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Der Wuppertaler Großmarkt ist im Wandel - Händler bangen um Existenz

Großmarkt : Der Großmarkt ist im Wandel

Die Firma Jenniges will sich vergrößern und neue Arbeitsplätze schaffen. Was auf der einen Seite eine gute Nachricht für die Stadt ist, führt bei bisherigen Mietern zu Sorgen.

Früher einmal herrschte reges Treiben auf dem Großmarkt in der Varresbeck. In den frühen Morgenstunden kamen die Besitzer kleiner Obst- und Gemüseläden aus dem ganzen Stadtgebiet, um sich für den Tag einzudecken. Dann verdrängten Supermärkte immer stärker die kleinen, inhabergeführten Geschäfte. Damit schrumpfte auch der Großmarkt immer mehr. Einer jedoch schaffte es, einen großen Discounter zu beliefern: Während viele andere Großmarkthändler im Laufe der Jahre aufgaben, wuchs die Firma Josef Jenniges stetig. Irgendwann kaufte Jenniges auch das Gelände des Großmarktes von der Stadt. Die anderen Großmarkthändler sind seither seine Mieter.

Jetzt braucht Jenniges jedoch wieder mehr Platz. Obwohl er schon 2008 und 2017 die Hallenfläche erweitert hat, wird sie wieder zu knapp. Deshalb hat er Ende Juni den verbliebenen drei Großhändlern mitgeteilt, dass ihr Jahresvertrag zum Ende des Jahres nicht verlängert wird. Ayber Cebba, Chef von Fresh & Cash, ist entsetzt: „Wenn ich das vorher gewusst hätte, hätte ich das gar nicht gemacht!“ Mühsam hat er sich sein Geschäft mit dem günstigen Aufkauf von Restposten an Obst und Gemüse und deren Weiterverkauf aufgebaut, jetzt läuft es allmählich gut. Sechs fest angestellte Mitarbeiter beschäftigt er inzwischen. „Mir geht es um meine Angestellten – die haben ja alle Familie“, sagt Ayber Cebba verzweifelt. „Ich gucke mir jeden Tag eine Halle an – aber entweder sind sie zu groß oder ich bekomme keine Genehmigung für Nachtarbeit.“ Sein Hauptgeschäft findet nun einmal nachts statt. Ab etwa ein Uhr kommen Lastwagen voller Früchte aus allen Himmelsrichtungen an, müssen entladen werden. Ein paar Stunden später fahren dann die Einzelhändler aus Wuppertal, aber auch den Nachbarstädten vor.

Privatgelände: Der Stadt
sind die Hände gebunden

Deshalb ist die Lage des Großmarktes zentral in Elberfeld, direkt an der Autobahnausfahrt Varresbeck ideal für Fresh & Cash. 70 Prozent seiner Kunden kommen aus Wuppertal. Ein Umzug etwa zum Düsseldorfer Großmarkt kommt für ihn nicht in Frage. Allmählich wird für Ayber Cebba die Zeit knapp: Mit der Halle alleine ist es ja nicht getan – er muss auch große Kühlräume für empfindliches Gemüse oder Obst einbauen. Mindestens 1000 Quadratmeter Fläche benötigt der Großhändler für sein Geschäft. Er hat nun Angst um seine Existenz: „Ich habe investiert, gerade erst neue Lkw gekauft“, erzählt er. Eigentlich hat er sich Hilfe von der Stadt Wuppertal erhofft. „Wir fühlen uns von der Stadt vernachlässigt!“

Der Stadt sind jedoch die Hände gebunden – schließlich handelt es sich um Privatgelände. „Wir würden uns natürlich freuen, wenn die Großhändler in Wuppertal blieben. Aber der Großmarkt hat nicht mehr die Bedeutung für Wuppertal, die er früher hatte“, sagt Stadtsprecher Thomas Eiting. „Und wenn ein Unternehmen mehr Fläche braucht und neue Arbeitsplätze schafft, ist das natürlich auch schön.“ Die Wirtschaftsförderung versucht, Ayber Cebba bei seiner Suche zu unterstützen.

Allerdings hatte Jenniges all die Jahre den anderen Großmarkthändlern sehr faire Konditionen geboten. „Wir haben seit 20 Jahren die Preise nicht erhöht, die stammen noch aus D-Mark-Zeiten“, erzählt Geschäftsführer Christian Treutler. Eine Gewerbehalle zu solchen Preisen ist vermutlich heute schwer zu finden. „Uns tut es auch leid, dass wir den Händlern kündigen müssen – aber wir brauchen die Fläche“, sagt Christian Treutler. Er muss die Bedürfnisse seiner Kunden erfüllen. Gleichzeitig steigt die Zahl seiner Arbeitsplätze stetig. Derzeit beschäftigt Jenniges 135 Mitarbeiter. Bei ihm herrscht auch heute noch reges Treiben.