1993 mahnte ein Verkehrszeichen in Wuppertal zur Kondomnutzung.

Bilder erzählen Stadtgeschichte : Welt-Aids-Tag: Wie ein Schild den Verkehr regelte

Das Schild mit Kondom blieb 1993 nicht lange stehen. Fotograf Kurt Keil kennt mehrere Anekdoten zum Gedenktag am 1. Dezember.

„Sie suchen doch immer interessante Motive. Ich hätte da was für Sie...“ Mit dieser Einleitung weckte vor 25 Jahren ein anonymer Anrufer das Interesse von WZ-Fotograf Kurt Keil. „Auf der Poststraße steht ein Schild“, hieß die Information. Vor Ort entdeckte der Pressefotograf das provokante Schild im Design eines Verkehrsschilds. Weiß auf Blau war dort kein Pfeil oder Parkplatz-P, sondern ein Kondom zu sehen. „Verkehr nur mit Kondom!“ mahnte ein Zusatzschild.

„Ich hatte nicht das Gefühl, dass es lange stehen bleiben würde“, erinnert sich Kurt Keil. Klar, dass er die ungewöhnliche Straßenszene mit der Kamera festhielt. Sogar in Farbe, obwohl die WZ wie alle Zeitungen Fotos damals noch hauptsächlich in Schwarz-weiß druckten. Und er behielt Recht: Wenig später sorgten Mitarbeiter des Ordnungsamts wieder für Ordnung und bauten das Schild wieder ab. Aufgestellt hatte das Schild, so Kurt Keil, eine „Aktion Aids“, die auf das Thema aufmerksam machen wollte.
Nachdem Anfang der 80er Jahre in den USA die ersten Fälle von Aids-Erkrankungen beschrieben wurden, gab es einerseits Horrormeldungen, andererseits auch bald die breite Aufklärungskampagne „Gib Aids keine Chance“ in Deutschland, organisiert von der damaligen Gesundheitsministerin Rita Süssmuth. Die Kampagne trug dazu bei, dass bisher tabuisierte Themen der Sexualität, vor allem der Gebrauch von Kondomen, immer wieder in der Öffentlichkeit thematisiert wurden und dabei auch für Belustigung sorgten. Viele kennen noch den Fernsehspot, bei dem eine Kassiererin – zum Entsetzen des Käufers – quer durch den Laden nach dem Preis für Kondome fragt.

Ebenso hofften die Aufsteller des Kondomschilds wohl, dass ihre Aktion sowohl amüsiert als auch aufmerksam macht. Die Aufmerksamkeit war dann tatsächlich groß, sagt Kurt Keil: Nachdem das Foto in der WZ erschienen war, hätten viele andere Medien auf der Poststraße nach dem Motiv gesucht. Vergeblich. Das Foto hatte nur der WZ-Fotograf.

Er selbst erinnert sich, dass er viele Male am Welt-Aids-Tag Kondome geschenkt bekommen hat. Meist war er dabei dienstlich unterwegs, einmal auch privat: Auf dem Münchner Christkindl-Markt habe ein prächtiger Engel seiner Frau und ihm hübsche Päckchen in die Hand gedrückt – sie erwiesen sich bei näherem Hinsehen als Kondompackungen.

Und einmal habe ihn so eine Aktion so richtig in Verlegenheit gebracht, sagt Kurt Keil. Er hatte bei der Verteilung von Kondomen in der Schwebebahn Fotos für die WZ gemacht, ein Päckchen achtlos in seine Jackentasche gesteckt und vergessen. Deshalb hatte er auch fast keine Erinnerung mehr daran, als seine Frau einige Wochen später vorm Waschen der Jacke in deren Taschen griff, das Kondompäckchen fand und bohrend nachfragte, wozu er das denn in seiner Jackentasche brauche. „Zum Glück ist mir doch noch eingefallen, woher ich das hatte“, erzählt Kurt Keil lachend.

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