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Neue Gedenkstätte: 117 Namen in rotem Sandstein

Neue Gedenkstätte: 117 Namen in rotem Sandstein

Seit dem Volkstrauertag gibt es eine Gedenkstätte für die Gefallenen des Zweiten Weltkriegs am Friedhof Bracken.

Nächstebreck. "Wenn Du nicht weißt, was gewesen ist, kannst Du nicht wissen, was werden kann." Dieses Zitat von Adorno ziert zwei der vier Stelen auf dem Friedhof Bracken, die an die im Zweiten Weltkrieg gefallenen Soldaten der damaligen Gemeinde Nächstebreck-Schellenbeck erinnern.

Initiatorin dieser Gedenkstätte ist Inge Kuhlmann. Sie hat vor knapp einem Jahr ihren Vater auf dem Friedhof Bracken beerdigen können - 60 Jahre, nachdem er in Russland gefallen war. Während der Recherchen zum Tod des Vaters stieß sie bei ihrer Arbeit im Gemeindebüro auf drei Ehrenbücher, die der damalige Pfarrer Dannert während des Zweiten Weltkriegs verfasst hat. Darin finden sich Fotos, persönliche Daten und die letzte Nachricht über 115 Soldaten. Die Gedenkbücher werden im Kirchenarchiv verwahrt und nur zu besonderen Anlässen gezeigt

Kurz darauf waren die Bücher Gesprächsthema beim Geburtstag eines Gemeindemitglieds. "Der Mann hat den Krieg erlebt und seine Geschichte aufgeschrieben", erzählt Inge Kuhlmann. "Am Ende seiner Aufzeichnungen weist er darauf hin, dass in Nächstebreck eine Ehrentafel für die Gefallenen des Zweiten Weltkriegs fehlt." Da beschloss die engagierte Wuppertalerin, sich für eine Erweiterung des Ehrenfriedhofs am Bracken einzusetzen - und stieß zunächst auf bürokratische Hindernisse. "Die ließen sich glücklicherweise schnell lösen. Noch im November 2009 habe ich von der Stadt, dem Friedhofsverband und dem Volksbund Deutscher Kriegsgräberfürsorge (VDK) die Genehmigung zur Errichtung der Stelen bekommen." Nächstes Problem: die Finanzierung. Mit Unterstützung des Bürgervereins Nächstebreck eröffnete Inge Kuhlmann ein Spendenkonto und begann zu sammeln. Es folgte ab Mai eine regelrechte Spendenwelle

Ein knappes Jahr später hatte sie die erforderlichen 25.000 Euro zusammen. "Ich hatte schon einen Steinmetz gefunden und im Sommer konnte mit dem Erstellen der Stelen begonnen werden." 117 Namen wurden eingemeißelt, 115 aus den Gedenkbüchern sowie zwei weitere, deren Angehörige sich im Lauf der Aktion bei Inge Kuhlmann gemeldet hatten.

117 Namen - 117 Schicksale. Damit sie nicht in Vergessenheit geraten, hat Inge Kuhlmann parallel zur Entstehung der Gedenksteine begonnen, die drei in Sütterlin geschriebenen Gedenkbücher in ein Buch zusammenzufassen. "Davon habe ich einige Exemplare binden lassen, um mich bei meinen Unterstützern zu bedanken", sagt Inge Kuhlmann. Ob die Gemeinde das Buch in größerer Auflage veröffentlicht, weiß sie nicht. "Die Daten mit den Aufzeichnungen habe ich übergeben."

Für sie ist die Bestätigung der Gemeindemitglieder wichtiger. "Die ersten Angehörigen haben bereits Gestecke an den Stelen niedergelegt. Sie haben jetzt einen Ort, an dem sie ihrer Toten gedenken können."