Barmer erforschen das Leben des Barmers

Barmen : Auf den Spuren von Johann Viktor Bredt

Der Barmer macht Karriere bis zum Reichsjustizminister. Einige Historiker wollen mehr herausfinden.

. Ein Grabstein war der Stein des Anstoßes. Den entdeckte Bernd Lamprecht hinter dem Café Komma der Germarker Kirche. Der Stein stand einst auf dem Grab eines Familienmitglieds der Familie Bredt. Und die spielte in der Kirchengemeinde lange eine wichtige Rolle. Ein Familienmitglied erreichte überregionale Bekanntheit: Der Jurist und Politiker Johann Viktor Bredt (1879-1940), der 1930 einige Monate Reichsjustizminister im Kabinett von Reichskanzler Heinrich Brüning war. Mit seiner Biografie beschäftigen sich derzeit eine Gruppe Freiwilliger inklusive einiger Mitglieder des Bergischen Geschichtsvereins, die Bernd Lamprecht mit seiner Neugier angesteckt hat.

Die Vorfahren waren schon lange in der Gemeinde engagiert

Barbara Herfurth gehört dazu. Die Kirchenhistorikerin betreut die Ausstellung zur Barmer Theologischen Erklärung in der Gemeinde Gemarke-Wupperfeld. Ihr historisches Interesse war geweckt, als Bernd Lamprecht sie und Pfarrerin Martina Köster-Schneider ansprach. „Das war im Café, beim Kaffee“, erinnert sie sich.

Bernd Lamprecht, der schon die Spee-Akademie mit Bildungsangeboten für Menschen im Ruhestand mitgegründet hat und die Woche des Bürgerschaftlichen Engagements nach Wuppertal brachte, hat auch das Forschungsprojekt zu Johann Viktor Bredt initiiert. „Er ist eine bedeutende Person aus Barmen“, erklärt er sein Interesse. „Heute weiß das keiner mehr.“ Das will er ändern.

Barbara Herfurth sagt, der Name Bredt sei älteren Gemeindemitgliedern durchaus bekannt. Denn Mitglieder der Handels- und Kaufmannsfamilie hätten sich lange in der Gemeinde engagiert: „In den Kirchenbüchern kommt der Name seit 1704 vor. Bredts waren Kirchenälteste, Küster oder Mäzene“, sagt sie. Ein Vorfahre sei bei der Grundsteinlegung der Gemarker Kirche dabei gewesen.

Bernd Lamprecht hat in der Gemeinde, im Bergischen Geschichtsverein und darüber hinaus Mitstreiter gefunden, die sich intensiver mit der Familie und Johann Viktor Bredt beschäftigen wollen. Im Mai trafen sich mehr als 20 Personen im Café Komma, bildeten Teams, die sich jeweils ein Gebiet vorgenommen haben. So will sich Bernd Lamprecht mit der Kindheit und Jugend des Juristen beschäftigen. Barbara Herfurth interessiert sein Verhältnis zur Gemarker Gemeinde. Es gibt ein Team, das seine Militärzeit in den Fokus nimmt, andere befassen sich mit seinem Verhältnis zu Frauen, zur Religion oder seinen rechtlichen Ansichten - Johann Viktor Bredt war Professor für Staats- und Kirchenrecht in Marburg.

Im März 2019 wäre der Jurist
140 Jahre alt geworden

Aufgewachsen ist er in Barmen. Beim Barmer Bankverein machte er eine Banklehre, dann studierte er Volkswirtschaft und Rechtswissenschaft in Tübingen, Göttingen und Bonn. Er schrieb zwei Doktorarbeiten und wurde Verwaltungsbeamter, qualifizierte sich zum Professor und wurde 1910 an die Universität Marburg berufen.

In Marburg war er Stadtverordneter, gleichzeitig Landtagsabgeordneter in Preußen für die Freikonservativen. Nach dem Ersten Weltkrieg gründete er die Reichspartei des deutschen Mittelstandes mit. Für sie saß er erneut im preußischen Landtag, ab 1924 bis 1932 im Reichstag. Unter Reichskanzler Heinrich Brüning wurde er 1930 Reichsjustizminister, trat aber im Dezember 1930 zurück.

Er ist begraben auf dem Friedhof an der Hugostraße. Das Ehrengrab wäre möglicherweise bald eingeebnet worden. Die Gruppe kümmert sich aber jetzt darum, dass es wieder hergerichtet wird. Die Erkenntnisse aus ihren Forschungsbemühungen sollen am Ende veröffentlicht werden. Bernd Lamprecht wünscht sich, dass zum 140. Geburtstag von Johann Viktor Bredt am 2. März 2019 ein entsprechender Flyer fertig ist, der zu Orten in Barmen führt, die mit Bredt verbunden sind. Auch eine Ausstellung zur Person kann er sich für die Zukunft vorstellen.

Mehr von Westdeutsche Zeitung