Else Lasker-Schüler: Von der Heydt-Museum Wuppertal zeigt Ausstellung

Von der Heydt-Museum Wuppertal : Hochgeachtet und verfolgt - Else Lasker-Schüler war eine zentrale Vertreterin der Avantgarde

Das Von der Heydt-Museum zeigt erstmals eine Ausstellung über Else Lasker-Schüler, die vor 150 Jahren in Elberfeld das Licht der Welt erblickte.

Sie war eine komplexe Persönlichkeit, deren (bekannteres) dichterisches und bildnerisches Werk untrennbar miteinander und mit ihrem Leben verbunden war. Else Lasker-Schüler (ELS), die vor 150 Jahren in Elberfeld geboren wurde und die als hochgeachtete wie verfolgte Künstlerin 1945 in Jerusalem einsam starb, steht ab Sonntag, 6. Oktober, im Mittelpunkt der Ausstellung „Prinz Jussuf von Theben und die Avantgarde“.

Das Wuppertaler Von der Heydt-Museum zeigt das Wunderkind, das zur Außenseiterin wurde, im Kontext ihrer künstlerischen Zeitgenossen, was neu und „einfach mal nötig ist“, erklärt die kommissarische Museumsleiterin und Kuratorin Antje Birthälmer.

Das Von der Heydt-Museum ist eine altehrwürdige Einrichtung, die schon viele Ausstellungen erlebt hat. Dennoch widmet sie sich erstmals der Elberfelder Tochter, so Birthälmer, zeigt etwa 70 Zeichnungen von ihr, eine Auswahl ihrer literarischen Werke und holt jede Menge Kunstwerke zeitgenössischer Künstler dazu, die zeigen, dass ELS anerkanntes wie führendes Mitglied in der Kunstszene ihrer Zeit war.

Else Lasker-Schüler. Foto: Else Lasker-Schüler Gesellschaft

Eine Netzwerkerin, die mit Künstlern wie Edvard Munch, Oskar Kokoschka, Otto Dix, Franz Marc oder Gottfried Benn befreundet war, die von Kunsthändlern wie Alfred Flechtheim und Paul Cassirer geschätzt wurde. Die noch 1932 mit dem Kleist-Preis geehrt wurde, bevor die selbstbewusste und eigenwillige Frau, die auch jüdische Wurzeln hatte, vor den Nationalsozialisten in die Schweiz fliehen musste.

Else Lasker-Schüler wurde am 11. Februar 1869 als Tochter des Kaufmanns und späteren Privatbankiers Aron Schüler und seiner Frau Jeanette Schüler geboren. Sie war zweimal verheiratet, mit dem Arzt Jonathan Berthold Lasker und später mit dem Komponisten Herwarth Walden. Ihr Sohn Paul kam 1899 unehelich zur Welt, sein früher Tod 1927 löste eine schwere Lebenskrise aus.

Kuratorin Antje Birthälmer, vor dem Bild „Blinder Bettler im Café“ von Josef Scharl, der wohl Else Lasker-Schüler ins Zentrum malte. Foto: Fries, Stefan (fri)

Ihr Lebensweg führte sie von Elberfeld nach Berlin, in die Schweiz und schließlich nach Palästina. Vor allem durch ihre Gedichte und Theaterstücke wurde sie im frühen 20. Jahrhundert zur führenden deutschen Expressionistin.

Das Von der Heydt-Museum zeichnet ihren Lebensweg in den acht Räumen des ersten Obergeschosses nach. Eine detail- und kenntnisreiche Ausstellung, die den genauen Blick auf feine Zeichnungen, seltene Fotoaufnahmen, in Vitrinen lagernde Buchseiten erfordert. Ein Blick, der sich lohnt, aber durch die Abhängigkeit vom meist schwachen künstlichen Licht nicht immer leicht fällt – Tribut an die lichtempfindlichen Leihgaben.

Nur selten finden sich großformatige und farbenfrohe Bilder mit breitem Pinselstrich. Darunter übrigens einige Porträts von ELS, etwa das der lesenden Künstlerin von Karl Schmidt-Rottluff oder das der Dichterin von Christian Rohlfs.

Die chronologisch vorgestellten Etappen beginnen mit ihrer Zeit in Elberfeld, zeigen sie als Königin der Berliner Bohème, ihre enge Freundschaft mit Franz Marc, die einen zauberhaft illustrierten Postkartenwechsel hervorbrachte, ihre Bedeutung in „Sturm“, „Brücke“ und „Blauer Reiter“ oder erinnern an die Münchener Kunstauktion, mit der ihr ihre Freunde 1913 helfen wollten.

Mit den Verlusten des Ersten Weltkriegs und dem heraufziehenden Nationalsozialismus einher ging die zunehmende Beschäftigung mit der Traumwelt Theben, der Heimat ihres Alter Ego, des Prinzen Jussuf. In der Faszination des Orients wie in ihrer weltoffenen Haltung und Suche nach einem erneuerten Menschenbild war Lasker-Schüler mit der Avantgarde vereint.