Elfen, Trolle und der Starkregen

Elfen, Trolle und der Starkregen

Familienkonzert der Sinfoniker auf den Spuren vom zauberhaften Sommernachtstraum.

Die Elfen und Trolle sind schuld: Wenn der Sommer verregnet ist, die Stadt in den Fluten unterzugehen droht, dann könnte es an jenen kleinen, für das menschliche Auge unsichtbaren Wesen und ihrer Tendenz zum Durch-die-Luft-Tanzen und Streiten liegen. Zum Glück gibt es aber herrliche Lyriker wie William Shakespeare (1564 bis 1616) und meisterhafte Komponisten wie Felix Mendelssohn-Bartholdy (1809 bis 1847), die dafür sorgen, dass am Ende alles wieder gut wird. Am Sonntag sorgten sie zumindest in der Stadthalle auf dem Johannisberg für ein exzellentes Klima — beim vierten Familienkonzert der Wuppertaler Sinfoniker. Auf dem Programm: „Ein Sommernachtstraum“ für Elfen und Trolle und Menschen ab sechs Jahren. Ein gelungener Saison-Schlusspunkt vor der Sommerpause.

Sie kamen in Scharen, bevölkerten die riesige wie festliche Halle im Parkett wie auf der Empore. Aufgeregte Kinder mit Krönchen im Haar und Sonntagskleid, die Hand fest in die des erwachsenen Begleitpersonals gelegt oder den Arm ums mitgebrachte Stofftier geschlungen, folgten dem Geschehen auf der Bühne. Aus sicherer Entfernung, auf durch Sitzkissen erhöhten Stühlen oder gleich auf Mamas Schoß. Einige (Mutige) saßen auf dem Boden vor der Bühne. Manche trauten sich sogar auf die Bühne unter die Musiker des Orchesters. Die zehnjährige Anna-Lena Freund und der neunjährige Thies Sievers verfolgten das Konzert neben den Pauken sitzend, nachdem sie die schwierigen Fragen des Gewinnspiels richtig beantwortet hatten und von der Glücksfee ausgewählt worden waren.

Während die beiden sich aufs Zuhören beschränkten, ging es einer beachtlichen Zahl junger Musiker um mehr. Sie wollten mitspielen, hatten dazu im Netz Noten heruntergeladen und zuhause geübt. Blockflöten- und Klarinettenspieler, viele Streicher, darunter Schüler der Streicherklasse des Gymnasiums Am Kothen, nahmen auf den Stühlen der Musiker Platz und spielten „Der Mond ist aufgegangen“. Unterstützt wurden sie natürlich durch die Sinfoniker und das Publikum, das „das Instrument bediente, das jeder hat, die Stimme“, warb Moderator Christian Schruff.

Während Wolfram-Maria Märtig erstmals ein Mitspielstück dirigierte, führte Musikwissenschaftler Schruff durch sein zweites Familienkonzert in dieser Saison. Er erklärte den kleinen und großen Zuhörern schrittweise das turbulente Verwirrspiel um das zerstrittene Elfenkönigspaar Oberon und Titania, den Elfenboten Puck, die Wunderblume „Liebnurmich“ und diverse Paare, die dank Wunderblume „Vergisswaswar“ und untermalt vom berühmten Hochzeitmarsch am Ende wieder zusammenfinden.

Vier Kameras, deren Aufnahmen live auf eine riesige Leinwand hinter der Bühne projiziert wurden, ermöglichten dabei ungewöhnliche Ansichten - etwa auf die Finger der Musiker oder ins Gesicht des Dirigenten. In Spielpausen wurde Schruffs Erzählung, ebenfalls auf der Leinwand, durch märchenhaft-zarte Bilder von Daniela Drescher aus dem Bilderbuch „Ein Sommernachtraum“ illustriert.

Mit Luftballons und dem Versprechen des Moderators, dass nach diesem happy End der nächste Sommer ohne Sturm, Hagel und Starkregen auskomme, endete ein traumhafter Vormittag.

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