeigt, scheinen Kooperationen mit Kunst & Kultur zu beflügeln. Das bringen übrigens einzelne politische Akteure und Parteien zum Ausdruck, die mit viel Gesprächsbereitschaft, Kritikfähigkeit und Engagement reagieren und – hier sicher über die aktuelle kommunale Wahlkampfzeit hinaus – Prozesse unterstützen, die uns gemeinsam gesellschaftlich weiterbringen.

„Black lives matter“: der gewaltsame Tod des Afroamerikaners Georg Floyd hat die ganz Welt wachgerüttelt und auf die Straße geholt, gesellschaftliche Veränderungen in Gang gebracht, um Rassismus entgegenzusteuern. In leuchtendem Gelb stehen diese Worte performativ mitten auf der Straße zum Weißen Haus in Washington. So schmerzhaft der Auslöser ist, so klar zeigen nun Menschen, was es zu verändern gilt. Mit ihrem Buch „Die Welt neu denken. Eine Einladung“, setzt die Polit-Ökonomin Maja Göpel inspirierend auf Selbstwirksamkeit. Ja: „Die Summe des Ganzen ist mehr als seine Teile“.

In Wuppertal gibt es wunderbare Ansätze dafür. In seinem überschäumenden Engagement ist Wuppertal eine Pilotstadt. „Wir sind da!“ Neben stadtweiten Kunstplakaten wurden am Samstag 21 Bäume für das Projekt „Essbare Stadt“ von Talbuddeln & Urbane Gärten an Paten übergeben. Zur „Freiheit der Kunst“ ist ein Aktionstag in Planung. Nicht schlecht wäre ein überregionaler Kunst-, Kultur-, Natur-Gipfel, um pragmatisch und kreativ gemeinsam auszuloten, was Politik alleine nicht vermag: Quo vadis als Einladung. Wie kann es selbstwirksam weitergehen?