Wuppertal-Elberfeld: Verband lässt 250 Bäume auf Friedhöfen fällen

Nordstadt : Friedhofsverband lässt 250 Bäume fällen

Vor allem auf dem Friedhof an der Hochstraße werden kranke und Gefahrenbäume beseitigt. Anwohner kritisieren das Vorgehen.

Weit mehr als 100 Baumstümpfe hat eine Anwohnerin auf dem reformierten Friedhof Hochstraße gezählt. Andere WZ-Leser sprechen von einem Kahlschlag, der offenbar mehrere Anlagen in Elberfeld betrifft. Auch bei Ingo Schellenberg vom Evangelischen Friedhofsverband, der mehr als 20 Friedhöfe in Wuppertal betreut, liefen einige Anfragen auf. „Die Bürger machen sich Sorgen, wenn die Kettensäge kreischt“, zeigt er Verständnis, betont aber: „Wir sind keine Baumkiller.“

Die nackten Zahlen klingen aber erstmal erschreckend:  Auf den vier Friedhöfen Hainstraße, Krummacherstraße und Hochstraße (Reformiert und Lutherisch) lässt der Verband insgesamt 250 Bäume fällen, größtenteils Nadelbäume, aber auch Laubbäume, zum Beispiel Birken. Zu 90 Prozent kranke Bäume, die entweder von Borkenkäfer oder Pilz befallen seien, sowie um so genannte Gefahrenbäume, die stark geschädigt seien, erklärt Schellenberg. Auf einer Gesamtfläche von rund 44 Hektar stehen auf den vier Elberfelder Friedhöfen insgesamt rund 5000 Bäume.

„Man konnte es kommen sehen“, so die Anwohnerin gegenüber der WZ. Schon vor Monaten seien zahlreiche Bäume mit Farbe markiert worden. Das Ergebnis sei aber dann doch heftig ausgefallen, so die Nachbarin, die in der vergangenen Woche die Fällarbeiten live aus ihrer Wohnung verfolgen konnte. „Das war schon deprimierend.“

Dass die Fällungen bei vielen nicht gut ankommen, kann Schellenberg nachvollziehen. Er versucht allerdings, die Position des Friedhofsverbandes zu erklären. „Wir sind für die Verkehrssicherungspflicht verantwortlich.“ Der Verband hafte, wenn beispielsweise Bäume, die durch Borkenkäfer- oder Pilzbefall morsch sind, im Sturm umfallen.

„Es handelt sich um notwendige Maßnahmen. Unsere Aufgabe ist es, Gefahren abzuwenden. Darum werden in den kommenden Monaten alle Bäume auf unseren Friedhöfen überprüft.“

Kritik: Fällungen hätten vorher angekündigt werden müssen

Dass die Fällungen so massiv ausfallen, liege auch daran, dass der Verband erst seit 2017 für diese vier Friedhöfe zuständig sei, die vorher von den Gemeinden betreut wurden. Offenbar musste jetzt einiges nachgeholt werden. Die Arbeiten sollen bis möglichst Ende Februar abgeschlossen werden. Am 1. März beginnt die Sperrfrist für Gehölzschnitt. Davon sind Friedhöfe aber ausdrücklich ausgenommen. „Trotzdem versuchen wir, bis dahin fertig zu sein.“

Neupflanzungen soll es an einigen Stellen geben, kündigt er an. Allerdings seien einige Fällungen auch erfolgt, weil Bäume viel zu dicht aufeinanderstanden oder in den als Parkanlagen angelegten Friedhöfen Sichtachsen versperrten. So habe es auch positive Rückmeldungen gegeben. Die Friedhofskirche an der Hochstraße, der „Ölberg-Dom“, sei jetzt zum Beispiel viel besser sichtbar vom Friedhof aus.

Nach hinten hätte eine Aktion, vermutlich von Baumschützern, losgehen können, wie Schellenberg berichtet. Die Unbekannten hatten zusätzlich zu den Markierungen der beauftragten Firma weitere Markierungen an Bäumen angebracht. Zum Glück, so Schellenberg, hatte die Firma dann noch einmal nachgefragt.

Alles andere als begeistert von den Fällungen ist Klaus Lüdemann, Ratsherr der Grünen. Viele Anwohner hätten ihn angesprochen. „Jetzt kann man aber auch nichts mehr machen“, sagt Lüdemann, der allerdings auch Verständnis für die Situation des Verbandes zeigt. Offenbar sei über Jahre ja nichts auf den Friedhöfen passiert. Allerdings ist er ebenso wie viele Nachbarn überzeugt, dass der Verband die Fällungen noch einmal gezielt öffentlich hätte ankündigen sollen.

Mehr von Westdeutsche Zeitung