1. NRW
  2. Wuppertal
  3. Lokalsport

Keita-Ruel zieht WSV den Stecker

Keita-Ruel zieht WSV den Stecker

In der Regionalliga gibt es für den Aufsteiger die vierte Niederlage in Folge. Doch ein Punkt wäre für die Gastgeber verdient gewesen.

Wuppertal. Sebastian Wickl machte nach dem Abpfiff vor dem Weg in die Kabine trotz der Enttäuschung über die 1:2 (0:1)-Niederlage gegen die SG Wattenscheid einen gefassten Eindruck. „Ich habe eine Sekunde lang nicht aufgepasst“, beschrieb er die Szene, als Daniel Keita-Ruel (63.) einen Ball blockte, den der WSV-Keeper weit nach vorne schlagen wollte. „Bei neun von zehn Bällen landet ein solcher Abpraller neben dem Tor und es geht mit Abstoß weiter. Der leider nicht“, sagte Wickl. Die Verantwortung für den kuriosen Siegtreffer der Gäste nahm er ganz allein auf seine Kappe.

Das ehrt ihn as Sportler und guten Mannschaftskamerad. Doch man kann die Geschichte des entscheidenden Gegentreffers auch anders erzählen und damit einige Erklärungen dafür liefern, warum der WSV trotz einer starken kämpferischen Leistung zum vierten Mal in Serie ohne Punkte vom Platz gegangen ist.

Dem entscheidenden Fehler Wickls waren nämlich einige Szenen vorausgegangen, in denen der WSV-Keeper praktisch dazu gezwungen wurde, lange Bälle zu schlagen, weil sich zum Beispiel auf den Außenbahnen oder im zentralen Mittelfeld keine Anspielstationen für einen Abwurf oder ein kurzes Zuspiel boten.

In einigen Situationen zuvor war es Kevin Pytlik oder Niklas Heidemann anzumerken, dass sie auf dem schwer zu bespielenden Geläuf liebend gerne auf die Ballannahme in der eigenen Hälfte verzichten würden, weil sie gefahrbringende Ballverluste befürchteten. Und da sich auch im Mittelfeld des WSV zu selten sichere Ballstation auf dem Weg nach vorne boten, konnten sich die Gäste, wie im Spielplan ihres Trainers Farat Toku vorgesehen, auf die langen Bälle des WSV konzentrieren. Seinen gewohnten Spielfluss muss sich der WSV nach vielen Rückschlägen erst wieder mühsam erarbeiten.

Daniel Keita-Ruel gelang ein Glückstreffer, aber es war kein Zufallstor. Schon beim Aufwärmen beider Mannschaften war zu beobachten, dass sich der frühere WSV-Spieler bei seinem Auftritt im Stadion am Zoo wohlfühlte. Dort hatte er früher mit der Rückennummer (und Postleitzahl) 42 seine Verbundenheit mit Stadt und Verein auszudrücken versucht. In dieser tollen Verfassung ist Keitas Wechsel in die 3. Liga ohhnehin wahrscheinlicher als eine Rückkehr zum WSV.

Stefan Vollmerhausen erkannte die Bereitschaft seiner Mannschaft an, den schwachen Auftritt in Siegen vergessen zu machen. „Das 0:1 kurz vor der Pause (45.) war ein Wirkungstreffer. Ich denke, der Ball war bei der Hereingabe von Keita auf Canbulut im Toraus“, sagte der WSV-Coach. Der beste Angriff für den WSV über Enzo Wirtz und Gaetano Manno zum Torschützen Andreas Ivan (56.) schien die Handbremse zu lösen. Angefeuert von den Fans bot sich dem WSV nun die Gelegenheit, Selbstvertrauen, neuen Mut und Energie für den Saisonendspurt aufzuladen. Es sah nach der Wende zum Guten aus. Doch dann zog Keita-Ruel, der auf den nächsten Rückpass lauerte, seinem Ex-Klub schon bald wieder den Stecker.