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Wuppertal: Beim Mammutmarsch an die eigenen Grenzen gegangen

850 Extremwanderer gingen beim Mammutmarsch NRW an den Start, 366 erreichten nach 100 Kilometern das Ziel : An die eigenen Grenzen gehen

850 Extremwanderer gingen beim Mammutmarsch NRW in Wuppertal an den Start, 366 erreichten nach 100 Kilometern das Ziel.

Sein Name scheint irgendwie Programm. Doch auch Jörg Stahl bekannte nach 100 Kilometern am Sonntag nach seiner Ankunft am Nordbahntrassen-Bahnhof Wichlinghausen: „Den, dem unterwegs nichts weh tut, gibt es nicht.“ An die eigenen Grenzen gehen war auch beim vierten Mammutmarsch NRW am Wochenende angesagt. Das taten unter Coronaschutzbedingungen mit 850 Teilnehmern zwar deutlich weniger als 2019, als sich 1712 Extremwanderer der Herausforderung gestellt hatten, dafür lag die Finisherquote mit 42 Prozent aber um zehn Prozent höher. 364 schafften die mit 2200 Höhenmetern gespickte Runde vom Bahnhof Wichlinghausen über Gevelsberg und das Ruhrtal zurück zum Ausgangsort, die Ultra Spezialist Jörg König, der schon an vielen solcher Veranstaltungen teilgenommen hat, als „härtesten 100er überhaupt“ bezeichnete. Auch vom „Endgegner“ war unter den Startern die Rede.

Der erste war morgens um 4.30 Uhr nach vierzehneinhalb Stunden im Ziel gewesen, der letzte bekam auch abends um 18.45 Uhr noch einen warmen Applaus.

An der herzlichen Atmosphäre änderte auch das Coronaschutzkonzept nichts, das die Veranstaltung überhaupt genehmigungsfähig gemacht hatte. Die obligatorische Umarmung im Ziel fiel zwar weg, bis zum Start, der diesmal in sechs Abteilungen und mit Abstand erfolgte, musste Maske getragen werden, doch die Kommunikation untereinander war wieder wichtiger Bestandteil. „Das hilft dir unterwegs ungemein“, berichtete der Sauerländer Jörg Stahl, der sich nach dem Start mit Anja Korte aus Meerbusch und Philipp Görke aus Haan zusammengefunden hatte, weil es einfach passte. Bis Kilometer 80 blieb das Trio zusammen, quatschte viel und half sich vor allem durch die Nacht, in der „die Motivation ansonsten schnell runtergeht“, wie es Görke formulierte. Für ihn war es bereits die dritte Teilnahme in Wuppertal, für Stahl die zweite.

Anja Korte läuft sonst Marathon. „Da ist aber in diesem Jahr alles abgesagt worden, insofern war ich froh, dass der Mammutmarsch stattfand und habe mich kurzfristig zur Teilnahme entschieden“, sagte sie im Ziel zufrieden, auch wenn das Aufstehen für ein gemeinsames Foto schwer fiel. Manche liefen noch euphorisch über die Ziellinie, andere sanken gleich dahinter erst einmal zu Boden - doch die Nachwirkungen spürten sie alle, trotz allen Adrenalins, das durch die Adern floss und Müdigkeit und Schmerz noch kurzfristig unterdrückte.

Philipp Görke fand es im Nachhinein mutig, dass er sich für den nächsten Tag nicht frei genommen hatte. „Meine lieben Kollegen haben schon angekündigt, dass sie mich herumscheuchen wollen“, sagte der 25-jährige Zahntechniker. Auf die Zähne beißen musste er am Wochenende oft. Nach dem letzten Verpflegungspunkt trennte sich Jörg Stahl dann von ihm und Anja Korte, um sein Ziel, unter 20 Stunden zu bleiben, noch erreichen können. In der Tat war er nach 19:50 Stunden im Ziel. Görke und Korte kamen eine Stunde später an, und gemeinsam saß das Trio mit Begleitung noch länger beieinander. Anja Korte war von ihrem Freund, der auch unterwegs immer mal wieder mit Energieriegeln aufgetaucht war, mit Rosen begrüßt worden. Stahl wurde von einem Laufkumpel abgeholt, der den Marsch wegen Achillessehnenproblemen nicht hatte mitmachen können.

Neben Fußpflege mit Blasenpflastern und trockenen Socken war Nahrungsaufnahme unterwegs für alle ein großes Thema gewesen. Der Proviant an den vier Verpflegungspunkten wurde durchweg gelobt. Vor allem die „leckere Kürbissuppe“ an Punkt drei. Während andere längere Pausen einlegten, waren Stahl, Korte und Görke lieber in Bewegung geblieben. „Dann wieder loszugehen ist nämlich schwer“, empfand Anja Korte.

Eines stand übrigens für den Veranstalter bereits am Sonntagabend fest. Auch im nächsten Jahr soll es den Mammutmarsch NRW mit Start und Ziel in Wuppertal geben. Den „Endgegner“, wie er seit diesem Jahr heißt.