Ein Hauch von Montmartre: Kunstmarktsaison am Ölberg eröffnet

Ein Hauch von Montmartre: Kunstmarktsaison am Ölberg eröffnet

Die Saison für die Kunst- und Kulturmärkte ist mit Sonne, Eis und glücklichen Besuchern gestartet.

Ölberg. Von Gemütlichkeit sind Ein-Euro-Jobber gewöhnlich weit entfernt. Nicht so Gerd Müller, aber sein Ein-Euro-Job klingt auch ziemlich entspannt: Erdbeer-Prosecco. Ein Gläschen dieser Marmelade hat er soeben auf dem Ölberger Kunst- und Kulturmarkt für einen Euro erworben. Die Geschmacksrichtung sei beliebt bei den Damen, habe er sich sagen lassen. Nach getaner Arbeit sitzt er in seliger Ruhe auf dem Otto-Böhne-Platz und harrt der Freunde, die noch kommen mögen.

Nachbarschaftlicher Zusammenhalt und kurze Wege gehören zu den Markenzeichen des Marktes. Der Bus hält gleich vor der Tür und auch zum Stand von Bernd Bähner, dem Mitorganisator von Wuppertals Montmartre-Event, sind es nur wenige Schritte. In Anlehnung an den Termin des Ölbergfestes findet der Kunst- und Kulturmarkt nun erstmals schon im April statt, erzählt Bähner und freut sich über den Sonnenschein, der die Besucher glücklich macht. Käme es nur auf das Geschäft an, so wäre der Markt angesichts unbedeutender Umsätze sicher schon zu den Akten gelegt. Aber es zählen auch andere Werte.

Das sieht Udo Hösterey, seit kurzem wieder Buchhändler am Ölberg, genauso. Er habe sich schon früh den Platz unter dem Glasdach des Pavillons reserviert — schließlich hätte es auch regnen können.

Mit dem klassischen Papierhütchen der Tapezierer gegen Sonnenstich geschützt, malt gegenüber eine Künstlerin das, was sie „Kreisch-Katzen“ nennt. Sie selbst ist nur unter dem Namen Simsalabim ansprechbar. Sala, mit der sie 2012 einen Stand teilte, komme in diesem Jahr nur noch zur Abrechnung. Wohl dem, der etwas von Arbeitsteilung versteht.

Mitten ins Plaudern mischt sich der Musiker Lutz Griebel und ruft zu einem Ständchen für André Kern auf. Der Künstlerkollege habe Geburtstag. So singen die Menschen auf dem Platz gemeinsam — kein schnödes „Happy Birthday“, sondern das gute alte „Viel Glück und viel Segen“.

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