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Auf Spurensuche in Palästina

Auf Spurensuche in Palästina

Dokumentation: Zwei junge Wuppertalerinnen palästinensischer Herkunft reisten mit der Kamera durch das Westjordanland – und kamen erschüttert nach Hause zurück.

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p class="text"><strong>Wuppertal. Was ist Wahrheit? Diese Frage hat nicht nur Generationen von Philosophen beschäftigt. Diese Frage ist besonders verzwickt, wenn man sich Palästina zuwendet - diesem schmalen Streifen Land, in dem die jahrhundertealten Ansprüche dreier Religionen und die politischen Ansprüche zweier Völker sich zu einem kaum entwirrbaren Geflecht verknüpfen und mit immer neuer Wucht aufeinanderprallen. Noch viel komplizierter wird diese Frage, wenn die eigene Lebens- und die familiäre Leidensgeschichte fest verknüpft sind mit einer Partei dieses blutigen Konfliktes. "Wir wollten ja objektiv bleiben", blickt Nuhr Elabbas auf den Anfang ihrer Reise zurück. "Nach allem, was wir gesehen haben, ging das einfach nicht mehr."

"Hier gelten wir als Ausländer und in Palästina auch. Warum?"

Nuhr Elabbas (20) und ihre gleichaltrige Freundin Fadia Mansour sind Wuppertalerinnen mit deutschem Pass und palästinensischer Herkunft. Mit Unterstützung des Medienprojekts Wuppertal sind sie von Heiligabend 2007 bis zum 7. Januar durchs Westjordanland gereist: mit der Kamera auf den Spuren des Nahost-Konflikts - und zugleich auf der Suche nach ihrer eigenen Geschichte.

"Wir stehen immer vor der Frage: Was wäre aus uns geworden, wenn unsere Familien in Palästina hätten bleiben können", erklärt Fadia Mansour. "Hier gelten wir als Ausländer und in Palästina auch. Warum musste das so kommen?"

Als ein Preisgeld für einen früheren Film (siehe Kasten) die Palästina-Reise möglich machte, ging für die jungen Frauen ein jahrelanger Wunsch in Erfüllung. Jetzt, zwei Tage nach der Rückkehr, sagt Nuhr Elabbas: "Es war viel schlimmer als erwartet."

Das begann schon mit der Einreise nach Israel: Mehr als fünf Stunden wurden beide am Flughafen Tel Aviv in der Zollkontrolle festgehalten und verhört, ohne essen, trinken oder telefonieren zu dürfen. "Wir wurden wie Terroristen behandelt", sagt Fadia Mansour, "nur wegen unserer arabischen Namen." Dass Palästinenser es in Palästina schwer haben, wussten beide schon von ihren Familien. Nun erlebten sie es am eigenen Leib.

Dazu immer wieder Durchsuchungen an Checkpoints. Eine Reise zum Dorf von Nuhrs Großeltern, wo heute eine jüdische Siedlung steht, deren Bewohner nichts von einstigen arabischen Bevölkerung wissen wollen. Beschimpfungen durch orthodoxe Jüdinnen in Jerusalem. Demos für ein Ende der Besatzung. Einmal gerieten die Frauen selbst ins Feuer israelischer Tränengasgranaten. "Im ersten Moment dachte ich, jetzt ist es vorbei mit uns", ist Fadia immer noch geschockt.

Sie, die temperamentvollere der beiden, redet sich im Gespräch schneller in Rage als die zurückhaltendere Nuhr. "Der Hass gegen die Israelis ist größer geworden", sagt sie einmal - und spricht im nächsten Atemzug von bewundernswerten Israelis, die sie dort kennen gelernt habe und die sich für Frieden und Verständigung einsetzten. "Aber die haben uns selbst erzählt, das sie nur eine Minderheit sind."

Aus den 40 Bändern Filmmaterial soll nun beim Medienprojekt eine 60-minütige Dokumentation geschnitten werden. Eben nicht neutral berichtend, sondern sehr persönlich, als Reportage von der Reise der beiden Frauen in ihre eigene Geschichte. Nuhr sagt: "Wir wollen, das die Menschen die Wahrheit über die Ereignisse in Palästina kennen lernen." Ihre subjektive Wahrheit. Eine mehr aus einer der bedrückendsten Regionen der Erde.