Wuppertal: Terminmangel im Bürgerbüro - „Das Verständnis lässt nach“

Stadtverwaltung : Terminmangel im Bürgerbüro: „Das Verständnis lässt nach“

In Wuppertal-Ronsdorf verzweifeln einige Kunden, weil sie dringend Reisepass oder Ausweis benötigen. Ein Mann musste sogar vier Wochen ohne „Perso“ zurechtkommen.

Eine ältere Frau mit Rollator steht vor dem Touchscreen im Wartezimmer des Ronsdorfer Bürgerbüros. Hier lassen sich normalerweise die Termine ziehen, aber normal läuft der Betrieb in Bürgerbüros und Einwohnermeldeamt schon lange nicht mehr. An der Glastür machen mehrere Aushänge eindeutig klar, dass ohne Termin nichts mehr geht. Auch das Abholen eines fertigen Personalausweises nicht. „Ich muss mich ummelden. Dienstag 8 bis 16 Uhr, da bin ich doch richtig hier“, sagt die Frau als Bestätigung für sich selbst. Dann verschwindet sie in einer offenen Tür, durch die schnell zu hören ist: „Also, eigentlich geht das nicht. Aber warten Sie mal kurz.“

So viel Glück haben nicht alle Besucher des Bürgerbüros, das in Ronsdorf jeden Dienstag geöffnet ist. Olivier Langner versucht seit etwa einem Monat einen Reisepass für seine Tochter zu beantragen. Vergeblich. Dabei drängt die Zeit. „Ich habe es schon online versucht, ich habe bei der Stadt angerufen. Alle Termine sind vergeben“, sagt er. Nun versuchte er es am Dienstagmittag mit einem persönlichen Abstecher zum Bürgerbüro - und wurde mit leeren Händen wieder weggeschickt. Er solle vor 8 Uhr wiederkommen und sich dann einen Termin besorgen. „Mit einer schulpflichtigen Tochter gar nicht so einfach“, sagt der Wuppertaler. Die Situation bei der Stadtverwaltung sei für ihn nicht hinnehmbar: „Das Verständnis lässt nach.“ Zumal der Personalbedarf doch wohl planbar sei.

Die Taktik, schon vor 8 Uhr vor der Tür des Bürgerbüros auszuharren hat sich für Horst-Dieter Bergmann ausgezahlt. Er lacht: „Ich war um 7.45 Uhr da - und war der zwölfte.“ Den eigentlichen Termin gab es dann für den Mittag. Zwei Besuche, ein erfolgreicher Antrag. Bergmann ist erleichtert.

Seit vier Wochen ohne gültigen Pass in Wuppertal

Ebenso wie André Stegmaier, der nach einigen Horror-Wochen wieder durchatmen kann. Er hält ein Dokument in der Hand, das wie eine Mischung aus Personalausweis und Karteikarte aussieht. Es ist sein vorläufiger „Perso“. Vor vier Wochen hatte er sein Portemonnaie mit Ausweis und Bankkarte verloren. Seitdem jagte er einem Termin hinterher, denn ohne das wichtige Ausweisdokument kam Stegmaier aus dem Ärger nicht mehr heraus. „Ich konnte meine Bankkarte ohne Personalausweis nicht mehr entsperren und kein Geld abheben“, sagt er. Selbst Kleinigkeiten, wie ein Paket abholen, waren für ihn vier Wochen lang nicht möglich. Schließlich erwischte der Barmer einen freien Termin im Ronsdorfer Bürgerbüro und schlug zu - obwohl er nun fast eine Stunde mit dem Bus unterwegs war. „Zum Einwohnermeldeamt gehe ich fünf Minuten zu Fuß“, sagt Stegmaier.

Doch wählerisch darf keiner mehr sein, der einen Termin haben will. Christina Klimek hat nach eigenen Angaben ständig den PC an und versucht, einen Termin abzugreifen. Sie will ihre Tochter, die nach Kanada ausgewandert ist, in Wuppertal abmelden und gleichzeitig einen weiteren Termin für ihre Eltern ausmachen, die kein Internet haben. Seit zwei Monaten scheitere sie an dem Vorhaben. „Ich weiß nicht mehr, was ich machen soll“, sagt die Frau, deren Nerven ganz offensichtlich blank liegen. Sie hat versucht, die ausgefüllten Unterlagen für ihre Tochter nun einfach so abzugeben. In dem Wartesaal, in dem am Dienstagmittag mal bis zu fünf, mal gar keine Menschen sitzen, hatte sie sich gute Chancen ausgerechnet. Doch sie wurde weggeschickt. „Ich soll an einem Dienstag um 8 Uhr wiederkommen“, sagt sie. Nur, um möglicherweise einen Termin abzuholen. Verständnis habe sie nicht dafür, dass sie die Mitarbeiterin bei leerem Wartezimmer nicht drangenommen hat: „In der Zeit, in der sie mir das erklärt hat, wäre das doch erledigt gewesen.“

Nach ein paar Minuten kommt die Frau mit dem Rollator wieder aus dem Wartezimmer. Man habe versucht, ihr zu helfen, aber ihr fehlte eine Unterschrift. „Dann komme ich nochmal wieder“, sagt sie. Den Hinweis, dass sie einen Online-Termin machen muss, nimmt sie mit einem irritierten Lächeln entgegen und steigt in den Aufzug.

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