Heliosklinik: Ausbau geht weiter

Heliosklinik: Ausbau geht weiter

Vor 15 Jahren wurde die Klinik privatisiert. Das Unternehmen wirbt mit Zahlen zur Qualität.

Um den Verkauf der städtischen Kliniken, die schon lange rote Zahlen schrieben, wurde intensiv gerungen. 2003 schließlich übernahm das Unternehmen Helios das Krankenhaus in Barmen. 2018 wird der Klinikverkauf 15 Jahre her sein. Marc Baenkler, derzeit Geschäftsführer an der Heusnerstraße, zieht eine positive Bilanz: „Das war ein wichtiger Schritt für Helios und für Wuppertal“, sagt der Mediziner.

Damals war das Wuppertaler Krankenhaus der erste Maximalversorger des medizinischen Unternehmens, dem 2003 etwa 30 Kliniken gehörten. Die Stadt konnte damals das hochverschuldete Krankenhaus abgeben, behielt nur einen Anteil von 5,1 Prozent.

Dass manche bis heute skeptisch nachfragen, wie ein Krankenhaus als Unternehmen geführt werden könne, weiß Baenkler. Er erklärt dann, dass das Unternehmen von einem Arzt gegründet wurde, der überzeugt war, dass Wirtschaftlichkeit auf Qualität beruht. Darauf lege Helios bis heute Wert. „Ich zeige gern jedem Patienten, dass bei uns die Qualität besser ist als der Durchschnitt“, sagt Baenkler.

Bei Herzinfarkten seien zum Beispiel im vergangenen Jahr im Wuppertaler Helios-Klinikum 130 Menschen mehr gerettet worden als erwartbar — „das ist eine Schwebebahn voll“, so Baenkler. Solche Zahlen seien auf der Homepage einsehbar. Die ständige Auswertung der Arbeit trage dazu bei, sich ständig zu verbessern.

Wirtschaftlichkeit zeige sich auch im Vermeiden unnötiger Ausgaben. So hätten sie durch Analyse von Studien festgestellt, dass Kompressionsstrümpfe bis auf wenige Ausnahmen keinen Effekt haben. Seither verzichte Helios in den meisten Fällen auf sie, das Haus spare damit rund 100 000 Euro im Jahr.

Seit der Übernahme ist an der Heusnerstraße viel passiert. Die damals gegebene Investitionszusage von 27 Millionen Euro ist längst übererfüllt. Neu eingerichtet wurden unter anderem die Radiologie und eine Abteilung für Schlaganfall-Patienten (Stroke Unit), neue große medizinische Geräte wurden angeschafft, das Parkhaus gebaut und Haus 5 umgebaut.

Große Aufmerksamkeit erhielten die Übernahme und der Umzug der Landesfrauenklinik 2015, die bis dahin zum Klinikverbund der Cellitinnen gehörte. Dafür hat Helios die Kinderklinik aufgestockt. Dort gibt es jetzt fünf Kreißsäle, gestaltet nach Feng Shui—Prinzip. „Dazu bekommen wir viel positives Feedback“, sagt Baenkler.

Als Zeichen für den Erfolg nennt er die steigende Zahl der Geburten. Sie hätten die Klinik mit 1800 Geburten im Jahr übernommen, für dieses Jahr erwarteten sie rund 2200. „Zu uns kommen jetzt auch viele Frauen mit Risikoschwangerschaften, die sonst anderswo entbunden hätten.“ Sie schätzten die direkte Nachbarschaft der Kinderklinik.

Die Umbauten gehen noch weiter, 110 Millionen will Helios bis 2022 investieren. Zwei Häuser werden aufgestockt, unter anderem soll ein neues Operationszentrum entstehen und in der Mitte des Geländes — an Stelle von Haus 6 und 7 und des Mittelgartens — wird ein großer Neubau entstehen, in dem mehrere Bereiche interdisziplinär zusammenarbeiten. Hierhin wird 2022 auch das Herzzentrum aus Elberfeld ziehen. Das Gebäude wird zudem einen neuen Eingangsbereich für die ganze Klinik erhalten, eine Cafeteria und einen Bereich für Terminsprechstunden. „Wir wollen Ende 2021 eröffnen“, kündigt Baenkler an.

Auch beim Helios—Klinikum zeigt sich ein Trend in der Medizin: Niedergelassene Ärzte und Kliniken rücken enger zusammen: So gibt es in Wuppertal mehrere Praxen in Trägerschaft der Klinik, zum Beispiel zwei orthopädische Praxen und eine Praxis für Strahlentherapie.

Auf diese Weise ist eine enge Zusammenarbeit möglich. „Der Patient ist aber weiterhin völlig frei in seiner Arztwahl“, sagt Baenkler. Geprüft wird auch, ob auf lange Sicht Rehamedizin auf dem Gelände angeboten werden kann.

Ein weiteres großes Projekt ist die Digitalisierung, in die das Unternehmen viel Geld steckt: „Wir sind auf dem Weg“, sagt Baenkler. In einigen Abteilungen gehen die Ärzte bereits mit einem Computer auf Visite. Im kommenden Jahr soll es überall in der Klinik W-Lan geben.

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