Explosion in Wuppertal: Hat Bewohner das Haus gesprengt?

Explosion in Wuppertal: Hat Bewohner das Haus gesprengt?

Die Polizei ermittelt wegen Verdachts auf versuchten Mord nach der Explosion in Heckinghausen. Die Straße bleibt vorerst gesperrt.

Wuppertal. Nach der Explosion an der Lenneper Straße in Heckinghausen ermitteln Staatsanwaltschaft und die Wuppertaler Polizei inzwischen wegen des Verdachts des mehrfachen versuchten Mordes. Das teilte die Polizei am Montagmittag mit. Die eingesetzte Mordkommission „Lenneper“ und der beauftragte Sachverständige für Brand- und Explosionsursachen hätten in dem völlig zerstörten Haus Hinweise auf eine Manipulation an der Gasinstallation gefunden, so die Polizei.

Die Ermittlungen richten sich gegen einen 54 Jahre alten Bewohner einer Wohnung des Hauses. Er selbst befindet sich unter den Schwerverletzten und ist deshalb von der Mordkommission bislang noch nicht befragt worden.

Das Motiv des Mannes liegt nach bisherigen Ermittlungserkenntnissen in seinem privaten Lebensbereich, er habe in der Vergangenheit bereits angekündigt, nicht mehr leben zu wollen, bislang habe er jedoch mit ärztlicher Unterstützung davon abgehalten werden können, sich etwas anzutun.

Unterdessen geht die Arbeit an der Ruine weiter. Die Stadtwerke haben am Montag den Schutt von dem Grundstück abtransportieren lassen. Grund für das schnelle Räumen: In einer Gas-Hochdruckleitung wird in Folge der Explosion Haarriss vermutet. Heinz Engel, Abteilungsleiter Rohrnetz bei den Stadtwerken, sagte, die Mitarbeiter würden nach solchen Ereignissen grundsätzlich die Systeme überprüfen. Dafür hätten sie Probebohrungen vorgenommen und unter der Fahrbahndecke eine erhöhte Gaskonzentration festgestellt. Für die Anlieger habe aber zu keiner Zeit Gefahr bestanden, sagte WSW-Sprecher Elmar Thyen. Als das Leck bemerkt worden ist, habe man den Druck von der Leitung genommen.

Was vom Grundstück weggebaggert und in die Lastwagen verladen wird, ist größtenteils verkohlt. Zwischen Holzbalken und Schutt schauen Farbfetzen heraus, die daran erinnern, dass auf dem Grundstück bis vor kurzem noch Menschen gelebt haben. Grüne Frischhaltedosen-Deckel, eine blaue Bettdecke mit Spider-Man-Motiv, eine verformte Küchenspüle hängt aus der Bagger-Schaufel heraus, während sie über den Gehweg auf die Ladefläche des schweren Lastwagens gehoben wird.

Auf der anderen Seite, die offen für Fußgänger ist, steht Fabian Heinrichs, der mit seiner Freundin, deren Mutter und zwei Katzen im Erdgeschoss gelebt hat. Er hat nur noch sein Auto und seinen Führerschein, der in dem Wagen lag. Sonst habe er alles verloren, sagt er. „Dort waren Sachen drin, die kann einem keiner wiedergeben. Fotoalben, Schmuck und Erinnerungen an verstorbene Verwandte“, zählt er auf. Er kennt den Fahrer eines der Schwerlaster, der zum Recyclinghof fährt. Der habe ihm zugesagt, dass er mit seinen Verwandten nochmals durch die Überreste der Wohnung gucken könne. Er hofft, noch ein paar Erinnerungsstücke wiederzufinden.

Das Bauordnungsamt der Stadt hat die Nachbarhäuser währenddessen versiegelt. Die Eigentümer müssen jetzt erst einen Statiknachweis erbringen, bevor die Anwohner wieder in ihre Wohnungen können. Solange dürfen sie nur nach Absprache in die Häuser, alles andere wäre zu gefährlich. Die Lenneper Straße ist voraussichtlich noch bis heute Abend gesperrt.