Wuppertal: Kantorei Barmen-Gemarke mit neuem Schwung

Konzert : Kantorei Barmen-Gemarke mit neuem Schwung

Leidenschaftlicher Auftritt beim Stiftungskonzert in der Immanuelskirche.

Vor 13 Jahren wurde die Stiftung Kantorei Barmen Gemarke gegründet. Seitdem bedankt sich die Kantorei Barmen-Gemarke einmal im Jahr mit einem Stiftungskonzert bei allen, die sie bisher auf diese Weise unterstützt haben. Dieses Mal präsentierte sie im Kulturzentrum Immanuel ein unterhaltsames Programm. Mit dabei waren ganz junge Sänger und zwei Weggefährten.

Einen neuen Schwung scheint der seit über 70 Jahren existierende traditionsreiche Chor bekommen zu haben. Kehren hier neue Besen gut? Allein die Körpersprache der Choristen strahlte bei ihrem Auftritt eine große Leidenschaft am Singen aus. Bierernst ist dem Frohsinn gewichen. Unverkrampft sangen sie geläufiges wie neues Repertoire. Unter dem umsichtigen Dirigat ihres neuen Leiters Alexander Lüken, der außerdem etliche Programmpunkte souverän am Flügel begleitete, intonierten sie herzerfrischend eingängige Weisen wie „Kommt herzu, lasst uns fröhlich sein“, „In einem kühlen Grunde“ und „Wenn alle Brünnlein fließen“.

Klare Diktion
und fester Zugriff

Mit einer klaren Diktion und einem festen Zugriff führten sie englischsprachige Lieder auf, etwa Arthur Sullivans „The Long Day Closes“ und ein Traditional. Ruthild Wilsons Gospel „Send your Spirit down“ kam enthusiastisch mit sehr viel Drive vom Podium. Gut, es ist noch nicht alles Gold, was glänzt. Doch die Stimmbildung ist auf einem guten Weg und die Ausgewogenheit viel besser.

Ein großes Anliegen ist es der Kantorei seit geraumer Zeit, Kindern und Jugendlichen die Musik näher zu bringen. So wurde der Wichlinghauser Kinder- und Jugendchor ins Leben gerufen. Neue Chefin ist Regina Lüken, Gattin des Kantorei-Leiters.

Der junge Chor befindet sich wohl noch im Aufbau, was die Größe betrifft. Auswendig und gestenreich sangen sieben Kinder bezaubernde kleine Stücke, etwa „Sternenfänger“ und „Das Tickitackitucki-Häuschen“. Und zwei weibliche Jugendliche rappten fetzig zum Halbplayback.

Dietrich Modersohn glänzte an der Orgel. Die jazzige Toccata über das Kirchenlied „Christ lag in Todesbanden“ von Volker Bräutigam gestaltete er mit viel Groove. Auch Mezzosopranistin Juliane Wenzel, Stimmbildnerin der Kantorei Barmen-Gemarke, konnte dank ihrer tragfähigen Stimme bei Andrew Lloyd Webbers Song „I don’t know, how to love him“ aus seiner Rockoper „Jesus Christ Superstar“ überzeugen.

Dem kurzweiligen Abend hätte man mehr als nur ein sehr überschaubares Publikum gewünscht, das nach jeder Nummer herzlich applaudierte.

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