Uwe Becker: Begrabt mein Herz in Wuppertal

Begrabt mein Herz in Wuppertal : Petition an die Spielzeugindustrie

Von kleinen Teddys, großen Autos und standfesten Giraffen.

Als mein Sohn vor 18 Jahren geboren wurde, durfte ich mich endlich wieder für Kinderspielzeug interessieren. Bei der Niederkunft meines Stammhalters war ich zwar schon in einem Alter, in dem andere bereits an Wochenenden auf ihre Enkelkinder aufpassen mussten, aber mein Spieltrieb war nie erloschen. Mit den Baby-Spielsachen konnte ich natürlich noch nichts anfangen, und ich blieb daher in dieser Zeit nur amüsierter Beobachter. Ich freute mich aber schon auf den Chemiebaukasten, den ich bald erwerben durfte.

Zum Problem wurden die fortlaufend gereichten Geschenke von Großeltern und Tanten. Es erfolgten zwischen den Käufern der Spielzeuge keinerlei Absprachen, die oft nötig gewesen wären. Auch hätte man mich vor dem Kauf zu Rate ziehen können. Im Kinderzimmer meines Sohnes sammelten sich über die Zeit Stofftiere, Autos, Bauklötze und viele andere Dinge in unterschiedlichen Größen. Ich beobachtete meinen Sohn dabei, wie er versuchte seinen großen Teddy-Bär in das Führerhaus seines kleinen Feuerwehrautos zu quetschen. Mein Sohn war zu Recht frustriert. Warum war der Stoffhase, den Tante Marion kaufte, viel größer als der Elefant aus Plastik, den Oma mitgebracht hatte? Wie sollten wir mit solchen Figuren einen realistischen Zoo aufbauen? In der linken Hand hielt mein Sohn die große Kuschel-Katze und in seiner rechten Hand den winzigen Schäferhund von Playmobil.

Mein Sohn konnte nach einer gewissen Zeit mit der Situation umgehen, dass die Spielzeuge manchmal zu groß oder zu klein waren. Ich aber konnte und wollte so nicht spielen. Ich habe dann sehr viel Geld in die Hand genommen und kaufte bei Willy Müller & Söhne ein gerüttelt Maß an gleich großen Plastiktieren der sündhaft teuren Firma Schleich. Damit konnten wir einen wahnsinnig schönen Zoo bauen. Mein Sohn freute sich natürlich sehr und baute aus Holz für alle Tiere Umzäunungen. Als er auch ein Gatter für die riesige Stoffkatze „Eiei“ bauen wollte, war ich zunächst nicht einverstanden. Wir einigten uns darauf, dass es in unserem Zoo ein einziges viel zu großes Tier geben durfte. Mit dem Kompromiss konnte ich leben.

Im Laufe der Zeit hatten wir Oma und Opa, Tante und Onkel so weit im Griff, dass sie nur noch das kauften, was wir ihnen vorher telefonisch mitteilten. Trotzdem kam es leider immer wieder vor, das vereinzelt Spielwaren den Weg in unser Haus fanden, die wir nicht ins Spiel einbeziehen wollten. Ich erinnere mich, dass ich mit meinem Sohn um 2005 herum eine Petition erstellte, in der wir konkrete Forderungen an die Spielzeugindustrie formulierten: Kernforderungen waren, dass im Führerhaus eines Kipplasters nicht nur die männliche Modepuppe Ken, sondern auch ein Spielhase in gleicher Größe Platz findet.

Außerdem sollten Stofftiger nicht unbedingt sechsmal so groß sein wie ein Feuerwehrauto. Es müsste auch dafür Sorge getragen werden, dass Giraffen aus Plastik nicht gleich umfallen, nur weil mein Sohn sie mit seinem kleinen Füßchen leicht angestoßen hatte. Spielzeuggiraffen müssten generell einen stabileren Stand haben. Und am Abend dürften gerne die Verkäuferinnen aus den Spielwarengeschäften bei uns vorbeikommen, um das Kinderzimmer aufzuräumen, da wir nach intensivem Spielen weder physisch noch mental dazu in der Lage waren.

Unsere Forderungen wurden leider nie erfüllt. Irgendwann, als mein Sohn und ich älter waren, spielten wir dann nur noch mit der Playstation. Aber wir haben auch immer viel gelesen, dass ging in dieser Kolumne jetzt leider etwas unter.

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