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Wuppertal: Vom Kaufhaus Tietz zur Galeria Kaufhof – die Zukunft ist noch offen​

Shopping : Wuppertal: Vom Kaufhaus Tietz zur Galeria Kaufhof – die Zukunft ist noch offen

Die Kette denkt darüber nach, deutschlandweit Standorte zu schließen.

Die Sorge um den Wuppertaler Standort der Galeria Kaufhof besteht fort. Das angeschlagene Unternehmen hat zwar verkündet, dass weniger Filialen geschlossen werden, als bisher befürchtet – welche betroffen sind, hat es aber noch nicht mitgeteilt. Einige Filialen könnten in der „jetzigen Struktur und Anzahl“ nicht aufrechterhalten werden können.

„Der Kaufhof ist von ganz zentraler Bedeutung für die Zukunft des Walls und der Elberfelder Innenstadt“, sagt Bezirksbürgermeister Thomas Kring. Solange die Zukunft noch offen ist, lohnt es aber, in die Vergangenheit zu blicken.

Gegen die jüdische Familie Tietz gab es Boykottaufrufe

Das Kaufhaus am Neumarkt wurde 1912 fertiggestellt und in den Jahren 1917 und 1929 erweitert. Es wurde im Auftrag der Leonhard Tietz AG konzipiert, um eine Vielzahl von Waren unter einem Dach anzubieten. Sein erstes Geschäft für Woll- und Kurzwaren eröffnete Leonhard Tietz in Stralsund, doch Elberfeld spielte eine wichtige Rolle für die Entwicklung der Warenhaus-Kette. Als das Geschäft expandieren sollte, eröffnete er an der Herzogstraße das erste Warenhaus Westdeutschlands, später den Neubau am Neumarkt. Das Unternehmen entwickelte sich zu einem Großunternehmen mit zahlreichen Filialen.

Als die Nationalsozialisten an die Macht kamen, wurde das Kaufhaus Tietz der jüdischen Familie eins der ersten in Wuppertal, gegen das es Boykottaufrufe gab. Die Familie wurde aus dem Geschäft gedrängt, die Leonhard Tietz AG in „Westdeutsche Kaufhof AG“ umbenannt.

Im Zweiten Weltkrieg wurde das Warenhaus teilweise zerstört und nach 1945 wieder aufgebaut. Statt Sandsteinfassade wurde auf der Seite des Neumarkts eine Stahlkonstruktion errichtet, die Nordfassade an der Neumarktstraße blieb erhalten.

Das Gebäude steht unter Denkmalschutz, wurde nach Plänen des Architekten Wilhelm Kreis erbaut, der auch für den Wuppertaler Bismarckturm verantwortlich war. Die Optik des Hauses wurde vor allem durch die verglaste Fassade verändert. Die Sandsteinfassade war ursprünglich völlig symmetrisch aufgebaut, ist in der Denkmalliste der Stadt Wuppertal beschrieben. „Einen mittleren, sechsachsigen Abschnitt flankierten außen jeweils siebenachsige Fassadenabschnitte.“ Bei Umbauarbeiten 1960 wurden die beiden östlichen Achsen durch eine Rasterfassade ersetzt. An den Eingängen wurden Vordächer angebracht.

„Nach den Kriegszerstörungen von 1943 und den zahlreichen Umbauten zwischen 1950 und 1960 blieben vom ursprünglichen Gebäude nur die Fassaden in der Neumarktstraße und in der Grünstraße übrig.“ Auch im heutigen Zustand ist das Gebäude aus Sicht des Denkmalschutzes bedeutend: „Diese Teile zeigen jedoch anschaulich die wichtigsten Tendenzen des Warenhausbaus um 1910, als dieser Bautypus in Deutschland zu seiner vollen Blüte entwickelt wurde.“

Zur Jahrtausendwende wurde das Galeria-Konzept der Firma Kaufhof am Wuppertaler Standort umgesetzt. In den folgenden Jahren wurde mehrfach darüber berichtet, dass es dem Unternehmen nicht gut geht. Es gab einen Sanierungsplan, die Fusion mit Karstadt und Filialschließungen. Wie geht es diesmal weiter – auch mit dem traditionsreichen Standort Wuppertal? Das werden nur die kommenden Wochen zeigen.

Welche Erinnerungen verbinden Sie mit dem Wuppertaler Kaufhof? Welche besonderen Dinge haben Sie dort gekauft – ein Kleid für den Abschlussball, die Töpfe für die erste eigene Küche, die Sportkleidung für einen Marathon? Wir freuen uns, wenn Sie uns schreiben, per E-Mail an redaktion.wuppertal@wz.de