Drei Fragen an... Schauspielerin Julia Wolff

Drei Fragen an... Schauspielerin Julia Wolff

Wuppertal. Babsi (Hanna Werth), Jeani (Julia Wolff) und Max (Heisam Abbas), alle in den Dreißigern, also eigentlich in der Blüte ihrer Jahre, wollen sich nach längerer Zeit der Trennung für ein Wochenende im Hotel treffen.

Gemeinsam teilten sie nicht nur die Betten, sondern auch ideologische Ideen. Dass das Wiedersehen mit großen Erwartungen, letztendlich aber auch mit herben Enttäuschungen verbunden ist, erzählt Ewald Palmetshofer in seinem Stück „Wohnen. Unter Glas“. Darstellerin Julia Wolff (Foto: Claudia Kempf) und ihre Kollegen bringen die Geschichte im Kleinen Schauspielhaus auf die Bühne.

Frau Wolff, in dem Stück „Wohnen. Unter Glas“ spielen Sie Jeani. Was ist das — aus Ihrer Sicht — für eine Frau?

Julia Wolff: Sie ist die Initiatorin des Treffens und war damals, als die drei Figuren noch zusammen lebten, die Dominantere. Mit dem Wissen um ihren „Hochstatus“ ist sie nun zu dem Treffen anreist. Dass sich Babsi, die andere Frau, aber verändert hat, damit hat Jeani nicht gerechnet. Sie braucht auch einige Zeit, bis sie es kapiert, und versucht dann, Babsi abzuwerten.

Was ist — aus Ihrer Sicht — die Botschaft des Stücks?

Wolff: Das Stück behandelt viele Themen. Das einzig Konventionelle an „Wohnen. Unter Glas“ ist die Einheit von Ort und Zeit. In einer Nacht sollen alle Rechnungen bereinigt werden, die sich bei den Figuren über die Jahre, in denen sie sich nicht gesehen haben, angesammelt haben. Es geht um das Scheitern von Erwartungen an Freunde. Es geht um drei Personen, die kurz vor der Midlife-Crisis die Zeit zurückdrehen wollen. Es geht um die Angst vor dem Älterwerden, vorm Festgelegtsein — darum, dass Entscheidungen an Kreuzungen getroffen wurden, die nicht revidierbar sind, mit aller Kraft aber verändert werden sollen. Es geht um die große Einsamkeit, die Angst vor der Vergänglichkeit. Es ist die Nacht der großen Desillusionierung.

Wie wohnen Sie selbst?

Wolff: Die Metapher „Glas“, die im Titel vorkommt, bedeutet für jede Figur etwas anderes. Max, der Hahn im Korb, hat klaustrophobische Assoziationen und spricht von einer „gläsernen Decke“, durch die er handlungsunfähig wird. Jeani meint mit „Glas“ die totale Offenheit, die grenzenlose Symbiose und Auflösung der Individualität, die sie in Angst und Schrecken versetzt. Ich selbst lebe mit viel (Fenster-)Glas und wunderschönem Blick aufs Tal. Dieses Glas öffnet aber meinen Geist und beängstigt mich gar nicht. Ich habe früher auch in mehreren Wohngemeinschaften gewohnt — wie die Figuren im Stück. Da begegnete ich im Flur auch immer wieder Fremden. Das hat mir aber nie die Angst bereitet, die Jeani bei der Vorstellung hat, zu sechst zu wohnen, wenn jeder der drei einen Partner hätte. Ich habe mal ausgerechnet, dass ich in meinem Leben schon 30 Mal umgezogen bin. Ich bin sehr flexibel, was meinen Wohnraum angeht. Die Freiheit ist im Kopf. thö

“ Das Stück ist wieder am Mittwoch, 12. Dezember, um 20 Uhr zu sehen. Karten gibt es unter www.wz-ticket.de

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