Diskussion über Café Cosa: „Es kann jedem passieren, dass er abrutscht“

Wuppertal : „Es kann jedem passieren, dass er abrutscht“

Die SPD initiierte eine Diskussion über das Café Cosa und die Frage, wie eine Gesellschaft mit Schwachen umgeht.

Die Fragestellung des Abends wirkt etwas verquer und ein wenig akademisch: „Wie gehen wir mit Menschen um, die zwar mitten unter uns leben und denen wir alltäglich begegnen, denen wir aber lieber aus dem Weg gehen?“ Unter diesem Motto hatte die Wuppertaler SPD am Dienstagabend zu einer Diskussionsrunde in die evangelische City-Kirche eingeladen. Im Kern ging es dabei freilich um etwas sehr Konkretes – nämlich die Frage, wo suchtkranke Menschen in Wuppertal eine Anlaufstation finden und was der Gesellschaft und jedem einzelnen der Umgang mit diesen Menschen bedeutet.

Vier Teilnehmer fanden sich zu der Gesprächsrunde ein: Die Superintendentin des Wuppertaler Kirchenkreises, Ilka Federschmidt, der Leiter des städtischen Sozialamtes, Michael Lehnen, die Geschäftsführerin der Diakonie Wuppertal – Soziale Teilhabe GmbH, Mirjam Michalski, und der Geschäftsführer des Freundes- und Förderkreises Suchtkrankenhilfe, Garry Kasper. Moderiert wurde der Abend von dem Bildungsbeauftragten der Wuppertaler SPD, Julian Liebner.

Hintergrund war die Diskussion um das „Café Cosa“ und seine Nutzer, die im vergangenen Jahr entbrannt war. Nach dem Auszug aus dem Köbo-Haus und der vorübergehenden Unterbringung am Kirchplatz hatte es Beschwerden von Anwohnern und Passanten wegen Belästigungen durch mutmaßliche Besucher des Cafés gegeben. Als Zwischenlösung ist die Anlaufstelle für Suchtkranke derzeit in der Friedrich-Engels-Allee 122 untergebracht. Das sei allerdings deutlich zu weit – fast zwei Kilometer - vom Hauptbahnhof und den bisherigen Anlaufstellen für Suchtkranke entfernt, bedauerte Kasper. Das „Café Cosa“ in seiner bisherigen Form gebe es derzeit nicht mehr. Durch den Umzug kämen 90 Prozent der Besucher nicht mehr. Derzeit diene der Standort vornehmlich als Arbeitsbeschaffungsmaßnahme und Qualifizierungsmaßnahme.

Er freue sich jetzt auf den neuen Standort im Wupperpark Ost und „fiebere“ der Eröffnung entgegen, erklärte Kasper. Das eine Anlaufstelle für Suchtkranke am Döppersberg - diesem zentralen Ort der Stadt – entstehe, sei „ein Zeichen, an dem sich andere Städte ein Beispiel nehmen können“. Während andere Kommunen Suchtkranke aus den Innenstädten vertrieben, werde ihnen in Wuppertal ein Neubau geboten.

Auch der sozialpolitische Sprecher der SPD-Stadtratsfraktion, Thomas Kring, lobte die Pläne zum Bau des „Café Cosa“ im Wupperpark. Das sei ein „wertschätzender Neubau“, erklärte er aus den Reihen des Publikums. Die Stadt könne „stolz darauf sein, dass wir so mit unseren Menschen umgehen“. Als „idealen Standort“ bezeichnete auch Jürgen Heimchen von der Elterninitiative für akzeptierende Drogenarbeit die Festlegung auf den Wupperpark. Die Suchtkranken erführen damit eine „Wertschätzung“, die für sie wichtig sei.

Bei allem Verständnis für die Nöte der Suchtkranken erinnerte Sozialamtsleiter Lehnen aber auch daran, dass sich alle Menschen, die sich in der Innenstadt aufhielten, an die Regeln des sozialen Zusammenlebens halten müssten. 95 Prozent der Nutzer der Innenstadt seien normale Passanten, etwa fünf Prozent würden als „Störer“ empfunden.

Dass Suchtkranke sich ihr Schicksal nicht freiwillig ausgesucht haben, daran erinnerte Diakonie-Geschäftsführerin Michalski: „Es kann jedem von uns passieren, dass er abrutscht!“ Deshalb sei es wichtig, sich bei der Begegnung mit Menschen, die eben nicht der sozialen Norm entsprechen, auf diese einzulassen und sie „wahrzunehmen“.

Dafür sprach sich auch Superintendentin Federschmidt aus. Gleichwohl zeigte sie Verständnis dafür, wenn Anwohner Probleme mit dem Verhalten mancher Suchtkranker hätten. Das Einlassen auf diese Menschen und deren Probleme seien „ein Kraftakt“, der nötig sei. Vor dem Hintergrund des Aufkommens populistischer Parteien und Bewegungen in der Gesellschaft warnte Diakonie-Vertreterin Michalski davor, dass die Ausgrenzung bestimmter Bevölkerungsgruppen nicht noch weiter vorangetrieben werden dürfe.

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