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Osterholz Haan: Warum Kalkwerke Oetelshofen ihre Abraumhalde erweitern

Haan : „Erweiterung verlängert Lebenszeit der Firma“

Am 22. September ist der Erörterungstermin für die geplante Erweiterung der Kalkwerke Oetelshofen. Assistent der Geschäftsführung und Prokurist Till Iseke spricht über die Pläne, Naturschutz und seinen Umgang mit Kritikern.

Können Sie Ihre Pläne für den Ausbau der Kalkwerke erläutern?

Till Iseke: Wir planen eine Haldenerweiterung für den Abraum, der in der Produktion anfällt, also für Lehm, Sand, Ton und Steine. Das ist Abfall, aber mineralischer Abfall ohne Zusätze. Wir sprechen von zwei Millionen Kubikmetern.

Warum brauchen Sie die ­Erweiterung, die nicht ­geplant war?

Iseke: An einer Stelle, an der wir Kalk abbauen, war die Qualität nicht so, wie wir es erwartet haben. Das hat unsere Kalkulation durcheinander gebracht. „Vor der Hacke ist es duster“, lautet ein Sprichwort aus dem Bergbau. Heißt: Wir wissen vorher nie ganz genau, auf welche Zustände wir im Steinbruch stoßen. Im Verhältnis zur Kalkmenge gibt es an besagter Stelle sehr viel Lehm, sodass die Abraum­menge steigt.

Eine Innenverkippung, bei der der Abraum wieder in die Grube geschüttet wird, ist nicht möglich?

Iseke: Doch, aber das ist eine endgültige Lösung und erst denkbar, wenn eine Grube ausgesteint ist. Bis dahin haben wir hoffentlich noch 20 bis 30 Jahre vor uns, in denen wir abbauen können. Kalk ist seit Jahrtausenden ein sehr wertvoller Rohstoff – den zuzuschütten, wäre schade. Und es geht auch um Arbeitsplätze: Wir haben rund 100 Mitarbeiter. Eine Erweiterung verlängert definitiv die Lebenszeit des Steinbruchs und damit auch die der Firma.

Für die ­Haldenerweiterung müssen Bäume ­gefällt ­werden, was viele ­Gegner auf den Plan ruft. Wie ­stehen Sie zu ihnen?

Iseke: Ich finde es sehr gut, wenn Menschen sich intensiv mit Themen auseinandersetzen. Das gibt es heute viel zu wenig. Aber: Man muss sachlich und korrekt bleiben. Ich gehe immer freundlich und sachlich auf jeden zu, auch, wenn er anderer Meinung ist. Schade finde ich, wenn scharf gegen unsere Familie geschossen wird. Man sollte sich nicht auf Differenzen konzentrieren, sondern auch gemeinsame Ziele verfolgen. Bei unserer Waldwässerung kann man zusammen Gutes tun.

Was genau ist das?

Iseke: Wir möchten den Wald aktiv unterstützten. Leider ist er sehr trocken, weil es in den vergangenen beiden Jahren zu wenig geregnet hat. Mit dem Grundwasser, das wir abpumpen, hat diese Trockenheit nichts zu tun. Die Grundwasser führenden Schichten befinden sich 20 bis 30 Meter unter dem Waldboden, sodass das Wurzelwerk dieses ohnehin nicht erreicht. Das hat uns das Forstamt bestätigt, und es ist auch daran zu sehen, dass wir hier bereits seit Jahrzehnten abpumpen, ohne dass die Bäume trocken waren. Unsere Wässerung ist also ein Zugewinn für den Wald.

Was machen Sie noch für die Natur?

Iseke: 100 Hektar des Osterholzes bewirtschaften wir naturnah, das heißt, wir verzichten auf Kahlschlag und nehmen, wenn es notwendig ist, lediglich einzelne Bäume raus. Manchmal müssen wir uns dafür Kritik anhören, weil es unaufgeräumt wirke. Aber das ist in der Natur nun einmal so. Unser Steinbruch beherbergt darüber hinaus viele seltene Tierarten, weil hier mit den steilen Felswänden Formationen vorkommen, die es sonst kaum noch gibt. Bei den Uhus hatten wir letztes Jahr zwei Junge, außerdem gibt es Schwalben, Flussregenpfeifer, Kröten, Kolkraben und Rotmilane. Und – auch wenn es zunächst paradox klingt – nutzen Wildtiere wie Rehe das Gelände als Rückzugsort, da es umzäunt ist und keine Spaziergänger oder Hunde kommen. An unsere Maschinen haben die Tiere sich gewöhnt.

Es heißt, Ihr Unternehmen hätte bereits 300 Hektar ­Buchen abgeholzt.

Iseke: Wir haben im Jahr 2016 Bäume gefällt, die genannte Größenordnung ist allerdings überhaupt nicht korrekt. Unser gesamtes Haldengelände hat weniger als 100 Hektar, das gesamte Osterholz 200 Hektar. Es waren damals drei Hektar Wald.

Wie ist der Stand der ­Dinge in dem Verfahren zur ­Haldenerweiterung?

Iseke: Für solch umfangreiche Vorhaben gibt es Planfeststellungsverfahren, bei denen alle Beteiligten zusammenkommen: Die Bezirksregierung, die Städte Wuppertal und Haan, wir als Antragsteller, Gutachter, der Natur- und Landschaftsschutz und auch die ehrenamtlichen Naturschützer. Das Verfahren läuft seit etwa vier Jahren. Corona-bedingt musste der für dieses Frühjahr geplante Erörterungstermin, bei dem Einwände gegen das Vorhaben eingebracht werden können, verschoben werden. Er soll aber am 22. September in der Uni-Halle in Wuppertal mit ausreichend Abstand stattfinden.

Sie selbst sind mit dem Wald aufgewachsen?

Iseke: Ja. Deshalb liegt mir der Wald auch sehr am Herzen, unserer ganzen Familie. Wir wohnen alle im Umkreis weniger Kilometer um den Bauernhof unserer Vorfahren. Bewusst leben wir zum Beispiel nicht in Düsseldorf oder anderswo, sondern hier mitten im Ort. Mit ihm, seiner Natur und seinen Menschen sind wir verwurzelt.