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Ammar Alfahel hat die Weißen Herzen in Wuppertal gegründet

WZ-Adventskalender : Weiße Herzen: Syrer sammelt Geschenke für Kinder

Bei den Wuppertaler Weißen Herzen sammeln sich seit 2017 Geflüchtete, um anderen ihre Hilfe anzubieten. Ammar Alfahel hatte die Idee.

Bei Ammar Alfahel im Reisebüro an der Friedrich-Engels-Allee liegen zahlreiche Tüten und verpackte Geschenke auf dem roten Sofa. Spiele, Bücher, Süßigkeiten. Und größere Dinge, gespendet von der Toys Company. Ammar Alfahel sammelt das alles, um es weiterzugeben. An Weihnachten werden Kinder von drei Weihnachtsmännern besucht, die in geschmückten Autos zu den Wohnungen fahren und die Geschenke vor die Tür stellen. Kinder, deren Eltern nicht viel Geld haben, sollen Weihnachten dennoch etwas auspacken und staunen können. Organisiert von den Weißen Herzen, einer Initiative gegründet von Alfahel.

Er kam 2015 nach Deutschland, starte 2016 die Gruppe

Alfahel ist es wichtig zu helfen, denen etwas zu geben, die wenig haben. 2017 hat er die Gruppe gegründet, die Idee hatte er 2016. Im Jahr zuvor kam er aus Syrien nach Deutschland. Über Libyen, Jordanien, Ägypten, die Türkei. Er kam mit einem kleinen Boot nach Griechenland. Ging zu Fuß, wie viele Tausend andere damals, über Mazedonien, Serbien, Ungarn und Österreich nach Deutschland.

„Eigentlich wollte ich gar nicht in die EU. Aber in den arabischen Ländern habe ich mich gefragt, wie ich dort leben, meiner Familie ein Leben ermöglichen soll.“ So sei er über Regensburg nach Wuppertal gekommen. „Ich hatte hier zum ersten Mal das Gefühl, von einer Regierung unterstützt, von den Menschen aufgenommen zu werden“, sagt er.

2016 hatte er dann die Idee für die Weißen Herzen. Er wollte etwas zurückgeben. Bei der Flüchtlingshilfe Nordstadt lernte er Steffi Spichala kennen, und fragte, wie er helfen könne. Spichala half ihm, aus der Idee eine Gruppe zu machen, etwas auf die Beine zu stellen. „Wir schrieben ein Konzept mit Hilfe der Stadt und haben eine Facebook-Gruppe gegründet“, erklärt Spichala. Die sollte der kommunikative Motor der Entwicklung werden.

In der Gruppe haben die Initiatoren Geflüchtete aus ihrem Umfeld gefragt, wer was kann, wer helfen will. Schnell wurde eine Kochgruppe gegründet. Es gibt eine Gruppe, die beim Renovieren oder bei Umzügen hilft, eine Gruppe, die näht. Rund zehn Gruppen sind in dem Verbund organisiert. Sie laufen weitgehend selbstständig.

Die ersten Hilfen konnten Alfahel und seine Mitstreiter den Flüchtlingshelferinnen – älteren Damen – anbieten: Reparaturen oder Renovierungen in den Wohnungen. Das sprach sich herum. Die Anfragen wurden mehr. Mit der Zeit kam die Förderung - etwa von Komm an NRW - , beantragt mit Hilfe der Stadt. Dazu immer wieder Unterstützung von anderen Initiativen und Institutionen. Immer mehr Menschen, die helfen wollten. Immer mehr Aufträge.

Für die Helfer ist das eine Win-Win-Situation, wie das Beispiel von Ammar Alfahel zeigt. Er hat mit einem Partner ein Reisebüro eröffnet. Denn er hat früher als Reisebegleiter gearbeitet und mit den Weißen Herzen Fahrten für Helfer, Familien und Bedürftige organisiert. Spichala erklärt, dass er so Kontakt zur Reiseunternehmen bekam, zu Veranstaltern, zu Busunternehmen. So sei er in hiesigen Gegebenheiten des bekannten Berufs hereingewachsen.

Solche Beispiele gebe es mehrfach. Menschen können durch die Hilfe, die sie anbieten, ihre Berufskenntnisse auffrischen, die Strukturen in Deutschland kennenlernen und auch praktische Beispiele ihrer Arbeit zeigen. Insofern ist die Hilfe auch Selbsthilfe.

Corona hat natürlich auch für die Weißen Herzen die Lage verändert. Büroräume, die sie zeitweise nutzen konnten, sind jetzt nicht mehr frei. „Wir suchen ein Büro“, sagt Spichala. Und auch Kontakte seien so nicht mehr möglich wie gewohnt.

Es gib keine Veranstaltungen mehr, keine Möglichkeit zu werben, keine Chance, Menschen aus dem Alltag zu holen. So kommen auch weniger neue Helfer dazu.

Die Weißen Herzen müssen
auf Corona reagieren

Darauf müssen die Weißen Herzen reagieren. Gerade läuft ein Video-Wettbewerb, bei dem Kinder ihre Talente von zu Hause aus zeigen sollen – auch ein Aufruf, zu Hause zu bleiben in Zeiten der Pandemie.

Aber natürlich gehen die Weißen Herzen auch wieder raus. Weihnachten sollen neben Geschenken für Kinder auch Präsente für Obdachlose verteilt werden. Menschen, deren Schicksal Alfahel besonders nahegeht. Auf der Straße leben, das kenne er von der Flucht. Dass es so etwas hier gibt, habe ihn besonders berührt.

Deshalb gibt es regelmäßig etwas zu essen für die Obdachlosen. Mit Hilfe des Lastenrads Fienchen, des Vereins Tacheles und der Seebrücke. Gekocht von der Kochgruppe der Weißen Herzen und anderen.

Dass Helfen auch Aufwand bedeutet, weiß Alfahel. „Renovieren, das dauert schon einmal ein, zwei Tage. Das Essen für die Obdachlosen zubereiten und verteilen, das kann auch mal vier, fünf Stunden dauern.“ Wer so intensiv hilft, so viel Zeit aufwendet, der brauche ein reines Herz, ein weißes Herz. Das habe er damals auch Spichala gesagt. Und so sei der Name der Gruppe entstanden.

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