„Big Boy“: Reue und Angst vor dem angeblichen Boss

„Big Boy“: Reue und Angst vor dem angeblichen Boss

Mario F. (32) streitet ab, der Chef der Räuberbande gewesen zu sein. Er belastet Ex-WSV-Kicker K.-R. (22) und einen früheren Trainer (40) der WSV-Jugend.

Wuppertal. Der Strafprozess gegen acht Männer — darunter der frühere WSV-Kicker Daniel K.-R. (22), ein früherer WSV-Jugendtrainer (40) und Pizzeriabetreiber, die beiden früheren Leiter des Hornbach-Baumarkts auf Lichtscheid — wegen einer Serie von Raubüberfällen, sorgt weiter für großes öffentliches Interesse. Am zweiten Verhandlungstag am Montag war der Schwurgerichtssaal erneut voll besetzt. Kein Wunder: Wie berichtet hatten sieben der acht Angeklagten Geständnisse angekündigt.

Doch ehe es soweit war, gab es eine wichtige Personalie. Der mitangeklagte Ex-Jugendtrainer des WSV war nicht zum Prozess erschienen. Laut Landgericht liegt der 40 Jahre alte Italiener im Krankenhaus. Er wird sich in einem abgetrennten Verfahren verantworten müssen. Trotzdem wurde der 40-Jährige am Montag für knapp zwei Stunden immer wieder erwähnt. Der Grund: Mario F. (32) — laut Staatsanwaltschaft der Boss der Bande — legte zwar ein Geständnis ab. Gleichzeitig stritt er jedoch ab, der Bandenchef gewesen zu sein. Und der 32-Jährige belastete vor allem den früheren WSV-Jugendtrainer. Der ist eigentlich „nur“ wegen Beihilfe beim Überfall auf den Hornbach-Baumarkt angeklagt. Laut Mario F. war er aber auch bei den Überfällen auf eine Geldbotin von S.Oliver in den City-Arkaden und beim Überfall auf die Postfiliale an der Düsseldorfer Straße beteiligt.

Außerdem sei die Pizzeria des 40-Jährigen immer wieder Treffpunkt für Bandenbesprechungen gewesen. Es sei das „Wohnzimmer für alle“ gewesen. Und an den Vorbesprechungen habe der Besitzer auch regelmäßig teilgenommen. Laut Mario F. habe sein Landsmann finanzielle Probleme gehabt — insbesondere sei die Pizzeria wohl nicht so gut gelaufen.

Mario F. gab am Montag zu, mit einem Kiosk am Platz am Kolk gescheitert zu sein. Mehr als 30 000 Euro Schulden hätten sich aufgetürmt. Er sei unmittelbar vor Beginn der Raubserie in Geldnot gewesen. Aber er sagte mehrfach: „Ich bin nicht der sogenannte Bandenboss.“

So sei unter anderem immer wieder der damalige WSV-Spieler K.-R. — bandenintern „Big Boy“ genannt — mit der Idee auf ihn zu gekommen, Geld durch Überfälle zu machen. Schon während der Aussage des F. schüttelte der mittlerweile vom WSV entlassene 22-Jährige — er befindet sich, wie F., in U-Haft — mehrfach den Kopf.

Dann verlas seine Verteidigerin Leonora Holling für ihren Mandanten eine Erklärung. Darin gibt der 22-Jährige die Beteiligung an allen Überfällen zu. Er sei jedoch von Mario F. mehr oder weniger erpresst worden. Der 32-Jährige habe von ihm die Begleichung von Schulden gefordert, die zwei frühere WSV-Mitspieler bei F. gemacht haben sollen. Nur deshalb habe er den Überfall auf die S-Oliver-Geldbotin begangen. Danach habe ihm F. gesagt, jetzt käme er aus der Sache nicht mehr heraus und müsse weitermachen. F. sei dabei mit der Autorität eines Mafiabosses aufgetreten. Außerdem sei K.-R. davon ausgegangen, dass die Überfälle inszeniert und somit gewaltfrei waren. In der von Anwältin Holling verlesenen Erklärung heißt es: „Er schämt sich zutiefst und entschuldigt sich.“

Der Prozess wird am Freitag fortgesetzt.

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