Vorlesen kommt an — besonders bei Tee, Gebäck und Häppchen

Vorlesen kommt an — besonders bei Tee, Gebäck und Häppchen

In diesem Herbst wird viel (vor-)gelesen. Literaturhaus Wuppertal und Skulpturenpark Waldfrieden stellen ihr Programm vor.

Vorlesen ist in, erfreut Kinder und Erwachsene. „Überall in der Stadt gibt es literarische Veranstaltungen. Ich finde das wunderbar“, strahlt Anne Linsel. Dass das nicht immer so war, weiß die Chefin des Literaturhauses Wuppertal aus eigenem Erleben. Als der Verein vor 20 Jahren gegründet wurde, „fand Literatur in Wuppertal so gut wie nicht statt“, erinnert sie sich und ergänzt: „Wir haben Pionierarbeit geleistet“, zum Beispiel indem der Verein — satzungsgemäß — die hiesige Literaturszene integriert, regionale Autoren vorlesen lässt. So auch in diesem Herbst.

Viele verbinden mit dem Skulpturenpark Waldfrieden, Spaziergänge, Kunst- und Musikgenuss. Zum vierten Mal bietet das Café Podest Literaturinteressierten eine Heimstatt. Linsel und Michael Mader, Geschäftsführer des Skulpturenparks, laden an vier Nachmittagen (von 16.30 bis 18 Uhr zur „Literarischen Teezeit“. Bei Tee, Gebäck und herzhaften Häppchen geht es um „Vier Erzähler — zwei Jahrhunderte“.

Den Anfang macht am 3. November Nikolai Ljesskows Roman „Das Perlenhalsband“, in dem sich eine friedliche Teezeit in ein Ehescharmützel verwandelt. Der bekannte Schauspieler und Sprecher Bernt Hahn liest. Aus Marie Luise Kaschnitz’ spannender „Schiffsgeschichte“ um eine 40-jährige Frau, die in den 1960er Jahren eine Reise antritt wird, liest am 10. November Julia Wolff, die vielen von den Wuppertaler Bühnen bekannt sein dürfte. „Hochwasser“, eine doppelbödige Liebesgeschichte zwischen drei Personen, heißt der Roman von Joyce Carol Oates, aus dem die bekannte Theaterschauspielerin Barbara Nüsse am 17. November vorliest. Schließlich leiht der bekannte Wuppertaler Olaf Reitz am 24. November einer Episode aus dem Roman „Der Baumwollpflücker“ von B. Traven seine Stimme.

Zur Geschichte des Literaturhauses gehören von Anfang an Kooperationen. In diesem Herbst kommen zwei neue hinzu: mit der Stadtbibliothek und den Wuppertaler Bühnen. Letztere planen gerade eine Lesung mit Prosastücken von Thomas Melle, „um ihn in Wuppertal präsenter zu machen“, erklärt Intendant Thomas Braus. Einen Termin gibt es noch nicht, aber dass der nur der erste Schritt ist, ist für Braus klar: „Ich finde Lesungen spannend. Vorlesen kommt an, man muss es nur machen.“

Vier Autoren-Termine bietet das Literaturhaus auch in seinen Räumen an der Friedrich-Engel-Allee (stets um 19.30 Uhr) an. Der „Deutsche Herbst“, der sich gerade zum 40. Mal jährt, ist Thema des packenden Romans „Follens Erbe“ von Michael Zeller, Er liest am 9. November. Der Wuppertaler Schriftsteller Wolf von Wedel wurde 2017 80 Jahre alt — ihm wird ein Abend am 20. November gewidmet. Wie man mit dem Unglück leben kann, erfährt man am 6. Dezember bei der Lesung aus Andreas Steffens „Die Narbe oder vom Unerträglichen“. Am 14. Dezember liest der Wuppertaler Autor Arne Ulbricht aus seinen Werken. Und für 2018 kündigt Anne Linsel an, dass das 20-Jährige mit eigener Veranstaltungsreihe gefeiert und das Vereinserscheinungsbild modernisiert wird.

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