Wuppertal Institut: Ein Selbsttest mit dem Ressourcen-Rechner

Nachhaltigkeit : Test: So viele Ressourcen verbrauche ich

Das Wuppertal Institut bietet online einen Rechner an, der den eigenen Verbrauch von Ressourcen berechnet. Ein Selbstversuch.

Am Ende sind es 17 Tonnen, die ich in meinem Rücksack mit mir herumtrage. 17 Tonnen Material, die wegen meines Lebensstils verbraucht werden. Im Jahr. 17 Tonnen Erde, Holz, Metall, Wasser und vieles mehr. Das ist etwa das Gewicht von 17 Mittelklassewagen oder 21 Kühen.

Der Rucksack ist ganz schön schwer. Auch wenn er nur ein symbolischer Rucksack ist. Das Wuppertal Institut nutzt das Bild, um den Nutzern des Ressourcen-Rechners damit vor Augen zu führen, wie viel Gewicht für ihren Konsum tatsächlich anfällt, wie viele Ressourcen verbraucht werden für Herstellung, Nutzung und Entsorgung.

Das Modell geht über die Frage nach dem Klimawandel hinaus. Jens Teubler, wissenschaftlicher Mitarbeiter des Wuppertal Instituts im Bereich Nachhaltiges Produzieren und Konsumieren, erklärt das wie folgt: „In der Regel geht es nur um die Output-Seite, also darum, wie viele Stickoxide oder wie viel CO2 wir produzieren. Beim Ressourcen-Rechner wollen wir aber die Input-Seite darstellen. Denn alles, was wir aus der Natur herausholen, hat eine Wirkung.“ Alles, was wir tun, hat einen „Material-Intensitäts-Faktor“, verbraucht also bestimmte Mengen Material. „Eine Kuh hat eine bestimmte Materialintensität, ein Fernseher auch. Ebenso fünf Minuten Netflix gucken.“

25 Fragen aus Bereichen - fangen wir an mit „Wohnen“

Um auf meine 17 Tonnen zu kommen, muss ich 25 Fragen aus sechs Themenbereichen beantworten. Thema Wohnen: 3,7 Tonnen verbrauche ich hier – in einem vier Personen-Haushalt auf 100 Quadratmetern. Teubler erklärt, dass das relativ wenig sei. Die Wohnfläche pro Person sei nicht so hoch – vor allem aber falle ins Gewicht, dass ich Ökostrom beziehe. „Das bringt den größten Effekt.“ Gerade weil der Energiemix in Deutschland noch nicht so nachhaltig sei. Da falle so etwas für den Einzelnen schon ins Gewicht. „In Polen wäre der Effekt noch größer, da dort viel mehr Kohlestrom ins Netz geht. In Dänemark wäre er kleiner“, erklärt er.

Thema Konsum: Ich werde nach der Anzahl unserer Elektrogeräte gefragt – Küchen- und Waschgeräte auf der einen Seite, Unterhaltungselektronik auf der anderen. In Sachen Küche und Waschraum sind wir voll ausgestattet. Auch Handys und Laptops haben wir.  Wobei die Unterhaltungselektronik hier stärker ins Gewicht fällt. „Darin sind viele Edelmetalle verbaut. Die haben einen besonders schweren Rucksack“, erklärt Teubler. Was meine Bilanz verringert, ist der Haken unter den Listen, mit dem ich erkläre, dass ich die Geräte nutze, bis sie kaputt sind. „Zu jedem Produkt ist eine Lebensdauer einkalkuliert“, erklärt Teubler. „Je länger sie genutzt werden, desto weniger fällt an Material-Verbrauch pro Jahr an.“ Und so komme ich auf eine Tonne. „Das ist ziemlich gut“, sagt Teubler.

Das Thema „Ernährung“ - und der Rucksack wird voller

Bei der Ernährung wird der Rucksack wieder deutlich voller. Ich esse zwar fast kein Fleisch, aber dafür andere tierische Produkte. Das bringt mich schnell auf 5,2 Tonnen Zusatzgewicht. Mehr als für Wohnen und Konsum zusammen. Teubler erklärt das mit den tierischen Produkten. „Hinter jedem Kilo Fleisch oder jedem Liter Milch stecken viele Kilo Nahrung, also auch große Flächen zum Anbau, viel Arbeit bei der Verarbeitung, und viele Liter Wasser.“

Obwohl ich mich bewusst ernähre, stecke ich laut Teubler im Dilemma. Denn einerseits seien Menschen mit Studium im Schnitt umweltbewusster, andererseits seien Menschen mit einem festen Gehalt eben auch konsumfreudiger. Die guten Absichten stehen im Kontrast zu den finanziellen Möglichkeiten.

In Sachen Freizeit stehe ich aber wieder ganz gut. Ich gehe joggen und ins Fitnessstudio. Damit komme ich auf eine Tonne Zusatzgewicht. Würde ich Golf spielen oder Skifahren, wäre der Rucksack deutlich schwerer geworden. Zwar fällt Bau und Betrieb des Fitnessstudios teils auf mich ab. Aber mein Anteil eines Golfplatzes oder Ski-Ressorts wäre wesentlich größer. Für mich heißt das: plus 0,8 Tonnen.

Thema „Mobilität“: Ich kann zu Fuß zur Arbeit gehen

Mobilität ist der nächste Sektor. Hier habe ich Glück. Ich kann zur Arbeit laufen. Ich gebe noch Strecken mit Fernzug und Nahverkehr an – für die Ausflüge am Wochenende. Mit 3,5 Tonnen habe ich „sehr wenig“ Gewicht hinzubekommen, sagt Teubler. Was den Wert senkt ist etwa, dass unser Auto gebraucht ist – zwölf Jahre alt. Das senkt den Materialverbrauch im Schnitt sehr. Zudem fahren wir oft mit mehr als einer Person darin – meist gleich zu viert. Auch das senkt meinen Schnitt.

Beim nächsten Punkt befürchte ich schlimmes. Wir fliegen nämlich gerne in den Urlaub. Trotz der 15 Stunden Flugzeit, die ich für das vergangene Jahr überschlage, einiger Kilometer mit dem Mietwagen und mit dem Fernzug – komme ich nur auf 2,7 Tonnen für den Rucksack. „Sehr gut“, sagt Teubler. Er erklärt, dass das Fliegen eine schlechte CO2-Bilanz habe, aber in Sachen Ressourcen nicht immer schlechter sei als eine Auto- oder Bahnreise. Immerhin müsse weniger Infrastruktur gebaut werden – keine Autobahn, keine Schienen.

Der Durchschnittsnutzer des Rechners verbraucht übrigens 26 Tonnen Material im Jahr. Nachhaltig wären deutlich weniger. Das Ziel ist es, bis 2050 auf sieben Tonnen zu kommen. Dann würden wir mit den Ressourcen der Erde hinkommen. 17 Tonnen – das ist das Etappenziel für 2030. Insofern bin ich da schon mit einem Bein in der Zukunft.

Den Test zum ökologischen Rucksack finden Sie online unter ressourcen-rechner.de.

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