Orchestermanager des Sinfonieorchesters Wuppertal

Sinfonieorchester : Er will die Wuppertaler stolz auf ihr Orchester machen

Benjamin Reissenberger ist neuer Manager der Sinfoniker. Er will den Ruf der Musiker ihrer Qualität angleichen.

Er stammt aus einer musikalischen Familie, alle drei Geschwister spielen Instrumente, er selbst hervorragend Klarinette – und er hat auch beruflich mit Musik zu tun: Benjamin Reissenberger ist der neue Orchestermanager des Sinfonieorchesters Wuppertal, kümmert sich um sein betriebliches Management und sein künstlerisches Programm. Ziel: Den guten Ruf auf die Qualität anzuheben, die der Klangkörper hat. „Ich möchte, dass die Wuppertaler stolz auf das Orchester sind. Es hat überregionale Bedeutung“, ist Reissenberger überzeugt. Viel zu tun also, da muss das eigene Klarinettenspiel hintenan stehen.

Seit Juni ist Reissenberger in Wuppertal, pendelt täglich zwischen Köln und der Familie mit zwei Kindern (8 und 11 Jahre alt) und seiner neuen Wirkungsstätte hin und her. Sein Büro im zweiten Stock des Musikhauses (hinter der Oper) dominiert ein Schreibpult, weil das rückengerechter ist. Mit einem „tollen Team“ aus sieben Mitarbeitern erledigt er seine Arbeit – durchweg im Stehen. Zum aktuellen Spielplan hat er nur noch wenig beitragen können, der war im Mai schon fertig. Dafür ist er natürlich in die Programme für 2019 bis 2021 involviert – und die entstehen derzeit in Zusammenarbeit mit Generalmusikdirektorin Julia Jones. Ansonsten muss er sich um alles kümmern, was mit den 88 Orchestermusikern zu tun hat, für die er verantwortlich ist, die er repräsentiert. „Ich bin Schlüsselstelle für die Betriebsabläufe, von der Diensteinteilung, über Besetzungsfragen bis hin zum Repertoire.“ Er nimmt an Bauproben in der Oper teil oder vertritt die Generalmusikdirektorin bei einer Sitzung.

Ein großer Anteil der Arbeit gilt der Vermarktung des Orchesters. Bei Gastspielen und Auftritten in der Stadt – ein aktuelles und ein Zukunftsthema, das er in Kooperation mit Kulturinstitutionen und anderen Playern angehen will. Um auch andere Menschen zu erreichen, „dort präsent zu sein, wo die Bevölkerungsgruppen sind, die nicht ohnehin schon zu uns und in die wunderschöne Stadthalle kommen“. Wozu auch ein Programm gehört, das ganz bewusst die musikalischen Interessen der Zielgruppen aufgreift. „Wir hoffen so auf spannende Begegnungen, die das Orchester Stadt und Menschen näher bringt.“ Und letztendlich auch Zuschauerzahlen und Einnahmen erhöht, denn die seien zwar nicht schlecht, aber ausverkauft seien die Konzerte auch nicht unbedingt.

20 Klarinetten aus
verschiedenen Epochen

Der Weg in die Musik begann für Benjamin Reissenberger mit zwölf Jahren, als ihn ein Musiklehrer am Gymnasium in der Südpfalz vom Klarinettenspiel überzeugte, indem er das Instrument als Basis für Saxophon und Big Band anpries. Tatsächlich spielte er später in der Big Band der Schule, nahm auch das intensivere Üben in Kauf, das nötig wurde, als er sich für klassische Musik im Orchester zu interessieren begann. Zielstrebig studierte er nach Abitur und Zivildienst in Graz und Basel Musik (mit Hauptfach Klarinette), erwarb auch einen pädagogischen Abschluss, dem in Essen Musikdiplom und Konzertexamen folgten. Nach einem Orchesterpraktikum beim Sinfonieorchester Osnabrück ging er wieder an die Uni, weil „ich mich damit beschäftigen wollte, wie Komponisten etwas geschrieben haben“. 2014 promovierte er, seine Dissertation „Kammermusikalische Klarinettenwerke von Mozart, Beethoven, Weber, Schumann und Brahms – eine aufführungspraktische Studie“ ist mittlerweile vergriffen. Das Interesse an alten Instrumenten und der zur jeweiligen Zeit passenden Aufführungspraxis blieb. Noch heute spielt Reissenberger, der 20 Klarinetten (aus verschiedenen Epochen) besitzt, in Orchestern, die auf alte Instrumente spezialisiert sind. Ins Berufsleben startete er 2015 bei BASF in Ludwigshafen, wo er als Referent im Kulturmanagement drei Jahre lang klassische Konzerte organisierte. Bis in Wuppertal die Stelle eines Orchestermanagers ausgeschrieben wurde.

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