Wuppertal: Carnapsplatz: Anwohner wollen ihre Bäume behalten

Wuppertal: Carnapsplatz: Anwohner wollen ihre Bäume behalten

Die Stadt will zwei Fällungen vornehmen. Dagegen wehren sich die Nachbarn schon länger. Auch die Bezirksvertretung übt Kritik.

Nordstadt. Als Carnapsplatz kennen ihn wohl nur die wenigsten. Doch am kommenden Mittwoch wird der Platz an der Hermann-von-Helmholtz-Realschule in der Bezirksvertretung Elberfeld ziemlich sicher noch einmal für große Diskussionen sorgen — genauer zwei Bäume auf dem Areal. Im Zuge der teilweisen Umgestaltung des Platzes will die Stadt diese nämlich fällen — und stößt auf Widerstand.

„Wir wurden gar nicht groß beteiligt“, stellt Inge Grau vom Forum Mirke fest. Dabei ist die Position der Anwohner schon lange klar. Umgestaltung ja — aber ohne die beiden Bäume an der Helmholtzstraße zu opfern. Dass die Stadt am anderen Ende des Platzes an der Mirker Straße zwei Bäume fällen wird, sei kein Thema. „Die stehen ja auch schon schief“, sagt ein Anwohner beim Ortstermin mit der WZ. Bei den beiden anderen gibt es für die Nachbarn allerdings keine nachvollziehbaren Gründe.

Die Stadt argumentiert wie folgt: „Der südliche Platzbereich ist derzeit sehr stark verschattet. Neben einer zentralen Reihe von Platanen, die mit ihrer Größe den Platz überragen, steht noch eine zusätzliche Baumreihe an der Helmholtzstraße. Aus der daraus resultierenden starken Verschattung verringert sich deutlich die Aufenthaltsqualität auf diesem Platzbereich“, heißt es in der aktuellen Vorlage, über die die BV abstimmen soll. Eine ausgeglichene Mischung aus Sonne und Schatten sei dort nicht mehr gegeben, um die Fläche attraktiver zu machen, „ist es also absolut notwendig, die Flächen zu belichten.“ — sprich, die beiden Bäume zu fällen.

„Der Platz ist doch auch so offen genug“, entgegnen die Anwohner, die vor allem ärgert, dass eine echte Bürgerbeteiligung gar nicht stattgefunden habe. „Als wir zuletzt noch einmal nachgefragt haben, hieß es nur, die Pläne sind fertig“, sagt Leonie Altendorf, die mit ihrem kleinen Sohn regelmäßig den Platz nutzt.

Dabei hatte die Stadt den Planungsprozess eigentlich zum Musterbeispiel erklärt. Wie der Teilbereich des Platzes aussehen soll, darüber hatten sich nämlich vor allem die Realschüler Gedanken gemacht. Sie konnten ihre Ideen einbringen, Wünsche äußern. Das machten sie äußerst kompetent, wofür sie vonseiten der Stadt, aber auch von Politik und Anwohnern ein dickes Lob bekamen.

Allerdings, das wurde in der Dezember-Sitzung der BV deutlich, waren sich die Schüler über die Bedeutung der Bäume offenbar gar nicht bewusst — weil die beteiligten Verwaltungsvertreter das ihnen gegenüber wohl auch nicht wirklich zur Sprache brachten. „Das Thema war aber letztlich nicht Bestandteil des Beteiligungsprojektes“, heißt es dazu in der Vorlage.

Das bestätigt Rolf Puller. „Im Planungsprozess spielte das keine Rolle.“ Die Bäume seien gegenüber den Schülern nur erwähnt, die Fällung praktisch als „Rahmenbedingung“ dargestellt worden. Der Schulleiter hat die Sorge, dass nun die Schüler den Schwarzen Peter bekommen. Dabei, so Puller, hätten die sogar noch die Idee gehabt, die direkte Nachbarschaft des Platzes zu befragen. Die Hausbesuche fanden dann aber — natürlich — zu Schulzeiten statt, in denen viele gar nicht erreicht werden konnten. Es sei aber auch keine Kritik an den Schülern laut geworden, betont noch einmal Inge Grau. Die Anwohner zu beteiligen, könne ja nicht deren Aufgabe sein, sagt ein weiterer Nachbar, der mutmaßt, dass die Stadt über Umwege die Fällung der Bäume durchdrücken will.

Dabei — das weiß die Verwaltung eigentlich — sehen einige Bezirksvertreter die Rodung ebenfalls äußerst kritisch. In der Dezember-Sitzung gab es ordentlich Gegenwind. Ein wenig überrascht sei er deshalb schon, dass die jetzige Vorlage immer noch die Beseitigung der Bäume vorsieht, sagt Bezirksbürgermeister Hans-Jürgen Vitenius (SPD). Zumal bekannt sei, wie wichtig den Nordstädtern ihre Bäume sind, sagt er und erinnert an die Markomannenstraße, wo vor ein paar Jahren Anwohner ebenfalls auf die Barrikaden gegangen waren, weil die Stadt Bäume fällen wollte. Einen Beschluss könne er natürlich nicht vorwegnehmen, aber seine persönliche Meinung zum Carnapsplatz sei klar: „Ich war immer für die Bäume.“ “ S. 15

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