Fahrradweg: Solinger wollen alte Trasse umbauen

Fahrradweg : Solinger wollen alte Trasse umbauen

Radfahrer sollen die Strecke der ehemaligen Bahnlinie 5 wieder nutzen können.

Wer heute entlang der ehemaligen Bahntrasse der Linie 5 spazieren geht, benötigt schon etwas Fantasie, um sich vorzustellen, dass dort einmal eine intensiv genutzte Verkehrsader verlief. Beginnend in der Siedlung Kohlfurth in der Nähe vom Café Hubraum schlängelte sich die circa 3,5 Kilometer lange Linie an der Fleußmühle und der Siedlung Schrodtberg, am ehemaligen Rasspe-Geände (das heutige Gewerbegebiet Stöcken 17) und am Erbenhäuschen vorbei und endete schließlich an der Clemenskirche.

Teilweise sind dort heute noch alte Masten der Oberleitung und Stümpfe der Straßenbahn sowie Gleisschotter sichtbar, der inzwischen wild überwuchert ist. Relikte vergangener Zeiten – die Bahntrasse ist seit 1969 stillgelegt. Für Robert Franz ist diese Strecke brachliegendes Potenzial – er hat die Vision, durch bauliche Veränderungen dort eine Radstrecke ähnlich der Korkenziehertrasse zu errichten und so der früheren Bahntrasse wieder Leben einzuhauchen. „Ich bin ja ein Fantast und möchte betonen, dass es sich zunächst nur um eine Idee handelt, für die ich die Solinger gerne begeistern würde.“

Ein Problem könnten die zugeschütteten Tunnel werden

Weitgehende Zustimmung für die Idee erhielt er beim Runden Tisch Radverkehr, wo Franz sich ebenfalls engagiert. Mit einigen Vertretern der Initiative sowie Mitstreitern des ADFC wanderte er kürzlich die Strecke ab, um gemeinsam die Umsetzbarkeit eines solchen Projekts zu diskutieren und dessen Vor- und Nachteile abzuwägen. Bernhard Stoer vom ADFC etwa könnte sich gut vorstellen, dass das Projekt erfolgversprechend sein könnte. „Für die Beschäftigten im Gewerbegebiet Stöcken 17 wäre eine solche Radtrasse sicherlich von Vorteil, da sie zum einen eine Anbindung in Richtung Wuppertal als auch in Richtung Korkenziehertrasse bieten würde. Möglicherweise könnte man perspektivisch noch weitere Trassenprojekte in Angriff nehmen, sodass ein durchgängiges Radwegenetz in Solingen und Umgebung entsteht.“

Eine bauliche Herausforderung dürfte vor allem durch den mittlerweile zugeschütteten Tunnel am Stöcker Berg liegen: „Diesen Tunnel müsste man auf jeden Fall wieder herrichten“, ist Stoer nach der Begehung der Strecke überzeugt. Zwar gab es Überlegungen, einen möglichen Radweg über eine Rampenlösung am Stöcker Berg vorbeizuführen, doch wäre die Steigung dort immer noch zu hoch, meint Stoer. „Das Projekt steht und fällt mit der Möglichkeit, den Tunnel wieder herzurichten. Ansonsten wäre eine solche Trasse eine sinnvolle Ergänzung für den öffentlichen Nahverkehr, da man mit Bus und Bahn in Solingen nun mal längst nicht überall hinkommt.“

Allein durch die beträchtliche Steigung von im Schnitt fünf Prozent sei eine solche Radtrasse laut Robert Franz zwar nicht mit dem touristischen Mehrwert der Korkenziehertrasse vergleichbar, ein Gewinn sei sie aber dennoch im Hinblick etwa auf das Bestreben der Stadt, fahrradfreundlicher zu werden und dementsprechend Fördermittel von Land und Bund in Anspruch nehmen zu können.

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