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Kai Angermann aus Wuppertal ist der Mann für improvisierte Töne

Konzert in der Elbphilharmonie : Kai Angermann ist ein Mann für die improvisierten Töne

Der Wuppertaler unterrichtet Schlagzeug an der Bergischen Musikschule. Auch als Musiker ist er gefragt. Zuletzt spielte er in der Elbphilharmonie.

Die Elbphilharmonie in Hamburg wurde Mitte August zum Schauplatz eines denkwürdigen Duo-Abends des Schlagzeugers Kai Angermann und des Komponisten und Pianisten Volker Bertelmann, besser bekannt unter dem Künstlernamen „Hauschka“. Die beiden Musiker improvisierten zur ursprünglichen Stummfilmvertonung „Vampyr – Der Traum des Allan Gray“ vor leeren Rängen – die Zuschauer kamen auf einer großen Leinwand außerhalb des Konzertsaals in den Genuss, den Klängen zu lauschen.

„Es war ein schöner Sommerabend, die Stimmung war sehr intim und heimelig und die Menschen haben uns beim Alleinsein zugeschaut“, erinnert sich Angermann, der als Dozent an der Bergischen Musikschule in Wuppertal Schlagzeug unterrichtet.

Mit Volker, wie er ihn nennt, sei er musikalisch bereits während des Schlagzeugstudiums an der Wuppertaler Musikhochschule auf einer Ebene gewesen. „Wir waren exotischer als unsere uns belächelnden Kommilitonen, haben immer herumexperimentiert und da schon in Richtung Film und Bilder gedacht“, beschreibt Schlagzeuger Angermann die Zeit Anfang der 2000er Jahre. In dieser Zeit habe er am Ölberg gelebt und sei natürlich häufig im „Ort“ gewesen und habe seine ersten Improvisationen mit der Violinistin Gunda Gottschalk, dem Trompeter Justin Sebastian, dem Pina-Bausch-Tänzer und Choreographen Geraldo Si oder Peter Brötzmann performt. Das Wuppertaler Improvisations Orchester sei damals gerade gegründet worden.

„Ich kam aus Düsseldorf, wo es das Kunstzimmer und den Salon des Amateurs gab und habe gleich gemerkt, dass der Austausch in Wuppertal viel offener war“, sagt Angermann, der den atonalen Akzent von Wuppertal präferiert. Sein Schlagzeugspiel erweiterte er sukzessive, etwa um Elektronik, Vibraphon oder Effekt-Percussion – Donnerblech, Topfdeckel, Keksdosen oder Steinchen gehören ebenso zu seinem „Arbeitsmaterial“. „Ich bin immer auf der Suche nach neuen Klangmöglichkeiten, präpariere mein Vibraphon mit Ketten oder Folie, arbeite mit kleinen Motoren, die ich über einen Midi-Anschluss ansteuern kann und baue auch Modular-Synthesizer mit ein“, erzählt Angermann begeistert.

Vor einigen Jahren habe er mit Markus Stockhausen ein Improvisationskonzert in der Wuppertaler Citykirche gespielt – experimentelle Musik, wie er selbst die Stilrichtung beschreibt. Kürzlich beim „New Fall Festival“ im Düsseldorfer Ehrenhof spielte er, ebenso wie über die Bergische Musikschule bei der „Singpause“ in der Stadthalle oder beim von Uli Rasch initiierten „Auto-Kino-Konzert“ als Gastmusiker. Daneben wirkt Angermann in festen Ensembles mit, wie etwa bei „Insa Donja Kai“, gemeinsam mit zwei Cellistinnen, im Duo mit Konrad Kraft unter dem Namen Angermann/Kraft, sowie bei „Raum 3 +“ mit Matthias Goebel am Klavier.

Demnächst wird er am 10. Oktober mit der Band „Rhein“ um den ehemaligen „Can“-Sänger Damo Suzuki im „Weltkunstzimmer in Düsseldorf zu sehen sein. Seit rund 15 Jahren ist er freier Mitarbeiter bei der Bergischen Musikschule in Wuppertal und Heiligenhaus und betreut die Schlagzeuger im Orchester. „Ich möchte in einer Zeit, in der wegen der Corona-Pandemie alles eingeschlafen zu sein scheint, den Musikschülern zeigen, dass es weitergeht“, sieht Kai Angermann positiv in die Zukunft.