Wuppertal: Gegenwind für die Schulbaupläne

Wuppertal : Gegenwind für die Schulbaupläne

Überlegungen aus dem Schuldezernat, eine Gesamtschule auf dem Carnaper Platz zu bauen, stoßen in Barmen auf wenig Gegenliebe.

Wuppertal. Seit Jahren wird in Wuppertal zum Teil erbittert über die Nutzung des Carnaper Platzes diskutiert. Im April fasste der Rat den Beschluss, 677 000 Euro für ein neues Betonsteinpflaster auszugeben, damit der holprige Schotterplatz befestigt werden kann und dann endlich den Ansprüchen eines modernen Festplatzes genügt.

Doch zuletzt sondierte Schuldezernent Stefan Kühn (SPD) in politischen Kreisen, ob sich der Platz nicht doch besser als Standort für eine weitere Barmer Gesamtschule eigne. Allein dies löst in Barmen Widerstand aus.

Viel Zeit für Diskussionen bleibt ohnehin nicht mehr, denn bald werden auf dem Carnaper Platz Tatsachen geschaffen. Stadtdirektor Johannes Slawig (CDU) verweist auf den gültigen Ratsbeschluss. „Der Auftrag für ein Bodengutachten wurde bereits erteilt. Im Frühjahr des kommenden Jahres wird der Beschluss zum Bau eines Veranstaltungs- und Festplatzes umgesetzt, dann wird der Platz gepflastert. Ich bin verpflichtet, die Planungen laut Ratsbeschluss umzusetzen. Sollte es andere Wünsche im Rat geben, müssten sie jetzt geäußert werden“, sagt Johannes Slawig.

Bezirksbürgermeister Hans-Hermann Lücke (CDU) ist überzeugt, dass es geeignetere Standorte als den Carnaper Platz für eine neue Schule gibt. „Eine Stadt, die sich rühmt, dass mehr als die Hälfte ihrer Fläche unbebaut ist, sollte woanders fündig werden. Ich habe Dezernent Kühn zwei alternative Vorschläge gemacht. Beim Carnaper Platz gilt es, den Bürgerwillen zu respektieren“, sagt Lücke. Er habe Kühn darauf hingewiesen, dass das Thema einen Streit auslösen werde, den er als Schuldezernent nicht gewinnen könne.

Stefan Kühn spricht hingegen von einer ersten Phase der Sondierung. Vor der Standortsuche für neue Schulen müsse die Stadt, alle Möglichkeiten prüfen, den Schulraum durch Anbauten und Umverteilung im Bestand zu vergrößern. Dass im Osten der Stadt ein besonders großer Bedarf an weiteren Schulen bestehe, sei unstrittig. „Es wird nicht leicht, eine mindestens 20 000 Quadratmeter große Fläche für einen Neubau zu finden. Die Fläche muss den Anforderungen bezüglich der Erreichbarkeit für die Kinder mit dem ÖPNV entsprechen und zum Verkauf stehen“, sagt Kühn. Beim Thema Carnaper Platz, der sich im Besitz der Stadt befindet, verweist er gegenüber der WZ ebenfalls auf den Ratsbeschluss, der einen Festplatz vorsieht.

Die Bürgervereine Rott, Unterbarmen und Hatzfeld hatten wesentlichen Anteil daran, dass vor Jahren ein Ratsbeschluss zum Verkauf des Platzes an die Stadtwerke, die dort ihre Konzernzentrale bauen wollten, gekippt wurde. Seitdem hat es kein Politiker gewagt, an dieser Entscheidung zu rütteln, obwohl es kein Geheimnis ist, dass die Nutzung als Festplatz nur noch sporadisch erfolgt. Im Alltag dient der Platz als kostenloser Parkplatz für Anwohner und die Mitarbeiter der WSW. Karl-Heinz Emde, Ehrenvorsitzender des Rotter Bürgervereins, würde es begrüßen, wenn ein privates Unternehmen die Parkplatzbewirtschaftung übernimmt. „Nach meinen Informationen liegt der Stadt ein Angebot vor“, sagt Emde. Ein bewirtschafteter Parkplatz stehe unter Aufsicht und würde gepflegt. WSW-Mitarbeiter und Anwohner könnten Sonderkonditionen erhalten. Für denkbar hält er auch eine kostenlose Nutzung in den Nachtstunden. Eine Arbeitsgruppe Carnaper Platz habe gegenüber der Verwaltung den Wunsch nach fünf Stellplätzen für Wohnmobile und gekennzeichneten Flächen für Pkw und Lastwagen geäußert. Lücke und Emde betonen, dass sie bei der Standortsuche für neue Schulen mithelfen möchten.

Gestern wurde in der Bezirksvertretung Barmen über das Thema diskutiert. Bezirksbürgermeister Lücke berichtete, dass Dezernent Kühn ihn zu seiner Meinung über eine Nutzung des Platzes als Schulstandort gebeten habe. Die Barmer Bezirksvertreter, bekräftigten jedoch einstimmig, dass sie an ihrem Beschluss zur Sanierung des Festplatzes festhalten werden.

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