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Das Wuppertaler Bandwebermuseum startet an neuer Stätte durch

Industriegeschichte : Neustart für das Bandwebermuseum

Am Samstag und Sonntag öffnet das Haus erstmals seit Juni - im Goldzackgebäude an Nordbahntrasse und Wiesenstraße.

In diesem Museum kann es laut werden. So laut, dass man sein eigenes Wort nicht versteht. Wenn der Jacquardwebstuhl anfängt, sich zu bewegen, kann man als Besucher schon mal zusammenzucken. Im Moment läuft die Maschine ab und an im Bandwebermuseum. Denn das wird gerade eingerichtet im Goldzack-Gebäude an der Wiesenstraße 118. Am Samstag und Sonntag, 25. und 26. Januar, wird es eröffnet. Danach laufen die Maschinen nur noch ganz selten und kurz, zu Demonstrationszwecken.

Seit 1989 war das Museum Teil der Friedrich-Bayer-Realschule, musste aus Platznot umziehen. Aber das sorgt bei Irmlind Pesch, der Vorsitzenden des Fördervereins, und Margarete Kaiser (Schriftführerin) nicht für lange Gesichter.

Im Gegenteil. Pesch betont, wie gut sie es findet, dass das Museum jetzt in einem passenden historischen Ort wie der Goldzackfabrik eine Heimat gefunden hat. Die Textilindustrie hätte doch Wuppertal zu dem gemacht, was es ist. Der frühere Reichtum, die Häuser, die Parks. „Das hat das Stadtbild geprägt“, fasst Kaiser zusammen. Für beide ist es deshalb nur richtig, das Museum an diesem Ort zu führen.

Zur Eröffnung gibt es
neue Ausstellungsstücke

Die alten Maschinen werden natürlich auch am neuen Standort des Museums ausgestellt. Foto: Fries, Stefan (fri)

Das Bandwebermuseum wartet zum Neustart mit neuen Ausstellungsstücken auf. Auch solchen, die den Bezug zum Standort lebendig machen. So gibt es zwei Modelle, die zum 100-jährigen Bestehen der Firma Goldzack 1968 gefertigt wurden – einen kleinen Webstuhl und eine Barmer Flechtmaschine. Beide kaum größer als ein Puppenhaus, aber funktionstüchtig. Die Webmaschine hat sogar einen goldenen Faden, der die goldenen Zacken der Firma einwebt.

Während Pesch und Kaiser stolz die neuen Räume zeigen, wird noch gebohrt, platziert, eingerichtet. Die Arbeit ist voll im Gange. Die Vitrinen sind nur teilweise bestückt, teilweise noch abgehangen. Auf einer liegen Schilder, die den Weg zur Garderobe zeigen werden. Alles liegt in den letzten Zügen.

Unter den Helfern ist Thomas Kramm, Textilmaschinenführer. Er will am Wochenende zur Eröffnung helfen, die Maschinen vorzuführen. Er stellt sich an den Nadelwebautomaten – im Gegensatz zum Jacquard-Webstuhl eine moderne Maschine – und erklärt, wie der Faden geführt wird. Und was die moderne Maschine anders macht, als die alten Webstühle. Denn die Bänder aus den Maschinen haben beidseitig gewebte Kanten, die moderne Maschine häkelt das eine Ende nur. Kramm wird am Wochenende da sein und die Technik erklären.

Die Details füllen
das Museum mit Leben

Kaiser und Pesch sind auch im Thema nach 30 Jahren Beschäftigung mit der Materie. In der Halle, die das Museum jetzt füllt, wurde ein Kubus eingebaut, der eine alte Hausweberei beinhaltet – wie in der Realschule auch. Dort steht der Webstuhl, den die Schule Ende der 1980er Jahre angeboten bekommen hat – aus der Hausweberei Wagner aus Ronsdorf. Er ist das Herzstück der Ausstellung. Mit ihm ging alles los. An ihm hängt noch die Wurstpelle, die das letzte Produkt war, das damals mit dem Webstuhl hergestellt wurde. Ein Foto von 1907 zeigt die Männer, die den Webstuhl hergestellt haben.

Die Details füllen den Raum mit Leben, eigentlich die ganze Ausstellung. Die Hausweberei ist voll eingerichtet – mit Geschirr und Ofen, mit historischer Mausefalle und Schafsglocken. „Die Hausweberei kommt aus der bäuerlichen Tätigkeit“, erklärt Pesch. Im Winter war nicht viel zu tun, da hat man sich einen Nebenzweig aufgebaut.

In dem Museum ist noch ein wenig zu tun. Aber bis Samstag wird alles fertig. Dann öffnet das Museum erstmals nach dem 13. Juni. Um 11 Uhr geht’s los für geladene Gäste.

Samstag und Sonntag öffnet das Bandwebermuseum, Wiesenstraße 118, von 13 bis 16 Uhr. Danach donnerstags, 15 bis 17 Uhr und nach Vereinbarung (0202/563 7442).