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Verein für Migrantinnen: Helfen, Strukturen aufzubrechen

Verein für Migrantinnen: Helfen, Strukturen aufzubrechen

Hayriye Yerlikaya hat einen Verein für Migrantinnen gegründet.

Neuss. Wenn sie wie an diesem Nachmittag auf dem Markt im Café sitzt, telefoniert, organisiert, ihren Kaffee trinkt, ist sie eine dieser freundlichen selbstbewussten jungen Frauen, die sich durchzusetzen wissen. Hayriye Yerlikaya, die über das Thema Zwangsehen promoviert hat, betreibt mit Partnern seit 2008 eine Anwaltskanzlei in der Innenstadt. Türkin? Nein, Deutsche, in Deutschland geboren. Als Kind, sagt sie, wurde sie oft gefragt, woher sie denn komme. „Aus der Türkei, habe ich gesagt, wegen meiner Eltern. Und dann habe ich auf einmal gemerkt, das ist ja eine Lüge.“

Die von Migration geprägte Biografie, die zahlreichen Kontakte zu türkischen Migrantinnen und Erfahrungen aus der Tätigkeit als Anwältin für Familienrecht haben Hayriye Yerlikaya dazu gebracht, mit ihrer Kanzleipartnerin Esma Cakir-Ceylan den Migrantinnenverein Neuss zu gründen. Schon an ihrem Wohnort Düsseldorf hat sie das getan, der Verein hat bereits regen Zulauf.

Die Ziele sind so vielfältig wie die Adressatinnen. Es gehe um das Aufbrechen patriarchalischer Strukturen, sagt die Anwältin, um die Gleichstellung in der Arbeitswelt, darum, Migrantinnen zu mehr Selbstbewusstsein, zu mehr Emanzipation zu verhelfen. „Wir sind überparteilich, nicht religiös gebunden. Frauen, die ein Problem mit Minderheiten haben, haben bei uns nichts zu suchen“, betont Yerlikaya.

Sie sieht in Neuss einen großen Bedarf und auch mehrheitlich eine konservativere Struktur bei den Türken als in Düsseldorf. Nach wie vor würden viele Frauen aus der Türkei von ihren Männern nach Deutschland und so auch nach Neuss nachgeholt. Die Arbeit des gerade erst drei Monate alten Vereins aber beschränke sich nicht auf die Gruppe der in diesen Strukturen gefangenen Migrantinnen, sagt Hayriye Yerlikaya. Die Spannbreite zeigen auch bereits bestehende Angebote und die Pläne für das Jahr. Der Vortrag einer Psychologin, Auskunftsangebote bei rechtlichen Fragen, ein Fotoprojekt, Teilnahme an einem Stadtrundgang, Beteiligung am Tag der Gewalt gegen Frauen und Lesungen gehören dazu. Auch die Zusammenarbeit mit anderen Frauenberatungsstellen will Yerlikaya aufbauen. „Wichtig ist doch, dass Migrantinnen sich selbst organisieren, sich selbst artikulieren. Und dass nicht immer nur andere über sie sprechen.“

Weitere Informationen unter Telefon 02131/313 9889. Der Dachverband hat seinen Sitz in Frankfurt:

www.migrantinnen.net