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Ein Winterwunderland an der Villa Waldfrieden

Ein Winterwunderland an der Villa Waldfrieden

Bei einer Führung erfuhren Interessierte Wissenswertes über den Skulpturenpark.

Unterbarmen. Eine Winterlandschaft, wie sie sein sollte und noch weitaus mehr. Während im Tal der Schnee unter Salz und Abgasen ergraut, überzieht er den Skulpturenpark Waldfrieden mit einer dicken weißen Decke. Dort oben besitzen Eis und Frost besinnliche Kehrseiten für alle, die sich warm einpackt haben und bereit sind, den Park als Fanal einer neuen Wuppertaler Kultur-Ära wahrzunehmen. Aber die Gruppe, die sich der Expertin Anna Mirbach angeschlossen hat, um Wissenswertes über Skulpturen und die Villa Herberts zu erfahren, bleibt am Samstag überschaubar.

Damit behält der Waldfrieden fast seinen Wahrheitsgehalt. Doch in der gläsernen Ausstellungshalle, die sich über dem ehemaligen Pool des Lackfabrikanten Herberts erhebt, quietscht und ächzt es. „Dernière Collaboration avec Yves Klein“, so steht es auf dem Schild vor dem Monstrum, das alles sechs Minuten per Knopfdruck in Gang gesetzt werden kann. Ein erhebender Anblick, diese „letzte Zusammenarbeit mit Yves Klein“ des Künstlers Jean Tinguely.

Eine Styropor-Platte, Glühbirnen, ein ausladendes Stück Wellblech — es dreht und hebt sich, flackert und knarrt, ohne eine Richtung anzustreben, ohne produktiv zu sein. Sysyphos hätte seine helle Freude an dieser Maschine, die ihm seine niemals endende und damit sinnleere Arbeit abnehmen könnte. Autorennen, Sprengstoff und Frauen seien Tinguelys Leidenschaften gewesen, sagt Mirbach und führt ihre Gruppe hinaus in den Schnee.

Noch völlig eingenommen von den eindrucksvollen Arbeiten des französischen Künstlers, stehen sie bibbernd da draußen und betrachten Skulpturen, die sich in Weiß gehüllt haben, wie Tony Craggs „Distant Cousin“ aus Edelstahl.

Was in der Ferne wie ein erstarrtes Nashorn im weißen Mantel wirkt, entpuppt sich bei näherer Betrachtung als Craggs skulpturaler Dialog mit einem Künstlerkollegen. Wieder beginnt der Schnee leise zu rieseln, ohne die Kunstexpertin Mirbach in ihrem Redefluss zu beirren. Noch ist Zeit für viele Worte zu Herberts, zu seiner Villa und seinem Architekten Franz Krause. Der habe nicht anthroposophisch gebaut, sondern lediglich mit seinen Ideen anthroposophisches Gedankengut getroffen. Es ist zu kalt, um in solch feinem Unterschied einen warmen Platz zu finden. Schön ist er trotz allem und zu jeder Jahreszeit, der Waldfrieden.