Weltcafé in der Wuppertaler Citykirche: Essen in heiligen Hallen

Weltcafé : Essen und trinken in heiligen Hallen

Das Weltcafé in der Citykirche lebt durch die kirchliche Trägerschaft seit letztem Jahr auf.

Man schaut in zufriedene Mienen, wenn man nach dem Erfolg des Weltcafés in der Elberfelder Citykirche am Kirchplatz fragt. „Seit der Wiedereröffnung und der Übernahme der Trägerschaft durch den evangelischen Kirchenkreis Wuppertal Mitte vorigen Jahres ist der Umsatz im Weltcafé gestiegen. Ein Zeichen, dass den Besuchern die Verbindung zwischen dem Sakralraum und dem Gastraum zusagt“, erklärt Pfarrer Johannes Nattland.

Und Betriebsleiter Biniam Gebremedhin, der den erkrankten Pfarrer Erhard Ufermann in dessen Funktion als Geschäftsführer des Cafés vertritt, bestätigt, dass diese Aufteilung von Gastronomie und der eigentlichen Kirche einen besonderen Reiz auf die Menschen ausübt.

„Wir erleben oft, dass jemand hier eine Tasse Kaffee trinkt oder etwas verzehrt und dann durch die Glastür geht und zum Beispiel eine Kerze anzündet“, verrät Nattland und weist darauf hin, dass die Ideen von Erhard Ufermann erheblich zur Attraktivität der Gastronomie beigetragen haben.

Die Speisekarte ist so beliebt, das viele Exemplare verschwinden

„Allein die dreisprachige Speisekarte ist schon etwas Besonderes“, so Pfarrer Nattland und zeigt lächelnd auf das schmale „Buch“, in dem nicht nur Speisen und Getränke aufgelistet sind, sondern viele der angebotenen Köstlichkeiten einen biblischen oder religiösen Bezug haben. Da gibt es das „Jüngste Gericht“, „Himmel und Erde“, „Ökumenische Töpfe“, das „Linsengericht“, für das einst Esau sein Erstgeburtsrecht an seinen Bruder Jakob verkauft hat, die „Rote-Meer-Suppe“, das „Manna von gerösteten Heuschrecken“, und, weil man ja das Weltcafé ist, auch „Buddhas Lieblingssuppe“ und diverse Gerichte, die wohl vor allem dem muslimischen Gaumen bestens munden dürften. Die Speisekarte ist zudem „garniert“ mit kleinen unterhaltsamen Geschichten, biblischen Versen und Anekdoten. „Deren Lektüre ist offenbar so unterhaltsam, dass wir eine erhebliche Schwundquote feststellen“, meint Johannes Nattland mit süßsaurer Miene.

Das ab 9.30 Uhr bis 18 Uhr geöffnete Weltcafé ist vor und nach den Gottesdiensten Treffpunkt für Besucher und Gläubige, die von dort den Blick durch die Glastür auf die Kirche genießen. „Gastlichkeit und Spiritualität gehen hier eine Verbindung ein, die man in dieser Nähe in NRW nicht noch einmal findet“, so Nattland.

Kein Wunder, dass das Cafe´ in der Citykirche inzwischen vier Menschen Arbeit bietet, zumal man auch bestrebt ist, ständig mit Veranstaltungen Besucher und Gläubige anzulocken.

Ein umfänglicher Gottesdienst findet an jedem dritten Sonntag im Monat um 11.30 Uhr statt. „Da wir hier keine eigene Gemeinde haben, ist die Besucherfrequenz Änderungen unterworfen. So verzeichnen wir beispielsweise eine große Zahl von Gläubigen, wenn Pastor Ufermann predigt.“

Aber auch an anderen Tagen ist das Gotteshaus zu innerer Einkehr geöffnet, so an jedem Samstag für einen 10- bis 20-minütigen Gottesdienst, an jedem Dienstag und Donnerstag um 12 Uhr für ein kurzes Friedensgebet und an jedem ersten Montag im Monat für eine 45-minütige Feier mit einem weiteren Friedensgebet. Für Sehbehinderte bietet die Citykirche alle zwei Monate einen gesonderten Gottesdienst an.

Derzeit ist die Nordseite der alten reformierten Kirche mit Netzen versehen, um die Vorübergehenden vor eventuell herabfallendem Mörtel und kleinen Steinen zu schützen. Schließlich ist die äußere Hülle des Abendmahltisches der wohl älteste Gebäudeteil Wuppertals und seit Jahren dem sauren Regen, Hitze und Kälte ausgesetzt.

Dennoch sind die Citykirche und das Weltcafé Stätten kultureller Veranstaltungen und Treffpunkt von Organisationen und Institutionen, die nicht über geeignete eigene Räumlichkeiten verfügen. „Wir arbeiten auch eng mit dem Wuppertal-Institut in Sachen Mobilität zusammen, und die Wuppertaler Bühnen laden bei uns zu Lesungen ein“, merkt Pfarrer Nattland an, und der kommissarische Geschäftsführer des Weltcafés, Biniam Gebremedhin konstatiert: „Hier findet eine gute Kommunikation zwischen Stadt und Kirche statt.“

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