1987 entdeckten die Wuppertaler den Laurentiusplatz neu als Festplatz

Serie 90 Jahre in Wuppretal : Wie der Laurentiusplatz ein Festplatz wurde

1987 feierte die WZ auf dem neu gestalteten Areal einen Jahrhundertmarkt. Zehntausende Wuppertaler waren dabei.

Es war ein Fest, das vielen älteren Wuppertalern bis heute in sehr schöner Erinnerung geblieben ist: Am 19. September 1987 feierte die Westdeutsche Zeitung ihr 100-jähriges Bestehen mit einem Jahrhundertmarkt auf dem Laurentiusplatz. Zehntausende Wuppertaler waren beim runden Geburtstag „ihres“ Generalanzeigers dabei und nahmen gleichzeitig den neu gestalteten Laurentiusplatz in Besitz. Über dessen Umbau hatten sie sich über Jahre die Köpfe heiß geredet.

Der Jahrhundertmarkt der WZ, den Verleger Dr. Michael Girardet und die damalige Oberbürgermeisterin Ursula Kraus gemeinsam eröffneten, beendete mit einem Schlag alle Diskussionen über den Laurentiusplatz. Die Wuppertaler waren am Ende eines langen Tages, der mit einem spektakulären Feuerwerk endete, schlichtweg begeistert von ihrem neuen Stadtplatz. Den kannten sie viele Jahre nur als holprigen Parkplatz, der keinerlei Aufenthaltsqualität bot. Das große Potenzial, über das der Laurentiusplatz auch als Festplatz verfügt, wurde erst durch den Jahrhundertmarkt der WZ sichtbar.

Am 1. Oktober 1887 war der General-Anzeiger in Wuppertal und im Bergisch-Märkischen Raum erstmals erschienen. Kommerzienrat Wilhelm Girardet bewies Weitsicht und Fingerspitzengefühl, als er sich lange vor der Stadtgründung Wuppertals entschloss, eine Zeitung großen Stils, den General-Anzeiger für Elberfeld-Barmen, herauszugeben.

Der 100. Geburtstag des GA sollte mit möglichst vielen Wuppertalern gefeiert werden. Doch so viele geeignete Standorte boten sich damals nicht an. Die Stadthalle wies vor der Renovierung längst noch nicht den heutigen Glanz auf und hätte die Gäste auf den Kreis der Honoratioren beschränkt. Es sollte aber ein Volksfest werden, an dem jeder Wuppertaler teilhaben konnte. Und so fiel die Wahl auf den Laurentiusplatz, dem seine Feuertaufe im Herbst 1987 noch bevorstand.

Heute ist es schwer vorstellbar, wie damals über den Platz diskutiert wurde. Das Kopfsteinpflaster war nur ein Stein des Anstoßes. Vor allem die Autofahrer zeterten über den Verlust der zentral gelegenen Parkplätze. Jeder Wegfall eines Parkplatzes galt damals als Sakrileg und führte postwendend zu Glaubenskriegen im Rat der Stadt.

Mit Freiluftveranstaltungen taten sich die Wuppertaler schwer

Außerdem taten sich viele Wuppertaler mit der großen freien Fläche schwer, die sich plötzlich vor ihnen und der Laurentiuskirche auftat. War das nicht verschwendeter Raum? Große Stadtfeste auf Wuppertaler Stadtplätzen waren in den 1980er Jahren noch absolute Ausnahmen. Seit 1971 fand zwar unter der Schwebebahn in Vohwinkel der weltgrößte Eintages-Flohmarkt statt, aber ansonsten scheuten die Wuppertaler Freiluftveranstaltungen wie der Teufel das Weihwasser. Schließlich regnete es im Tal immer dann, wenn man es gar nicht gebrauchen konnte.

Es war also mit einem gewissen Risiko verbunden, dass die Westdeutsche Zeitung mit ihrem Jahrhundertmarkt ihre Zelte auf dem Laurentiusplatz aufschlug. In den Tagen vor dem großen Fest war die Spannung in der Redaktion mit den Händen zu greifen. Würde das Wetter mitspielen oder würde sich wieder einmal bewahrheiten, dass Gummistiefel und Regenschirme für jeden Wuppertaler zur Grundausstattung gehören?

Es wurde ein wunderschöner Spätsommertag, der keine Wünsche offen ließ. Als Verleger Dr. Michael Girardet den offiziellen Startschuss für den Jahrhundertmarkt gab, drängten sich die Menschenmassen bereits über den Platz. Stelzenläufer, Gaukler, Narren, Jongleure und Artisten waren auf dem Platz unterwegs. Eine Wahrsagerin schaute in ihrem Zelt in die Kristallkugel. Die hätten auch die Stadtplaner nötig gehabt, die jetzt aufatmeten, weil sie sich gegen alle Kritiker durchgesetzt und dem Laurentiusplatz in seiner Weitläufigkeit ein mediterranes Flair verpasst hatten. Bis in die späten Abendstunden wurde gefeiert. Der Jahrhundertmarkt versetzte die Besucher mit seiner nostalgischen Ausrichtung in eine Zeit, in der Marktplätze oder andere große Stadtplätze im Schatten einer großen Kirche oder eines Rathauses genau für dieses Flair gesorgt hatten.

Zudem wurde am 19. September 1987 mit dem Mythos aufgeräumt, dass in Wuppertal große Freiluftveranstaltungen ein zu großes Risiko für jeden Veranstalter bedeuten. Zwei Jahre später feierte Wuppertal seinen 60. Stadtgeburtstag mit dem ersten langen Tisch. Und wie selbstverständlich wurde damals und bei späteren Auflagen nicht nur auf der Talsohle, sondern auch auf dem Laurentiusplatz gefeiert.

Im Advent werden Jahr für Jahr Erinnerungen an den Jahrhundertmarkt geweckt, wenn die Händler des mittelalterlichen Weihnachtsmarktes ihre Stände aufbauen. Das soll – so der Ratsbeschluss – auch in den kommenden Jahren so sein. Eine schönere Kulisse wie sie die Laurentius-Basilika und die stattliche Häuserzeile an der Friedrich-Ebert-Straße bieten, gibt es kaum in der Stadt. Kein Wunder, dass die Wuppertaler seit 1987 hier gerne feiern.

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